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Der massive Hackerangriff auf die Kryptobörse Binance zeigt, wie gefährlich nordkoreanische Hacker inzwischen sind. Bei dem Angriff wurden Kryptowährungen im Wert von rund 6,3 Milliarden Dollar gestohlen. Es ist der bislang größte Kryptodiebstahl.

Sicherheitsexperten vermuten, dass die Hacker bei der Vorbereitung ihrer Angriffe zunehmend künstliche Intelligenz einsetzen. Damit wird es auch für große Kryptounternehmen schwieriger, sich zu schützen.

Nordkoreanische Hacker setzen auf KI

Nach Angaben des Blockchain-Analyseunternehmens TRM Labs steckt die nordkoreanische Hackergruppe TraderTraitor hinter dem Angriff auf Binance. Dieselbe Gruppe machte die US-Bundespolizei FBI für den Angriff auf Bybit im Februar 2025 verantwortlich, bei dem rund 1,5 Milliarden Dollar gestohlen wurden.

Nordkoreanische Hacker gehen seit einigen Jahren immer raffinierter vor. Während sie früher vor allem versuchten, private Schlüssel für Krypto-Wallets zu stehlen, nehmen sie inzwischen auch Mitarbeiter und komplexe Systeme zur Freigabe von Transaktionen ins Visier.

Nach Einschätzung von Sicherheitsforschern könnte KI dabei eine wichtige Rolle spielen. Hacker können damit Informationen über Mitarbeiter sammeln, Sicherheitslücken aufspüren und überzeugende Phishing-Nachrichten verfassen.

Die Kriminellen geben sich beispielsweise als Personalvermittler aus und locken Mitarbeiter von Kryptounternehmen mit attraktiven Stellenangeboten. In einem vorgetäuschten Bewerbungsgespräch versuchen sie anschließend, ihre Opfer zur Installation von Schadsoftware zu bewegen.

Ob beim Angriff auf Binance tatsächlich KI zum Einsatz kam, ist bislang nicht geklärt. Forscher weisen jedoch darauf hin, dass die zunehmende Komplexität solcher Angriffe mit der Entwicklung neuer Angriffstechniken einhergeht.

Binance-Hack zeigt zunehmende Raffinesse der Angreifer

Nach Angaben von TRM Labs begannen die Vorbereitungen für den Binance-Hack mindestens 36 Stunden vor dem Diebstahl der ersten Coins.

Anschließend gelang es den Angreifern, innerhalb von rund 20 Minuten Milliardenbeträge über verschiedene Blockchains abzuziehen, darunter Bitcoin, Ethereum, Solana und XRP.

Binance vermutet, dass ein kompromittierter Laptop eines Softwareentwicklers dabei eine Rolle spielte. Möglicherweise verschafften sich die Angreifer darüber Zugang zu internen Systemen, die Auszahlungen abwickeln.

Die Kryptobörse betont, dass die Untersuchung noch läuft und weitere Schwachstellen entdeckt wurden. Wie genau die Hacker in die Systeme eindrangen, ist noch unklar.

Für Ari Redbord von TRM Labs markiert der Angriff einen Wendepunkt. Entscheidend sei nicht nur die enorme Summe, sondern auch die Geschwindigkeit und die Art, wie die Hacker verschiedene Sicherheitssysteme umgingen.

Die Angriffe nordkoreanischer Hacker beschränken sich zudem nicht auf Binance und Bybit. Auch Kryptoprojekte wie KelpDAO und Drift Protocol waren in diesem Jahr von umfangreichen Diebstählen betroffen, die nordkoreanischen Gruppen zugeschrieben werden.

Nach Angaben von TRM Labs entfielen bereits im April mehr als drei Viertel der seit Jahresbeginn bei Krypto-Hacks gestohlenen Vermögenswerte auf mutmaßlich nordkoreanische Angreifer.

Warum Kryptobörsen anfälliger sind als Banken

Der Rekorddiebstahl wirft auch Fragen zur Sicherheit von Kryptobörsen auf. Nach Einschätzung von Brian Peretti, dem ehemaligen Technologiedirektor des US-Finanzministeriums, verfügen traditionelle Banken in der Regel über mehr Kontrollmechanismen, um verdächtige Geldtransfers zu stoppen.

Banken müssen Transaktionen überprüfen und verfügen über mehrere Sicherheitsebenen. Dadurch sei es deutlich schwieriger, innerhalb kurzer Zeit Milliardenbeträge abzuziehen.

Transaktionen mit Kryptowährungen lassen sich dagegen besonders schnell abwickeln. Das ist ein Vorteil der Technologie, ermöglicht es Hackern aber auch, große Beträge innerhalb weniger Minuten zu transferieren, sobald sie Zugang zu den entsprechenden Systemen haben.

Der Sicherheitsexperte Federico Charosky von Quorum Cyber verweist zudem auf die enormen Vermögenswerte, die Kryptobörsen verwalten. Gerade diese Konzentration macht große Handelsplattformen für Cyberkriminelle attraktiv.

Westliche Regierungen werfen Nordkorea seit Langem vor, Hackergruppen zur Finanzierung seiner Waffenprogramme einzusetzen.

Eine der bekanntesten Gruppen ist Lazarus, die nach Angaben US-amerikanischer Behörden Verbindungen zum nordkoreanischen Geheimdienst unterhält. Die Gruppe wird bereits seit 2007 mit internationalen Cyberangriffen in Verbindung gebracht.

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