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Der globale Anleihemarkt steht erneut erheblich unter Druck. Die durchschnittliche Rendite von Staatsanleihen ist auf den höchsten Stand seit 2008 gestiegen. Anleger fürchten, dass die Inflation hartnäckig bleibt und die Notenbanken deshalb länger an hohen Zinsen festhalten müssen.

Auslöser ist ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Fed-Vorsitzender Kevin Warsh machte am Freitag in Jackson Hole deutlich, dass der Kampf gegen die Inflation noch nicht gewonnen ist. Zugleich steigt der Ölpreis wegen neuer Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und Iran. Damit wächst die Sorge, dass höhere Energiepreise die Inflation erneut anheizen könnten.

Anleiherenditen steigen deutlich

Die steigenden Renditen sind an nahezu allen großen Anleihemärkten zu beobachten. In den Vereinigten Staaten kletterte die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen auf den höchsten Stand seit Januar vergangenen Jahres.

Auch in Asien und Australien nimmt der Druck zu. Die Rendite zehnjähriger japanischer Staatsanleihen erreichte am Dienstag drei Prozent und damit den höchsten Stand seit 1996. Die australische Zehnjahresrendite stieg unterdessen auf den höchsten Stand seit 2011.

Ein Anleiheindex von Bloomberg zeigt, wie breit die Bewegung inzwischen ist. Die durchschnittliche Rendite von Staatsanleihen legte am Montag den vierten Handelstag in Folge zu und erreichte 3,72 Prozent. Das ist der höchste Stand seit Mitte 2008.

Die höheren Renditen können auch andere Finanzmärkte belasten. Staatsanleihen werden im Vergleich zu riskanteren Anlagen attraktiver, während Kredite für Unternehmen und Verbraucher teurer werden. Damit kann auch der Druck auf Aktien und Krypto zunehmen.

Warsh und Ölpreis schüren Zinssorgen

Der Verkaufsdruck bei Anleihen nahm am Freitag nach der Rede von Fed-Vorsitzendem Kevin Warsh in Jackson Hole weiter zu. Er machte deutlich, dass sich die Inflation noch nicht überzeugend in Richtung des Zwei-Prozent-Ziels bewegt und die Federal Reserve zu weiteren Schritten bereit ist, falls dies nötig wird.

Anleger rechnen deshalb verstärkt mit weiteren Zinserhöhungen. Barclays und Société Générale passten nach der Rede sogar ihre Erwartungen an und gehen nun von Zinserhöhungen in den Vereinigten Staaten aus, die zuvor nicht in ihren Prognosen enthalten waren.

Gleichzeitig sorgt der steigende Ölpreis für zusätzliche Inflationssorgen. Neue Angriffe zwischen den Vereinigten Staaten und Iran erhöhen die Unsicherheit über die Ölversorgung über die Straße von Hormus. Mehrere amerikanische und iranische Regierungsvertreter erwarten zudem, dass der Konflikt noch Monate andauern könnte.

Bleibt Öl über längere Zeit teuer, können höhere Energiepreise auf die Inflation durchschlagen. Den Notenbanken bleibt dadurch weniger Spielraum für Zinssenkungen; sie könnten im Gegenteil gezwungen sein, die Zinsen weiter anzuheben.

Diese Entwicklung betrifft nicht nur die Vereinigten Staaten. In Japan beziffert der Markt die Wahrscheinlichkeit eines Zinsschritts bis September inzwischen auf rund 92 Prozent. In Australien führen höher als erwartete Inflationsdaten dazu, dass Anleger zunehmend mit einer vierten Zinserhöhung in diesem Jahr rechnen.

Hohe Staatsschulden erhöhen den Druck

Die Probleme am Anleihemarkt bestehen schon länger. Anleger sorgen sich über hohe Staatsausgaben und steigende Schulden, unter anderem in den Vereinigten Staaten, Japan und dem Vereinigten Königreich.

Wer einem Staat längerfristig Geld leiht, verlangt bei größerer Unsicherheit eine höhere Vergütung. Deshalb steigen vor allem die Renditen länger laufender Staatsanleihen.

Vorerst gibt es kaum Anzeichen dafür, dass der Druck schnell nachlässt. Historisch gelten September und Oktober als schwierige Monate für Anleihen.

Prashant Newnaha, Zinsstratege bei TD Securities, sieht in der Entwicklung am Anleihemarkt ein klares Signal. Solange die Inflation hartnäckig bleibt, müssen Anleger mit länger hohen Zinsen rechnen. Zusammen mit steigenden Staatsschulden kann das den Druck auf Anleihen weiter erhöhen.

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