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Nach dem enttäuschenden Arbeitsmarktbericht und günstigen Inflationsdaten rechnen die Märkte für die nächste Sitzung der US-Notenbank im September nicht mehr mit einer Zinserhöhung. Auch bei der großen Investmentbank Goldman Sachs gilt ein solcher Schritt inzwischen als unwahrscheinlich.

Markt preist zu straffe Geldpolitik ein

Goldman-Sachs-Chefvolkswirt Jan Hatzius bezeichnete eine Zinserhöhung auf der Septembersitzung in einer Mitteilung an Kunden am Sonntag als „sehr unwahrscheinlich“.

Dafür nennt die Bank drei Gründe:

  1. Die Einzelhandelsumsätze sanken um 0,6 Prozent. Das ist der stärkste monatliche Rückgang seit Mai 2025. Ökonomen hatten dagegen mit einem Plus von 0,1 Prozent gerechnet. Onlinehändler verloren 2,2 Prozent, Autohändler 1,8 Prozent. Die Daten zeigen, wie viel die US-Verbraucher ausgeben. Auf sie entfallen rund zwei Drittel der Wirtschaftsleistung.
  2. Es fielen 23.000 Stellen weg. Der Markt hatte mit rund 83.000 neuen Jobs gerechnet. Hinzu kam, dass die Zahlen für Mai und Juni zusammen um 103.000 Stellen nach unten revidiert wurden. Die Arbeitslosenquote sank zwar auf 4,1 Prozent, allerdings aus dem falschen Grund: 264.000 Menschen verließen den Arbeitsmarkt.
  3. Die Inflation kühlte auf 3,4 Prozent ab. Im Juni hatte sie noch bei 3,5 Prozent gelegen, auf Monatssicht stiegen die Verbraucherpreise um 0,1 Prozent. Die Kerninflation, bei der die volatilen Preise für Lebensmittel und Energie herausgerechnet werden, sank auf 2,5 Prozent. Das ist der niedrigste Stand seit fünf Monaten. Auch der Produzentenpreisindex (PPI) fiel deutlich niedriger aus als erwartet.

Zusammengenommen zeichnen die Daten das Bild einer Wirtschaft, die bereits aus eigener Kraft bremst. Eine zusätzliche Zinserhöhung würde in dieser Lage das Rezessionsrisiko deutlich erhöhen.

„In unserem Basisszenario spricht mehr dafür, dass sich die Inflationsdaten im Jahresverlauf weiter verbessern, als dass sie sich erneut verschlechtern“, schrieb Hatzius.

„Aus unserer Sicht preist der Markt den Leitzins weiterhin zu restriktiv ein.“ Im Börsenjargon steht „hawkish“ für einen straffen geldpolitischen Kurs mit höheren Zinsen.

Derzeit erwartet der Terminmarkt laut Daten der CME Group im Dezember eine Zinserhöhung.

Auf der Wettplattform Polymarket setzen inzwischen 74 Prozent auf eine erneute Zinspause im September.

Langfristige Zinsen steigen dennoch

Am kurzen Ende des Anleihemarkts ist dieser Effekt ebenfalls sichtbar. Die Rendite zweijähriger Anleihen folgt vor allem der Geldpolitik der US-Notenbank, und sie ist zuletzt deutlich unter Druck geraten.

Die langfristigen Zinsen bei zehn- und dreißigjährigen Anleihen steigen dagegen weiter und haben sogar ihre höchsten Stände seit Jahrzehnten erreicht. In diesen Renditen steckt ein Aufschlag, den Anleger für alles verlangen, was während der Laufzeit schiefgehen kann. Es ist der Preis des Misstrauens, und dieses Misstrauen richtet sich gegen hartnäckige Inflation und einen Schuldenberg , der immer weiter wächst.

Während Notenbankchef Kevin Warsh also nicht eingreift, übernimmt der Markt faktisch selbst die Bremsfunktion. Gerade die langfristigen Zinsen bestimmen, was Hypotheken, Unternehmenskredite und Investitionen kosten. Die Kreditnachfrage geht zurück, und so wird die Wirtschaft doch noch gebremst.

Eine Staatsanleihe, die risikolos mehr als 5 Prozent abwirft, setzt die Messlatte für alles andere.

Bei Aktien schlägt sich das in den Bewertungen nieder. Gewinne, die erst in zehn Jahren anfallen, sind heute weniger wert. Das trifft vor allem Wachstums- und Technologiewerte, weil dort ein großer Teil der Erträge erst in der Zukunft erwartet wird.

Auf längere Sicht kann das auch die Gewinne selbst belasten. Kredite werden teurer, was die Margen drückt, während gestrichene Investitionen später das Wachstum bremsen. Der KI-Ausbau wird beispielsweise über den Anleihemarkt mit Hunderten Milliarden finanziert, doch diese Investitionen laufen weiter. Ironischerweise treibt genau das zugleich die höheren Zinsen an.

Bei Bitcoin (BTC) und Gold muss die Rendite vollständig aus dem Kurs kommen. Bei steigenden Zinsen werden sie daher teurer zu halten.

Hinzu kommt, dass bei höheren Zinsen weniger Geld in Umlauf ist, das an die Märkte fließen könnte.

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