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Die London Stock Exchange (LSE) arbeitet an einer neuen Handelsplattform, die Anlegern auch außerhalb der regulären Handelszeiten Zugang zu Börsenprodukten ermöglichen soll. Die Börse reagiert damit auf eine klare Verschiebung an den Finanzmärkten: Die Nachfrage nach Handel außerhalb der üblichen Zeiten nimmt deutlich zu.
Die britische Wirtschaftszeitung Financial Times berichtet, dass die neue Handelsplattform in der ersten Jahreshälfte 2027 starten soll. Sie wird unabhängig von der bestehenden Börse betrieben und täglich von 17.00 Uhr bis 07.50 Uhr Londoner Zeit geöffnet sein.
Zunächst sollen Anleger dort Exchange Traded Products (ETPs) handeln können, etwa Produkte, die den britischen oder den US-Aktienmarkt abbilden. Der reguläre Börsenhandel läuft daneben weiterhin von 08.00 Uhr bis 16.30 Uhr.
Mit der Ausweitung reiht sich die London Stock Exchange in eine wachsende Gruppe internationaler Börsen ein, die den Handel außerhalb der klassischen Handelszeiten ausbauen. Vor allem Privatanleger zeigen zunehmend Interesse daran, auch außerhalb der regulären Zeiten aktiv zu werden.
Nach Einschätzung von LSE-Chefin Julia Hoggett spielt dabei auch die Lage Londons eine wichtige Rolle. Gegenüber der Financial Times sagte sie, das Interesse von Privatanlegern nehme zu, über London nicht nur in britische, sondern auch in internationale Anlagen zu investieren.
Der Schritt erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem klassische Wertpapierbörsen zunehmend Konkurrenz durch Kryptobörsen und Plattformen für tokenisierte Aktien bekommen. Anders als viele traditionelle Börsen ermöglichen diese Handelsplätze häufig rund um die Uhr und an sieben Tagen in der Woche den Zugang zum Markt.
Die Verlängerung der Handelszeiten fügt sich in eine breitere Entwicklung ein: Traditionelle Börsen bereiten sich auf einen Markt vor, in dem Wertpapiere immer häufiger digital begeben und auch außerhalb regulärer Börsenzeiten gehandelt werden können. Die dafür nötige Infrastruktur wird mit hohem Tempo entwickelt, auch wenn der tatsächliche Handel bislang begrenzt bleibt.
Bei tokenisierten Aktien werden herkömmliche Aktien digital auf einer Blockchain ausgegeben. Dadurch können sie auf vielen Plattformen nahezu durchgehend gehandelt werden, statt nur während der Öffnungszeiten einer Börse.
Für etablierte Börsenbetreiber steigt damit der Druck, ihre Handelszeiten auszuweiten. Mit der neuen Plattform will die London Stock Exchange verhindern, dass Anleger auf alternative Handelsplätze ausweichen. Die Ausdehnung der Handelszeiten zeigt, dass der Wettbewerb mit der Kryptobranche und die Tokenisierung zunehmend prägen, wie traditionelle Finanzmärkte organisiert werden.
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