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Anthropic führt Insidern zufolge Gespräche über die Übernahme des KI-Start-ups Decart für rund 6 Milliarden Dollar. Kommt der Deal zustande, wäre es nach bisherigem Kenntnisstand die größte Übernahme in der Geschichte des Unternehmens hinter dem KI-Assistenten Claude.

Der mögliche Zukauf fällt in eine entscheidende Phase. Anthropic investiert Dutzende Milliarden Dollar in Rechenzentren und Rechenkapazität, um mit der stark steigenden KI-Nachfrage Schritt zu halten. Die Technologie von Decart könnte helfen, diese teure Infrastruktur effizienter auszulasten. Zugleich bereitet sich Anthropic auf einen seit Langem erwarteten Börsengang vor.

Anthropic plant größte Übernahme der Firmengeschichte

Die Gespräche sind noch nicht abgeschlossen und könnten Insidern zufolge noch scheitern. Einigen sich Anthropic und Decart jedoch, wäre der Zukauf mit einem Preis von rund 6 Milliarden Dollar die größte bekannte Übernahme von Anthropic.

Die Summe läge zudem deutlich über der jüngsten Bewertung von Decart. Das KI-Start-up nahm im Mai noch 300 Millionen Dollar ein, damals bei einer Bewertung von knapp 4 Milliarden Dollar. Zu den Investoren zählen unter anderem Nvidia, Adobe Ventures und eBay.

Für Anthropic wäre die Übernahme vor allem wegen der Technologie von Decart interessant. Das Unternehmen entwickelt Software, mit der sich KI-Chips effizienter einsetzen lassen. Anthropic könnte dadurch womöglich mehr Rechenleistung aus seinen bestehenden Rechenzentren herausholen.

Das ist relevant, denn der Claude-Entwickler gibt enorme Summen für Chips und Rechenzentren aus, um die rasant wachsende Nachfrage nach seinen KI-Modellen zu bedienen. Eine bessere Auslastung dieser Infrastruktur könnte die Kosten senken und zugleich mehr Nutzer versorgen.

Sollte die Übernahme zustande kommen, würde das Decart-Team Insidern zufolge in den Anthropic-Bereich wechseln, der sich mit Leistung und Effizienz der KI-Systeme befasst.

Decart entwickelt KI, die die reale Welt simuliert

Decart wurde 2023 von den israelischen Ingenieuren Dean und Orian Leitersdorf sowie Moshe Shalev gegründet. Das Unternehmen ist auf sogenannte Weltmodelle spezialisiert. Dabei handelt es sich um KI-Systeme, die lernen, wie die physische Welt funktioniert, und dieses Wissen nutzen, um realistische Bilder und Situationen zu simulieren.

Ein Beispiel ist Lucy, ein KI-Modell von Decart, das Live-Videobilder in Echtzeit verändern kann. Die Technologie kann etwa eine Person filmen und nahezu unmittelbar zeigen, wie sie mit einem bestimmten Kleid oder einer bestimmten Tasche aussieht.

Für Onlinehändler eröffnet das interessante Möglichkeiten. Kunden können Produkte virtuell ausprobieren, bevor sie bestellen. Vor allem die realistische Darstellung von Kleidung und unterschiedlichen Stoffen galt technisch lange als schwierig. eBay sieht hier Potenzial und ist sowohl Investor als auch Kunde von Decart.

Um solche Anwendungen zu ermöglichen, trainiert Decart seine KI mit Texten und Millionen Stunden Videomaterial. Die Technologie wird außerdem genutzt, um Live-Videobilder auf Plattformen wie Twitch, TikTok und YouTube zu verändern.

Kosten der KI-Infrastruktur steigen rasant

Für Anthropic geht es bei der möglichen Übernahme um mehr als neue KI-Produkte. Der effizientere Einsatz von Chips dürfte finanziell zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Anthropic und der Konkurrent OpenAI haben zugesagt, Dutzende bis womöglich Hunderte Milliarden Dollar in Rechenzentren mit teuren KI-Chips zu investieren. Gleichzeitig müssen beide Unternehmen genug Umsatz erzielen, um diese gewaltigen Investitionen langfristig wieder einzuspielen.

Das wird mit Blick auf einen möglichen Börsengang zusätzlich wichtig. Anleger werden nicht nur auf das Wachstum von Anthropic schauen, sondern auch darauf, wie viel Kapital nötig ist, um dieses Wachstum zu ermöglichen.

Decart könnte in beiden Bereichen attraktiv sein. Das Unternehmen verfügt über Technologie für neue KI-Anwendungen sowie über Software, die vorhandene Rechenleistung effizienter nutzbar macht. Mit einem möglichen Kaufpreis von 6 Milliarden Dollar scheint Anthropic bereit zu sein, dafür tief in die Tasche zu greifen.

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