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Google will in den kommenden zwei Jahren mindestens 13 Milliarden Euro in KI-Infrastruktur in Finnland investieren. Für den US-Technologiekonzern ist es die bislang größte Investition in Europa.
Google baut mindestens drei neue Rechenzentren und erweitert zudem seinen bestehenden Standort in Hamina. Finnland gilt wegen des kalten Klimas, des hohen Anteils CO2-freier Stromerzeugung und seines leistungsfähigen Stromnetzes als attraktiver Standort. Die Investition soll außerdem Tausende neue Arbeitsplätze schaffen.
Die drei neuen Rechenzentren entstehen in Kajaani, Muhos und Vaala im Norden Finnlands. Google hatte dort bereits zuvor Grundstücke erworben. Auch das bestehende Rechenzentrum in der südostfinnischen Stadt Hamina wird weiter ausgebaut.
Google begründet die Standortwahl unter anderem mit der guten Anbindung an das finnische Stromnetz. Von den neuen Rechenzentren aus will der Konzern die enorme Rechenleistung bereitstellen, die für das weitere Wachstum künstlicher Intelligenz benötigt wird.
Google ist nicht der einzige Technologiekonzern, der Finnland dafür entdeckt hat. Schätzungen zufolge befinden sich im Land bereits Rechenzentrumsprojekte im Umfang von rund 43 Milliarden Euro in Planung oder im Bau.
Finnland bietet dafür mehrere wichtige Vorteile. Wegen des vergleichsweise kalten Klimas wird weniger Energie für die Kühlung der Server benötigt. Die von den Rechenzentren erzeugte Wärme kann zudem zum Heizen von Wohnungen genutzt werden.
Zudem verfügt Finnland über vergleichsweise viel saubere Energie. Rund 96 Prozent des Stroms werden ohne CO2-Ausstoß erzeugt, vor allem mit Kernenergie und erneuerbaren Quellen.
„Google ist stolz darauf, seine Präsenz in Finnland mit der bislang größten Einzelinvestition des Unternehmens in Europa weiter auszubauen“, sagte Investitionschefin Ruth Porat.
Die Milliardeninvestition von Google sorgte bei finnischen Unternehmen, die von den neuen Rechenzentren profitieren könnten, unmittelbar für deutliche Kursanstiege.
Der Energieversorger Fortum legte um mehr als elf Prozent zu, der größte Kurssprung seit fast vier Jahren. Das Unternehmen schloss eine langfristige Vereinbarung, um Google aus seinem Kernkraftwerk in Loviisa mit Strom zu beliefern.
Die Vereinbarung läuft über 22 Jahre. Zwischen 2030 und 2049 wird Google schließlich Strom abnehmen, der 50 Prozent der Kapazität der beiden Reaktoren des Kernkraftwerks entspricht.
Auch Nokia profitierte von der Nachricht. Die Aktie stieg zeitweise um bis zu sechs Prozent, während der Telekomkonzern Elisa rund zwei Prozent gewann. Beide Unternehmen sollen zur Netzanbindung der neuen Rechenzentren beitragen.
Google investiert zudem in zusätzliche Windenergie und Energiespeicher. Am neuen Rechenzentrum in Kajaani soll ein Batteriesystem mit einer Leistung von 94 Megawatt entstehen. Es soll helfen, Angebot und Nachfrage im finnischen Stromnetz besser auszubalancieren.
Die Milliardeninvestition in Finnland ist Teil des weltweiten KI-Wettlaufs der größten Technologiekonzerne. Alphabet, die Google-Mutter, hob im Juli seine Investitionsprognose für dieses Jahr auf bis zu 205 Milliarden Dollar an.
Ein großer Teil davon fließt in Rechenzentren und andere Infrastruktur, die benötigt wird, um immer leistungsfähigere KI-Modelle zu trainieren und zu betreiben.
Für Finnland kommt die Investition zu einem wichtigen Zeitpunkt. Das Land leidet unter schwachem Wirtschaftswachstum, dem Wegfall großer Teile des Handels mit dem Nachbarland Russland und Sparmaßnahmen zur Konsolidierung der Staatsfinanzen. Die Arbeitslosigkeit ist inzwischen auf mehr als zehn Prozent gestiegen, den höchsten Wert innerhalb der Europäischen Union.
Google rechnet damit, dass allein für den Bau der neuen Infrastruktur rund 16.000 Arbeitskräfte benötigt werden.
Der Konzern ist zudem längst nicht der einzige Akteur, der Finnland als Standort für Rechenzentren entdeckt hat. Auch Microsoft, Nscale, AtNorth, Pure Data Centres, Nebius, DayOne und Polarnode bauen oder planen dort neue Kapazitäten.
Die Zahl der Projekte wächst inzwischen so schnell, dass die finnische Regierung an einem Gesetz arbeitet, das Betreiber zur Registrierung von Rechenzentren verpflichtet. So soll der Staat den rasanten Ausbau der Branche besser im Blick behalten.
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