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Der südkoreanische Kospi ist eindrucksvoll in den Bullmarkt zurückgekehrt. Nach dem schweren Rückschlag im Juli, als er durch Zwangsverkäufe und den Abbau gehebelter Positionen stark unter Druck geriet, liegt der Index inzwischen mehr als 20 Prozent über seinem jüngsten Tief.

Damit ist die klassische Schwelle für einen neuen Bullmarkt erreicht. Das Tempo der Erholung wirft allerdings eine zentrale Frage auf: Ist dies der Beginn einer tragfähigen Rally, oder nur ein kräftiger Erholungsschub nach einer extremen Korrektur?
Die Erholung des Kospi hängt fast vollständig an den südkoreanischen Halbleiterkonzernen. Samsung Electronics und SK Hynix dominieren den Index und gelten inzwischen als wichtige Gradmesser für die weltweite KI-Stimmung. Sobald Investoren mehr Vertrauen in die KI-Ausgaben großer US-Technologiekonzerne fassen, profitiert Südkorea unmittelbar.

Genau das war in den vergangenen Tagen erneut zu beobachten. Starke Zahlen aus dem US-Techsektor und anhaltende Investitionen in KI-Infrastruktur haben den Markt beruhigt. Anleger rechnen damit, dass die Nachfrage nach Speicherchips, insbesondere nach High-Bandwidth Memory, hoch bleibt.
Analysten zufolge war der jüngste Ausverkauf daher weniger fundamental begründet, sondern vor allem markttechnischer Natur. Gehebelte Positionen wurden abgebaut, Margin Calls zwangen Anleger zu Verkäufen, und die Panik verstärkte sich selbst. Da dieser Verkaufsdruck nun nachlässt, fließt wieder Kapital in den Markt.
Gleichzeitig ist die Abhängigkeit von Chipwerten das größte Risiko. Die südkoreanische Börse ist derzeit nahezu gleichbedeutend mit der Wette auf KI-Hardware. Solange die Marktstory intakt bleibt, funktioniert das hervorragend. Gerät sie jedoch ins Wanken, kann der Kospi erneut stark unter Druck geraten.
Vorsichtigere Ausblicke für KI-Investitionen bei Hyperscalern, fallende Preise für KI-Dienste oder zunehmende Zinssorgen könnten Samsung, SK Hynix und damit den gesamten Index unmittelbar belasten. Das macht diesen Bullmarkt anfälliger, als der Kursanstieg von 20 Prozent vermuten lässt. Der Markt ist zurück, aber nicht zwangsläufig stabil.
Auf der positiven Seite gibt es jedoch Argumente für eine nachhaltigere Rally. Die Gewinnerwartungen für koreanische Chipkonzerne steigen weiterhin. Der Investitionszyklus bei KI-Infrastruktur scheint nicht beendet zu sein. Zudem tragen Reformen in der Corporate Governance und das sogenannte Value-Up-Programm dazu bei, den alten „Korea Discount“ zu verringern.
Dieser Abschlag beschreibt, dass südkoreanische Unternehmen historisch häufig niedriger bewertet wurden als vergleichbare ausländische Firmen. Sollte sich diese Bewertungslücke weiter schließen, könnte das den Markt zusätzlich stützen.
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