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Vermögende Chinesen suchen zunehmend nach Wegen, ihr Geld dem Zugriff der chinesischen Steuerbehörden zu entziehen. Davon profitieren vor allem US-Banken. Strengere Steuerregeln in China machen traditionelle Finanzzentren wie Singapur und Hongkong weniger attraktiv. Doch auch die Verlagerung von Vermögen in die USA birgt Risiken.

Neue Steuerregeln sorgen für Unruhe

Strengere Kontrollen von Auslandsvermögen sorgen unter wohlhabenden Chinesen für Unruhe. China nimmt inzwischen Einkünfte aus ausländischen Trusts ins Visier. Mit diesen rechtlichen Konstruktionen verwalten vermögende Familien ihren Besitz und übertragen ihn auf nachfolgende Generationen. Berichten zufolge gilt seit Juli für bestimmte Einkünfte aus solchen Strukturen ein Steuersatz von 20 Prozent. Die Regeln können auch rückwirkend greifen.

Für viele vermögende Chinesen kommt diese Entwicklung zu einem heiklen Zeitpunkt. Jahrelang waren Singapur und Hongkong beliebte Standorte für die Anlage von Vermögen. Beide Finanzzentren bieten umfangreiche Möglichkeiten zur Vermögensverwaltung und werden häufig von Familien genutzt, die ihren Besitz international streuen wollen. Das verschärfte Vorgehen der chinesischen Steuerbehörden macht solche Konstruktionen jedoch weniger attraktiv.

Eine wichtige Rolle spielt dabei der internationale Austausch von Finanzdaten. China beteiligt sich am Common Reporting Standard (CRS), über den mehr als hundert Länder und Steuergebiete automatisch Informationen über ausländische Bankkonten austauschen. Dadurch können die chinesischen Steuerbehörden leichter feststellen, welche Vermögenswerte im Land ansässige Personen im Ausland halten.

In China Steuerpflichtige müssen grundsätzlich ihr weltweites Einkommen versteuern. Ausländische Bankkonten oder Trusts sind dem Zugriff des chinesischen Fiskus daher nicht automatisch entzogen. Die neuen Kontrollen verdeutlichen vor allem, dass die Behörden die Einhaltung bestehender Pflichten immer strenger überwachen.

Warum vermögende Chinesen auf US-Banken setzen

Für manche vermögende Chinesen sind die USA eine attraktive Alternative, weil das Land nicht am CRS teilnimmt. Für US-Finanzinstitute gilt mit dem Foreign Account Tax Compliance Act (FATCA) ein anderes System zum Austausch von Steuerdaten. Dieses zielt vor allem darauf ab, ausländische Finanzkonten von US-Steuerpflichtigen aufzuspüren.

Dieser Unterschied ist entscheidend. Während Singapur und Hongkong über den CRS Finanzinformationen mit China teilen können, gibt es vonseiten der USA keinen vergleichbaren automatischen Datenaustausch mit den chinesischen Steuerbehörden. Deshalb ziehen manche wohlhabende Chinesen US-Banken und dortige Vermögensstrukturen erneut in Betracht.

Berichten zufolge erhalten US-Finanzinstitute mehr Anfragen chinesischer Kunden, die ihr Vermögen verlagern wollen. Dabei geht es nicht nur um gewöhnliche Bankkonten, sondern auch um komplexere Strukturen zur Vermögensverwaltung. Einige Familien prüfen etwa die Möglichkeiten ausländischer Trusts in US-Bundesstaaten wie Nevada und Florida.

Diese Bundesstaaten sind wegen ihrer gesetzlichen Regelungen zu Trusts und zum Vermögensschutz attraktiv. Solche Konstruktionen können Familien dabei helfen, ihr Vermögen zu verwalten und weiterzugeben. Ein Trust in den USA bedeutet allerdings nicht, dass der Eigentümer in China automatisch keine Steuern mehr schuldet.

Experten warnen deshalb davor, die USA als einfachen Ausweg zu betrachten. Chinesische Steuerpflichtige müssen ihren Erklärungspflichten weiterhin nachkommen, unabhängig davon, wo sie ihr Vermögen halten. Zudem können US-Banken zusätzliche Angaben zur Herkunft des Geldes und zu den beteiligten Personen verlangen.

Vermögenstransfers werden immer schwieriger

Obwohl das Interesse an US-Banken wächst, können wohlhabende Chinesen große Beträge nicht ohne Weiteres ins Ausland überweisen. China unterwirft den Kapitalverkehr seit Jahren strengen Regeln. Diese schränken die Möglichkeiten der im Land ansässigen Personen ein, ohne Genehmigung große Summen ins Ausland zu transferieren.

Vor allem Vermögende, deren Geld noch auf dem chinesischen Festland liegt, stoßen an diese Grenzen. Nach Angaben von Bankern ist es deshalb schwierig, weitere größere Summen auf ausländische Konten zu überweisen. Das Interesse an US-Banken kommt daher zu einem erheblichen Teil von Menschen, die bereits Vermögen außerhalb Chinas halten.

Für diese Gruppe ist es in der Regel einfacher, Vermögenswerte aus Singapur oder Hongkong in die USA zu verlagern, als Geld direkt aus China zu überweisen. Doch auch bei solchen Transaktionen bleibt zu klären, welche Steuerregeln gelten und welche Informationen die Finanzinstitute dokumentieren müssen.

Die Entwicklung zeigt, wie die Steuerpolitik internationale Kapitalströme beeinflussen kann. Singapur und Hongkong bleiben wichtige Finanzzentren. Die strengeren chinesischen Kontrollen veranlassen jedoch einige vermögende Familien dazu, ihre bestehenden Strukturen zu überprüfen. US-Banken rücken dadurch stärker in den Fokus. Steuerberater betonen allerdings, dass ein anderer Standort nichts an der Pflicht ändert, fällige Steuern zu zahlen.

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