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ASML legte heute beeindruckende Geschäftszahlen vor. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um 55 Prozent auf 11,7 Milliarden Euro, der Nettogewinn erreichte knapp 5 Milliarden Euro. Die Nachfrage ist so hoch, dass ASML für 2027 und 2028 mit unzureichenden Produktionskapazitäten rechnet. Einige Kunden fragen bereits Maschinen für 2030 an.

Die fundamentalen Aussichten für die Chipbranche erscheinen damit ausgesprochen robust. Dennoch hat die Börse ein Problem.

Geld wird immer teurer

Die US-Anleiherenditen liegen nahe dem höchsten Stand seit 2002. Für große, profitable Unternehmen wie ASML, Nvidia und Microsoft ist das vorerst verkraftbar. Sie erwirtschaften enorme Cashflows und können ihre Investitionen weitgehend aus eigener Kraft finanzieren.

Für schwächere Unternehmen sieht es völlig anders aus. Die Zinsen, die finanziell angeschlagene US-Unternehmen zahlen müssen, steigen rasant. Firmen mit einem CCC-Rating tragen inzwischen extrem hohe Finanzierungskosten.

Das verteuert neue Investitionen und erschwert zunehmend die Refinanzierung bestehender Schulden. Darin liegt aus meiner Sicht die größte Gefahr sowohl für die KI-Hausse als auch für die Weltwirtschaft.

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Der Ölpreis kann die Lage grundlegend verändern

Der wichtigste Einflussfaktor bleibt unterdessen der Ölpreis. Neue Angriffe in der Straße von Hormus halten die Energiepreise hoch. Das treibt die Inflation und erschwert es den Zentralbanken, die Zinsen zu senken.

Ein Ende der Konflikte um den Iran und die Ukraine könnte die Lage rasch verändern. Niedrigere Ölpreise würden die Inflation dämpfen und könnten die Anleiherenditen sinken lassen. Damit würde auch die Finanzierung für Unternehmen und Verbraucher günstiger.

Schwache Unternehmen trifft es zuerst

Vorerst zeigt sich vor allem eine Zweiteilung. Starke Technologieunternehmen erzielen weiterhin enorme Gewinne, während zinssensible und finanziell schwache Unternehmen zunehmend unter Druck geraten.

Das kann lange gut gehen. Wenn die hohen Zinsen jedoch zu mehr Insolvenzen, Spannungen am Kreditmarkt und einer konjunkturellen Abkühlung führen, gerät auch der breite Aktienmarkt unter Druck.

Deshalb steht für mich derzeit weniger die Frage im Vordergrund, ob die Welt mehr Chips braucht. Daran habe ich kaum Zweifel. Entscheidender ist, wie lange die übrige Wirtschaft diese Finanzierungskosten noch verkraften kann.

Denn die Nachfrage nach Rechenleistung kann noch jahrelang wachsen. Wird Geld jedoch zu teuer, droht selbst in einem strukturell starken Investitionszyklus zwischenzeitlich eine heftige Korrektur.

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