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Der chinesische IPO-Markt läuft auf Hochtouren, doch erste Risse werden sichtbar. Unternehmen sammeln in hohem Tempo Kapital ein, während Anleger weniger Spielraum haben. Genau diese Mischung führte vor drei Jahren zu Eingriffen aus Peking.
Seit Anfang Juli haben chinesische Unternehmen bei Börsengängen, also dem erstmaligen Verkauf von Aktien an die Öffentlichkeit, mehr als 119 Milliarden Yuan eingesammelt. Umgerechnet sind das rund 17,7 Milliarden Dollar.
Das ist mehr als die 114 Milliarden Yuan im gesamten dritten Quartal 2023, berichtet Bloomberg. Der Unterschied liegt im Zeitraum: Diesmal dauerte es nicht einmal zwei Monate. Pro Woche ist das Tempo damit fast doppelt so hoch wie damals.
Treiber ist künstliche Intelligenz (KI). Der Speicherchiphersteller CXMT nahm 9,8 Milliarden Dollar ein und steht damit allein für fast ein Drittel aller chinesischen Börsengänge in diesem Jahr. Für 2026 summiert sich das Volumen auf mehr als 30 Milliarden Dollar, erstmals seit 2023.
Knapp ein Drittel der Börsengänge aus diesem Quartal notiert inzwischen mehr als 50 Prozent unter dem Hoch kurz nach dem Debüt.
Der Robotikhersteller Unitree Robotics steht exemplarisch dafür. Die Aktie sprang vergangene Woche bei ihrem Börsendebüt in Shanghai um 629 Prozent nach oben und liegt mittlerweile 45 Prozent unter diesem Hoch. Der Kurs steht aber weiterhin mehr als viermal so hoch wie der Ausgabepreis.
Nach Einschätzung von Yang Tingwu, Fondsmanager bei Fujian Tongheng Investment, liegt das Problem bei den Käufern. „Seit der KI-Trade im Juni gedreht hat, fließt Liquidität aus dem Markt ab“, sagt er.
„Investmentfonds, Quant-Investoren und Privatanleger haben wenig Spielraum und wenig Bereitschaft, weiter zuzukaufen. Staatsfonds waren unter dem Strich überwiegend Verkäufer. In einem Markt ohne frische Zuflüsse lässt sich ein IPO-Volumen dieser Größenordnung nur schwer aufnehmen.“
Noch ist es nicht so weit. Eine offizielle Mitteilung, dass die Aufsicht bremst, gibt es nicht. Chinesische Medien berichteten jedoch, dass die Börsen zuletzt mit Investmentbanken über die Qualität von IPO-Anträgen gesprochen haben. Die Behörden äußerten sich dazu nicht.
Peking hatte zuvor erklärt, Börsengänge starker Technologieunternehmen weiter zu unterstützen. Anders als 2023 geht es diesmal vor allem um Chips und KI, also um Branchen mit hohem Kapitalbedarf.
Gleichzeitig wird die Warteschlange länger. Der Speicherchiphersteller Yangtze Memory Technologies (YMTC) erhielt am Freitag grünes Licht für die Prüfung eines Börsengangs im Umfang von 33 Milliarden Yuan. Auch das von Tencent unterstützte Unternehmen Shanghai Enflame Technology treibt seinen Börsengang voran.
Anders als CXMT durchlief YMTC kein beschleunigtes Zulassungsverfahren. Derzeit nutzt kein Börsengang diese Abkürzung.
„Dieses Tempo dauerhaft durchzuhalten, würde die Risikobereitschaft am Markt ernsthaft beschädigen“, sagt Yang. „Immerhin haben die Aufseher das Tempo noch in der Hand und können bei Bedarf gegensteuern.“
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