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Das US-Finanzministerium will nun alle verfügbaren Mittel einsetzen, um die historisch hohen Renditen am Anleihemarkt zu drücken. In Washington wächst erkennbar die Sorge über eine Lage, die die Regierung selbst mitverursacht hat. Bitcoin (BTC) profitiert davon gleich auf mehreren Ebenen.

Washington beobachtet die Renditen schon länger mit Sorge

Die Renditen langlaufender US-Staatsanleihen steigen seit geraumer Zeit. Auf dem Höhepunkt der vergangenen Woche, dem höchsten Stand seit 2007, verlangten Anleger mehr als 5,3 Prozent, um dem amerikanischen Staat für dreißig Jahre Geld zu leihen. Vor zwei Jahren waren es noch weniger als 4 Prozent.

An den Finanzmärkten hängt Rendite immer mit Risiko zusammen. Anleger verlangen mehr, weil sie größere Gefahren sehen: in diesem Fall Inflation, eine Staatsverschuldung von mehr als 40 Billionen Dollar und ein Haushaltsdefizit, das einfach nicht kleiner wird.

Dieser zusätzliche Renditeaufschlag heißt Laufzeitprämie. Er entschädigt für die Unsicherheit einer langen Laufzeit. Genau dieser Anteil steigt derzeit besonders stark.

Dabei geht es nicht um die Sorge, dass die Vereinigten Staaten ihre Schulden nicht zurückzahlen. Washington nimmt Geld in der eigenen Währung auf, und solange der Dollar die Weltreservewährung ist, stehen Käufer bereit.

Es geht um das Angebot. Auf eine Verschuldung von mehr als 40 Billionen Dollar kommt jedes Jahr ein neues Defizit hinzu, und all diese Papiere müssen Abnehmer finden. Mehr Angebot bedeutet niedrigere Kurse und damit höhere Renditen.

Das Congressional Budget Office hob seine Schätzung für das jährliche Defizit auf 2,1 Billionen Dollar an, 200 Milliarden mehr als noch im Februar.

Diese Zinsen belasten wiederum den Haushalt selbst. Es gibt keinen Überschuss, aus dem sie bezahlt werden könnten, also werden sie mit neuen Schulden finanziert: noch mehr Anleihen, und der Kreislauf beginnt von vorn. Je höher die Inflation, desto weniger Kaufkraft bietet zudem das verliehene Geld.

Die Zinslast ist bereits erheblich. Bis einschließlich Juli zahlte Washington 931 Milliarden Dollar an Zinsen, 11 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Nur Sozialversicherung und Gesundheitsausgaben schlagen noch stärker zu Buche. Besonders problematisch wird es, wenn Schulden aus der Nullzinsära zu den heutigen Konditionen refinanziert werden müssen.

Nicht ohne Grund hat Washington bei hohen Renditen schon häufiger zurückgezuckt. An der Wall Street kursiert seit mehr als einem Jahr der Begriff TACO, kurz für Trump Always Chickens Out, geprägt vom Financial-Times-Kolumnisten Robert Armstrong.

Präsident Donald Trump verschob seine Importzölle im April 2025 um neunzig Tage, kurz nach einem Ausverkauf am Anleihemarkt. Später erklärte er, die Menschen seien damals „etwas nervös“ geworden.

Beim Iran zeigte sich ein ähnliches Muster. Ende März trieb der Krieg den Ölpreis und damit die Inflationserwartungen nach oben. Ein Waffenstillstand ließ die Renditen anschließend wieder deutlich fallen.

Die Notenbank kann nicht eingreifen, also handelt Washington selbst

Nun wird Washington tatsächlich aktiv.

Am 19. August verdoppelte Finanzminister Scott Bessent die Rückkäufe langlaufender Staatsanleihen von 2 auf mindestens 4 Milliarden Dollar je Operation. Die Ankündigung erfolgte außerhalb des festen Kalenders, an dem sich das Ministerium seit Jahren orientiert.

Die langen Renditen reagierten sofort. Die Rendite dreißigjähriger Staatsanleihen fiel von 5,34 auf rund 5,19 Prozent.

Zwei Tage später war dieser Effekt wieder verpufft. Die Botschaft des Marktes: gut gemeint, aber das Grundproblem löst es nicht.

