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Heute fallen mehrere wichtige Marktthemen zusammen.

Der Brent-Ölpreis liegt wegen des wieder aufgeflammten Kriegs zwischen den USA und Iran bei rund 94 Dollar je Barrel. Die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen nähert sich dem höchsten Stand seit Monaten. Die Bank of Japan erwägt Zinserhöhungen, um den Yen zu stützen. Und am Abend legt Alphabet, der Mutterkonzern von Google, seine Quartalszahlen vor.

Damit steht der Markt an einem entscheidenden Punkt. Nicht, weil eine einzelne Kennzahl alles bestimmen wird, sondern weil mehrere Spannungsfelder genau in dem Moment zusammenlaufen, in dem Anleger den KI-Bullenmarkt kritischer hinterfragen.

KI muss jetzt Rendite liefern

An der langfristigen Bedeutung von KI besteht für mich kein Zweifel. Der Ausbau von Rechenzentren, Chips, Energieinfrastruktur und Software dürfte sich über Jahre fortsetzen. Dafür ist KI wirtschaftlich und geopolitisch zu wichtig geworden.

Doch der Markt scheint in eine neue Phase einzutreten. Anleger wollen nicht mehr nur hören, dass Unternehmen Hunderte Milliarden Dollar in KI investieren. Sie wollen sehen, dass diese Investitionen auch Erträge bringen.

Deshalb sind die Zahlen von Alphabet heute so wichtig. Der Markt weiß bereits, dass Alphabet in diesem Jahr rund 190 Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur investieren will. Das ist mehr als doppelt so viel wie 2025. Eine weitere Anhebung dieser Summe dürfte Anleger nicht automatisch beruhigen.

Im Gegenteil: Ohne deutliches Umsatzwachstum, höhere Margen und starke Cashflows könnten zusätzliche Investitionsausgaben eher als Risiko gewertet werden.

Für Alphabet wäre daher eine Kombination aus zwei Faktoren ideal: hohe Investitionen und überzeugende Belege dafür, dass KI und Cloud diese Ausgaben zunehmend refinanzieren.

Ölpreis steigt zum ungünstigen Zeitpunkt

Genau in diesem Moment zieht der Ölpreis wieder kräftig an. Brent bei rund 94 Dollar bedeutet, dass der Markt nicht länger nur auf KI, Chips und Unternehmensgewinne schauen kann. Der geopolitische Hintergrund schlägt wieder unmittelbar auf Inflationserwartungen und Zinsen durch.

Nach elf aufeinanderfolgenden Nächten mit US-Angriffen auf Iran und Äußerungen von Außenminister Marco Rubio, wonach Iran die Verhandlungen nicht ernst nehme, ist eine klare Deeskalation vorerst nicht in Sicht.

Die Straße von Hormus bleibt dabei das zentrale Risiko. Solange dort Unsicherheit herrscht, reagiert der Ölpreis empfindlich auf jeden neuen Angriff, jede Drohung und jede gescheiterte Verhandlung.

Renditen ziehen wieder an

Die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen nähert sich dem höchsten Stand der vergangenen Monate. Das ist relevant, weil diese Laufzeit besonders stark auf Erwartungen zur Geldpolitik der Fed reagiert.

Die schwachen CPI- und PPI-Daten der vergangenen Woche hatten dem Markt kurzzeitig Luft verschafft. Eine Zinserhöhung im Juli erschien damals weniger wahrscheinlich.

Doch der Ölpreisanstieg verändert dieses Bild erneut. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung durch die Federal Reserve am 29. Juli ist inzwischen wieder auf gut 26 Prozent gestiegen. Vor Kurzem lag sie noch bei rund 10 Prozent. Für September preist der Markt mittlerweile eine Wahrscheinlichkeit von etwa 68 Prozent für eine Erhöhung ein.

Insgesamt preist der Markt für 2026 nun rund eineinhalb Zinserhöhungen ein.

Brent-olieprijs en 2-jaarsrente lopen fors op.
Brent-Ölpreis und 2-Jahres-Rendite ziehen deutlich an. Quelle: TradingView

Genau darin liegt das Problem für den KI-Komplex. KI-Infrastruktur erfordert enorme Investitionen. Steigen die Kapitalkosten, lassen sich hohe Bewertungen schwerer rechtfertigen. Unternehmen müssen dann noch stärker belegen, dass ihre Investitionen ausreichende Renditen erzielen.

Bank of Japan als zusätzliches Risiko

Hinzu kommt die Bank of Japan. Sollte die japanische Notenbank die Zinsen erhöhen, um den Yen zu stützen, könnte das den bekannten Yen-Carry-Trade unter Druck setzen.

Jahrelang konnten Anleger günstig in Yen Kredite aufnehmen und das Geld in höher verzinste US-Anlagen investieren. Dieser Strom billigen Kapitals hat die Finanzmärkte indirekt gestützt.

Steigen jedoch die japanischen Zinsen und wertet der Yen auf, kann dieser Trade an Attraktivität verlieren.

Dann könnte Kapital nach Japan zurückfließen. Das würde US-Aktien erneut belasten, vor allem zinssensitive Wachstumsbereiche wie Technologie und KI.

Damit entsteht eine riskante Kombination: höherer Ölpreis, höhere US-Renditen, eine mögliche Straffung in Japan und wachsende Zweifel an den Renditen von KI-Investitionen.

Worauf Anleger heute Abend achten

Bei den Zahlen von Alphabet geht es am Abend daher nicht nur um Umsatz und Gewinn je Aktie. Der Markt richtet den Blick vor allem auf Google Cloud, KI-bezogenes Wachstum, Margen und die Investitionsausgaben für den Rest des Jahres.

Alphabet koers op belangrijk steunpunt voor kwartaalcijfers.
Alphabet-Kurs an wichtiger Unterstützung vor den Quartalszahlen. Quelle: TradingView

Wenn Alphabet zeigt, dass Cloud und KI stark genug wachsen, um die enormen Investitionen zu rechtfertigen, könnte das den Markt beruhigen.

Steigen die Investitionen jedoch weiter, ohne dass Umsatz und Margen überzeugend zulegen, dürfte die Skepsis eher wachsen.

Auch eine Senkung der Investitionspläne wäre heikel. Anleger könnten sie als Signal werten, dass selbst die größten Akteure vorsichtiger werden.

Alphabet muss also den richtigen Mittelweg finden. Der Konzern muss genug investieren, um die KI-Story intakt zu halten, zugleich aber zeigen, dass diese Investitionen nicht nur Kosten verursachen.

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