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Der Ölpreis zieht erneut an und nähert sich der wichtigen Marke von 100 Dollar je Barrel. Anleger sorgen sich über neue Störungen in der Straße von Hormus, während China zugleich seine Ölkäufe ausweitet.
Brent-Öl notiert inzwischen weniger als 2 Dollar unter der Marke von 100 Dollar. Der Preis hatte bereits in der vergangenen Woche kräftig zugelegt, nachdem die Kämpfe zwischen den Vereinigten Staaten und Iran erneut aufflammten.
Die Unsicherheit nimmt weiter zu, da Iran laut The Hormuz Letter einen amerikanischen Vorschlag ablehnt und Gespräche unter den derzeitigen Umständen für unmöglich hält.

Iran und Oman arbeiten an einer Vereinbarung über die Schifffahrt durch die Straße von Hormus. Nach Angaben aus Teheran steht diese Einigung kurz bevor. Teil davon soll eine zeitweise sichere Route sein, über die Schiffe die wichtige Meerenge passieren können.
Das bedeutet jedoch nicht, dass auch eine Einigung zwischen Iran und den Vereinigten Staaten näher rückt. Im Gegenteil: Laut The Hormuz Letter hat Teheran einen amerikanischen Vorschlag zurückgewiesen. Eine ranghohe iranische Quelle sagte RT, Verhandlungen seien derzeit wegen früherer amerikanischer Verstöße und ständig wechselnder Positionen unmöglich.
Iran will erst weiterverhandeln, wenn die Vereinigten Staaten eine Reihe von Bedingungen erfüllen. Teheran fordert unter anderem 300 Milliarden Dollar Entschädigung, die vollständige Aufhebung der US-Sanktionen und die Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte im Umfang von 100 Milliarden Dollar.
Darüber hinaus verlangt Iran ein Ende der amerikanischen Seeblockade und den Abzug der US-Truppen aus der Region. Zudem fordert Teheran eine umfassende regionale Waffenruhe, auch im Libanon und in Gaza.
Damit laufen zwei unterschiedliche Prozesse parallel. Iran und Oman versuchen, Absprachen über die Schifffahrt durch Hormus zu treffen, während eine umfassendere Vereinbarung zwischen Iran und den Vereinigten Staaten vorerst weit entfernt scheint. Die Unsicherheit rund um die wichtige Ölroute bleibt damit hoch.
Entscheidend ist vor allem, wie die Vereinigten Staaten auf die Entwicklungen rund um die Straße von Hormus reagieren. Washington hatte am vergangenen Wochenende noch iranische Öltanker angegriffen. Zugleich warnte Iran, dass Schiffe in der Nähe von Oman Angriffen ausgesetzt sein könnten.
Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Routen für den weltweiten Ölhandel. Trotz der Spannungen fließen laut Vitol-Chef Russell Hardy weiterhin rund 10 Millionen Barrel Öl pro Tag durch die Meerenge.
Dennoch nimmt der Druck auf den Ölmarkt zu. Hardy sieht vor allem Anzeichen für Knappheit bei raffinierten Ölprodukten wie Diesel.
Auch Goldman Sachs rechnet mit länger anhaltenden Störungen. Die Bank erwartet, dass die Probleme in der Schifffahrt bis 2027 anhalten könnten, und hat deshalb ihre Ölpreisprognosen leicht angehoben.
„Die Risiken für unsere Preisprognose überwiegen weiterhin klar nach oben“, schreiben Analysten von Goldman Sachs, darunter Daan Struyven.
Brent-Öl ist inzwischen mehr als 30 Prozent teurer als vor den amerikanischen und israelischen Angriffen auf Iran vor gut sechs Monaten. Mit knapp 100 Dollar je Barrel liegt der aktuelle Preis jedoch weiter deutlich unter dem Höchststand von mehr als 126 Dollar, der Ende April erreicht wurde.
Nicht nur die Spannungen im Nahen Osten treiben den Ölpreis nach oben. Auch China kauft mehr Rohöl. Chinesische Raffinerien haben ihre Käufe unter anderem aus Afrika, Kanada und Lateinamerika ausgeweitet.
Neue Zolldaten zeigen, dass Chinas Ölimporte im August gestiegen sind. Auch aus dem Persischen Golf gelangte mehr Öl ins Land. Die zusätzliche Nachfrage aus China erhöht den Druck auf einen Markt, in dem Händler zugleich mögliche Angebotsstörungen einkalkulieren.
Unterdessen bleiben die Spannungen zwischen Iran und den Vereinigten Staaten hoch. Der iranische Sicherheitsfunktionär Mohsen Rezaee erklärte, sein Land habe seine militärische Ausrichtung gegenüber amerikanischen Kriegsschiffen und Stützpunkten grundlegend angepasst. Washington habe in den vergangenen Tagen eine deutliche Warnung zum Einsatz iranischer Raketen erhalten.
Chris Weston von Pepperstone rechnet deshalb nicht mit einer schnellen Beruhigung.
„Seit Ende Februar haben wir so viele unerwartete Wendungen erlebt. Jedes Mal, wenn es nach Fortschritt aussah, brach wieder alles auseinander“, sagte er. „Wir stehen fast wieder am Anfang.“
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