Und das stimmt. Das Geld für die Rückkäufe stammte aus neuen, kurzlaufenden Schulden. Es wurde also aufgenommen, um zu tilgen. Die Verschuldung wurde nicht kleiner, sondern nur kurzfristiger.

Bessent ließ daraufhin wissen, dass 4 Milliarden Dollar keine Obergrenze seien. US-Medien zufolge soll er sogar gesagt haben, er werde notfalls alles Nötige unternehmen, um die Renditen zu senken.

Trump ging am Freitagabend noch weiter und brachte das Militär als „ultimatives Mittel“ ins Spiel. Falls nötig, werde man es einsetzen, sagte er, ohne zu erklären, wie das funktionieren sollte.

Die Realität ist: Die Notenbank kann die Zinsen nicht senken, denn die Inflation liegt bei 3,5 Prozent, während das Ziel 2 Prozent beträgt. Eine Senkung würde die Inflationssorgen nur verstärken und den Anleihemarkt in die entgegengesetzte Richtung treiben.

In Washington weiß man das, und deshalb greift die Regierung nun selbst zu allen verfügbaren Mitteln. Gestern wurde bekannt, dass möglicherweise die eigenen Kassenreserven genutzt werden sollen, um weitere langlaufende Staatsanleihen zurückzukaufen.

Gemeint ist das Treasury General Account (TGA), auf das Washington zugreifen will. Dabei handelt es sich um das Konto der US-Regierung bei der Notenbank. Steuereinnahmen fließen dort ein, Ausgaben werden von dort bezahlt.

Es handelt sich um bereits vorhandenes Geld. Es muss nichts Neues ausgegeben werden, und bei einem Rückkauf fließt es zurück an Banken und Anleger.

Das schafft echte Liquidität: mehr frei verfügbares Geld im System. Setzt man 950 Milliarden ins Verhältnis zu 4 Milliarden Dollar je Operation, ergäbe sich Spielraum für fast 240 Rückkäufe.

Bitcoin reagiert stark auf Liquidität

Offen ist noch, ob und in welchem Umfang tatsächlich Geld eingesetzt wird. Ebenso ungewiss ist, welche Wirkung das auf den Anleihemarkt haben wird.

Kurzfristig könnte es den Druck mindern. Langfristig wird das eigentliche Problem dadurch nur größer.

Hinzu kommt, dass das Treasury General Account irgendwann wieder aufgefüllt werden muss. Dann verschwindet die Liquidität genauso schnell wieder aus dem Markt.

Kurzfristig könnte es den Druck mindern. Langfristig wird das eigentliche Problem dadurch nur größer.

Genau deshalb stehen Gold und Bitcoin wieder im Mittelpunkt. Sie sind keine Verbindlichkeit eines Dritten, und ihr Angebot ist festgelegt.

Bitcoin reagiert zudem stärker auf Liquidität als nahezu jede andere Anlageklasse. André Dragosch, Forschungschef bei Bitwise Europe, kommt seit 2020 auf ein Beta von 2,80 gegenüber der globalen Geldmenge.

Dieses Beta zeigt, wie stark sich ein Kurs mit einer anderen Größe bewegt. Bitcoin ist damit fast doppelt so empfindlich wie die sieben größten US-Technologieaktien und deutlich empfindlicher als Gold. Das liegt vor allem daran, dass Bitcoin auf der Risikoskala weit oben steht. In expansiveren Märkten suchen Anleger eher nach zusätzlicher Rendite.

Hinzu kommt: Niedrigere Zinsen machen die risikofreie Alternative weniger attraktiv. Wenn sichere Staatsanleihen weniger abwerfen, sind Anleger eher bereit, Risiken einzugehen.

Nicht alle begrüßen diesen Kurs. Der Market Maker Citadel Securities bezeichnet den Einsatz des TGA als „finanzielle Repression“, die „den Dollar schwächen und die Inflation anheizen kann“. Gemeint ist: Der Staat drückt die Renditen unter das Niveau, das der Markt aus eigener Kraft verlangen würde.

Falls Bessents Instrumentenkasten wenig bewirkt, bleibt am Ende nur die Notenbank, um den Anleihemarkt zu stabilisieren. Der Preis dafür wäre jedoch höhere Inflation – ausgerechnet das Problem, das der neue Vorsitzende Kevin Warsh bekämpfen will.

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