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Die Intel-Aktie ist am Donnerstagabend im nachbörslichen Handel an der Wall Street um mehr als 22 Prozent eingebrochen. Der US-Chiphersteller erwartet für die kommenden Monate deutlich weniger Umsatz als von Analysten prognostiziert.
Eine wesentliche Rolle spielt dabei ausgerechnet das rasante Wachstum der künstlichen Intelligenz. Der KI-Boom, der die Intel-Aktie in diesem Jahr noch beflügelt hatte, führt inzwischen zu Engpässen, die den Computerabsatz belasten.
Intel erwartet im vierten Quartal einen Umsatz von 15 bis 16 Milliarden Dollar, umgerechnet etwa 13 bis 14 Milliarden Euro. Analysten hatten im Schnitt mit 17 Milliarden Dollar gerechnet. Einige Prognosen lagen sogar bei mehr als 18 Milliarden Dollar.
Auch die Gewinnprognose enttäuscht. Intel rechnet mit einem bereinigten Gewinn von 25 US-Cent je Aktie. Analysten waren von 43 US-Cent ausgegangen.
Dabei waren die Ergebnisse des vergangenen Quartals besser ausgefallen als erwartet. Der Umsatz stieg um 21 Prozent auf 16,5 Milliarden Dollar. Der bereinigte Gewinn lag bei 52 US-Cent je Aktie und damit über den erwarteten 41 US-Cent.
Besonders stark wuchs das Geschäft mit KI und Rechenzentren. Der Umsatz dieser Sparte legte um 78 Prozent auf 7,3 Milliarden Dollar zu. Auch die Auftragsfertigung, in der Intel Chips für andere Unternehmen produziert, verzeichnete ein Umsatzplus von 58 Prozent auf 6,7 Milliarden Dollar.
Schwächer entwickelte sich dagegen die Sparte für Laptops und Desktop-PCs. Dort sank der Umsatz um fünf Prozent auf 8,1 Milliarden Dollar. Gerade dieser Geschäftsbereich dürfte in den kommenden Monaten für weitere Schwierigkeiten sorgen.
Die enormen Investitionen in KI-Rechenzentren haben eine unerwartete Folge. Die Nachfrage nach Speicherchips ist so stark gestiegen, dass die Hersteller den Computermarkt kaum noch ausreichend beliefern können.
Unternehmen wie Samsung, SK Hynix und Micron profitieren von dieser Nachfrage. Für Intel ist die Entwicklung dagegen weniger günstig. Durch die Knappheit sind Speicherchips deutlich teurer geworden. Dadurch steigen auch die Preise für Laptops und Desktop-PCs.
Verbraucher und Unternehmen werden deshalb beim Kauf neuer Computer zurückhaltender. Mit sinkenden Computerverkäufen geht auch die Nachfrage nach Intel-Prozessoren zurück.
Konzernchef Lip-Bu Tan blickt vor allem mit Sorge auf die kommenden Jahre. Die steigenden Speicherpreise zählen aus seiner Sicht zu den größten Herausforderungen der Branche. Er erwartet, dass sich das Problem 2027 noch erheblich verschärft.
Intel rechnet damit, dass der weltweite PC-Markt 2027 um zehn Prozent schrumpft, nach einem Rückgang von zwölf Prozent im Jahr 2026. Die schwache Nachfrage dürfte nach Einschätzung des Unternehmens mindestens bis in die erste Hälfte des kommenden Jahres anhalten.
Auch die Rechenzentrumssparte hätte stärker wachsen können. Wegen Rohstoffengpässen und der vorübergehenden Schließung eines Werks in Israel konnte Intel nicht alle Bestellungen bedienen.
Der Kurseinbruch folgt auf ein außergewöhnlich starkes Jahr für Intel. Bis Donnerstag hatte sich der Aktienkurs 2026 mehr als verdoppelt. Anleger hatten darauf gesetzt, dass der Chiphersteller zu den großen Gewinnern der KI-Revolution zählen würde.
Seit Tans Amtsantritt im März 2025 treibt Intel einen tiefgreifenden Konzernumbau voran. Das Unternehmen hat Stellen gestrichen, Kosten gesenkt und große Investoren gewonnen, darunter Nvidia und die US-Regierung.
Die Erholung ist allerdings noch lange nicht abgeschlossen. Intel hat in den vergangenen Jahren Marktanteile an den Konkurrenten AMD verloren und versucht, seine Position als Chiphersteller zu stärken.
Dazu will das Unternehmen mehr Chips für andere Technologiekonzerne produzieren. In diesem Markt konkurriert Intel mit dem taiwanischen Unternehmen TSMC. Um seine kostspieligen Fabriken rentabler zu betreiben, muss der Konzern jedoch noch genügend große externe Kunden gewinnen.
Auch die Gewinnmargen stehen unter Druck. Intel erwartet, dass die Bruttomarge im vierten Quartal von 43 auf 38 Prozent sinkt. Sie bezeichnet den Anteil des Umsatzes, der nach Abzug der direkten Produktionskosten verbleibt.
Intel ist zudem nicht der einzige große Technologiekonzern, dessen Aktie diese Woche an der Wall Street stark unter Druck gerät. Am Mittwoch verlor die Google-Mutter Alphabet nach enttäuschenden Quartalszahlen rund 520 Milliarden Dollar an Börsenwert.
Die Erwartungen an das KI-Geschäft sind inzwischen so hoch, dass selbst starkes Wachstum in diesem Bereich den Anlegern nicht genügt, wenn der Ausblick für das übrige Geschäft enttäuscht.
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