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Die Sorgen um Frankreichs Staatsfinanzen wachsen rasant. Die Rendite französischer Staatsanleihen ist am Mittwoch auf den höchsten Stand seit 24 Jahren gestiegen.
Anleger blicken mit wachsender Sorge auf die enorme Staatsverschuldung, die politische Spaltung und steigende Energiepreise. Zugleich gehen die Franzosen wegen der hohen Lebenshaltungskosten auf die Straße.
Die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen ist am Mittwoch auf über fünf Prozent gestiegen. Zuletzt war das 2002 der Fall. Für eine der größten Volkswirtschaften Europas ist das ein deutliches Warnsignal.
Mit den steigenden Renditen verlangen Anleger eine höhere Verzinsung, wenn sie dem französischen Staat Geld leihen. Für Frankreich wird es dadurch immer teurer, neue Schulden aufzunehmen oder bestehende Verbindlichkeiten zu refinanzieren.
Auch der Renditeabstand zwischen französischen und deutschen Staatsanleihen weitet sich deutlich aus. Laut Bloomberg stieg er am Mittwoch auf knapp 160 Basispunkte, also 1,6 Prozentpunkte. Das ist der höchste Stand seit 15 Jahren.
Deutschland gilt unter Anlegern als einer der sichersten staatlichen Schuldner. Dass sie für französische Staatsanleihen einen immer höheren Zinsaufschlag verlangen, zeigt das schwindende Vertrauen in Frankreichs Finanzlage.
Seit Ende September haben die Sorgen deutlich zugenommen. Anleger bezweifeln, dass die französische Regierung einen Haushalt durchsetzen kann, der die wachsende Verschuldung eindämmt.
Die stark steigenden Energiepreise verschärfen die finanziellen Probleme. Am Mittwoch legten die europäischen Erdgaspreise um etwa vier Prozent zu, während der Preis für ein Barrel der Ölsorte Brent über 110 Dollar stieg.
Das belastet Frankreichs Unternehmen und private Haushalte zusätzlich. Die hohen Lebenshaltungskosten machen ihnen bereits zu schaffen.
Am vergangenen Wochenende kam es bei Protesten gegen die steigenden Preise zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Die Unruhen erhöhen den Druck auf die französische Regierung, die zugleich schwierige Entscheidungen über die Staatsfinanzen treffen muss.
Die politische Lage erschwert dies zusätzlich. Das französische Parlament ist tief gespalten. Eine ausreichende Mehrheit für den Haushalt des kommenden Jahres zu finden, erweist sich als besonders schwierig.
Nach Einschätzung von Pooja Kumra, Zinsstrategin bei der Toronto Dominion Bank, dürften französische Staatsanleihen unter Druck bleiben, solange der Ausgang der Haushaltsabstimmung ungewiss ist.
Doch auch bei einer Verabschiedung des Haushalts würden die politische Spaltung und die strukturellen Probleme der französischen Staatsfinanzen die Anleger weiter beunruhigen, so Kumra.
Auch Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing warnte am Mittwoch vor der finanziellen und politischen Instabilität Frankreichs. Seiner Einschätzung nach könnte die Unsicherheit bis zur Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr anhalten.
Die wachsende Unsicherheit erfasst nicht nur den französischen Anleihemarkt. Auch der Euro steht unter Druck.
Am Mittwoch verlor die Gemeinschaftswährung gegenüber dem US-Dollar zeitweise 0,2 Prozent. Der Wechselkurs sank damit auf 1,1214 Dollar je Euro.
Die Entwicklungen in Frankreich sind auch für das übrige Europa von Bedeutung. Das Land zählt zu den größten Volkswirtschaften der Eurozone und spielt eine zentrale Rolle in der Europäischen Union.
Muss der französische Staat immer höhere Zinsen zahlen, belastet das die öffentlichen Finanzen zusätzlich. Ein größerer Teil des Haushalts fließt dann in den Schuldendienst und steht für andere Ausgaben nicht mehr zur Verfügung.
Laut Bloomberg-Stratege Ven Ram könnten steigende Renditen in anderen großen Volkswirtschaften die Lage weiter verschärfen. Er hält es für möglich, dass die Renditen amerikanischer und deutscher Staatsanleihen angesichts der Haushaltsdefizite und der anhaltenden Inflation weiter steigen.
Französische Staatsanleihen sind seiner Einschätzung nach für solche Entwicklungen besonders anfällig.
Die anstehenden Haushaltsabstimmungen werden damit zu einer wichtigen Bewährungsprobe für die französische Regierung. Rund sechs Monate vor der Präsidentschaftswahl wird es zunehmend schwieriger, politische Kompromisse zu finden.
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