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Die Gerüchte kursierten schon länger, nun ist der Niederländer Klaas Knot offiziell für das Präsidentenamt der Europäischen Zentralbank (EZB) nominiert. Christine Lagarde scheidet früher als geplant aus dem Amt aus. Damit hat das Rennen um ihre Nachfolge begonnen.

Früherer niederländischer Notenbankchef kandidiert für EZB-Spitze

Finanzminister Eelco Heinen von der rechtsliberalen VVD teilte die Nominierung heute in einem Schreiben an das niederländische Parlament mit. Die Regierung hatte Knot bereits im August ihre Unterstützung zugesichert. Nun ist seine Kandidatur offiziell eingereicht.

Der Posten wird frei, weil Lagarde am 7. Februar ihr Amt abgibt. Ihre Amtszeit wäre regulär erst Ende Oktober 2027 ausgelaufen. Sie geht damit rund neun Monate früher. Die Mitgliedstaaten können noch bis einschließlich Freitag Kandidaten nominieren.

Der 59-jährige Knot war von 2011 bis 2025 Präsident der niederländischen Zentralbank De Nederlandsche Bank (DNB). Bereits im Januar sah ihn eine Mehrheit der von Bloomberg befragten Ökonomen als Favoriten für Lagardes Nachfolge.

Sollte er gewählt werden, wäre er nach Wim Duisenberg erst der zweite Niederländer an der Spitze der EZB. Duisenberg kam wie Knot von der DNB und war von 1998 bis 2003 der erste Präsident der EZB.

Während seiner Zeit bei der DNB galt Knot zunächst als geldpolitischer Falke, der einer konsequenten Inflationsbekämpfung Vorrang einräumte. Später erwarb er sich den Ruf eines Vermittlers, der Kompromisse ermöglicht.

Welche Aufgaben hat der EZB-Präsident?

Der EZB-Präsident leitet die Zentralbank der 21 Eurostaaten. Er führt den Vorsitz bei den Sitzungen, in denen alle sechs Wochen über die Zinsen entschieden wird, und vertritt die Bank nach außen. Die Amtszeit beträgt acht Jahre. Eine Wiederernennung ist ausgeschlossen.

Die Zinsentscheidungen betreffen alle Menschen im Euroraum. Sie beeinflussen sowohl die Kosten von Immobilienkrediten als auch die Verzinsung von Sparguthaben. Steigen die Preise zu stark, erhöht die EZB die Zinsen. Das verteuert Kredite und dämpft die Konjunktur.

Die EZB strebt eine jährliche Inflationsrate von rund zwei Prozent an. An den Sitzungen nehmen die sechs Mitglieder des EZB-Direktoriums und die Präsidenten aller nationalen Zentralbanken des Euroraums teil. Als DNB-Präsident wirkte Knot deshalb 14 Jahre lang an den Entscheidungen mit.

Spanischer Konkurrent gilt inzwischen als Favorit

Inzwischen gilt Knot allerdings nicht mehr als aussichtsreichster Bewerber. In einer neueren Bloomberg-Umfrage sehen Ökonomen den Spanier Pablo Hernández de Cos vorn. Er leitete die spanische Zentralbank und steht heute an der Spitze der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), einer Dachorganisation der Zentralbanken.

Der künftige Präsident braucht breite Unterstützung. Mindestens 16 der 21 Eurostaaten müssen für ihn stimmen. Zugleich müssen diese Länder mindestens 65 Prozent der Bevölkerung des Euroraums repräsentieren.

Damit haben die großen Länder erheblichen Einfluss. Auf Deutschland und Frankreich entfallen zusammen gut 40 Prozent der Bevölkerung. Gegen ihre Stimmen kann sich kein Kandidat durchsetzen. Bundeskanzler Friedrich Merz hat laut RTL bereits persönlich bei Knot wegen einer möglichen Kandidatur angefragt.

Am Montag beraten die Finanzminister der Eurostaaten über die Bewerber. Eine Entscheidung fällt dabei noch nicht. Voraussichtlich Mitte Dezember werden die europäischen Staats- und Regierungschefs bekannt geben, wer Lagarde nachfolgt.

Auf den neuen Präsidenten wartet unmittelbar eine schwierige Aufgabe. Infolge des Krieges im Iran stieg die Inflation im September auf 3,8 Prozent und lag damit fast doppelt so hoch wie angestrebt. Die EZB hat die Zinsen deshalb in diesem Jahr bereits zweimal auf nun 2,5 Prozent angehoben.

Auch Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel und Chefvolkswirt Philip Lane scheiden im kommenden Frühjahr aus. Fast die Hälfte der Ökonomen rechnet damit, dass die Spitzenposten im Rahmen einer Paketlösung vergeben werden. Sollte einer davon an Nordeuropa gehen, würden Knots Chancen deutlich sinken.

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