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Der niederländische Chipanlagenbauer ASML steht in diesem Jahr allein für fast ein Viertel der Gewinne an Europas Börsen. So eng getragen war die Rally seit Jahren nicht mehr – damit ist der Markt deutlich anfälliger, als es die Kursstände vermuten lassen.
Der Stoxx Europe 600, der die 600 größten börsennotierten Unternehmen Europas umfasst, liegt in diesem Jahr 8,8 Prozent im Plus. Knapp 60 Prozent dieses Anstiegs entfallen auf zehn Aktien, wie Daten von Bloomberg zeigen.
ASML steuert allein fast ein Viertel des Zuwachses bei. Mit deutlichem Abstand folgt die britische Bank HSBC mit 8 Prozent.

Dahinter stehen zwei Faktoren. Der Kurs stieg in diesem Jahr von rund 1.000 auf etwa 1.550 Euro, zugleich gehört ASML zu den Schwergewichten im Index.
Je größer ein Unternehmen ist, desto stärker beeinflusst es den Indexstand. Ein Plus von 55 Prozent bei ASML bewegt den Index daher deutlich stärker als derselbe Anstieg bei einem mittelgroßen Versicherer.
Zusammen lieferten diese zehn Titel mehr als 5 Prozentpunkte. Die übrigen fast 590 Unternehmen kamen auf weniger als 4 Prozentpunkte.
Hinter dem Durchschnitt verbergen sich jedoch deutliche Verluste. Der Index legte in diesem Jahr ähnlich stark zu wie zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres, doch die Zahl der Unternehmen mit einem Minus von mehr als 20 Prozent hat sich mehr als verdoppelt.
Das markiert einen Bruch mit den drei Jahren davor. Damals stieg der Index um 55 Prozent, getragen zugleich von Banken, Industrie- und Gesundheitswerten. Der Beitrag von ASML blieb unter 5 Prozent.
Die Gewinne dieses Jahres kommen fast vollständig aus einem Bereich: der Chipbranche.
Infineon und STMicroelectronics galten lange als Hersteller von Chips für die Autoindustrie und die Industrie. Seit die KI-Euphorie von den großen US-Cloudkonzernen auf Chipunternehmen weltweit übergegriffen hat, werden sie zunehmend als Zulieferer für KI-Rechenzentren bewertet.
Das trifft genau den Grund, aus dem Investoren Europa gekauft haben. Technologie hat im Stoxx 600 nur ein Gewicht von 8 Prozent, Finanzwerte dagegen kommen auf 26 Prozent. Im S&P 500, der die 500 größten US-Unternehmen umfasst, liegt der Technologiesektor hingegen bei 36 Prozent.

Auf dem Papier ist das Portfolio breit gestreut, in der Praxis stammen die Renditen dennoch vor allem aus dem Technologiesektor.
Aneeka Gupta, Leiterin der makroökonomischen Forschung bei WisdomTree UK, sieht darin ein Problem.
„Das Renditeprofil ist inzwischen sehr schmal. Kurzfristig macht das den Markt klar anfälliger.“
Damit liegen immer mehr Eier in einem Korb. Sollte die Chipbranche doch noch unter Druck geraten, bleibt wenig übrig, was Europas Börsen stützen könnte.
Die Chipnachfrage hängt an den Milliarden, die US-Technologiekonzerne in KI investieren. Drei Jahre lang wertete die Börse diese Ausgaben als Zeichen von Ambition. Wer am aggressivsten investierte, sollte später den KI-Markt dominieren – entsprechend wurden hohe Investitionen mit steigenden Kursen belohnt.
Inzwischen betrachtet der Markt dieselben Ausgaben als Kostenblock. Die Rendite liegt Jahre in der Zukunft und ist unsicher, während die Rechnung schon jetzt den Cashflow belastet.
Alphabet, der Mutterkonzern von Google, steigerte seinen Cloud-Umsatz um 82 Prozent und verlor am Donnerstag dennoch mehr als 7 Prozent. Auslöser waren die Investitionen in Rechenzentren und Chips. Sie steigen auf bis zu 205 Milliarden Dollar und drückten den freien Cashflow erstmals seit 2004 ins Minus.
Das zeigt, dass Anleger zunehmend Belege dafür sehen wollen, dass KI-Investitionen Rendite bringen. In dieser Woche steht die KI-Story an der Börse vor einem neuen Test, wenn Microsoft, Meta, Amazon und Apple ihre Quartalszahlen vorlegen. Diese Ergebnisse sind auch für Europas Börsen von großer Bedeutung.
Die Aktienmärkte sind, ebenso wie Bitcoin (BTC), jedenfalls gut in die neue Woche gestartet, nachdem der Ölpreis wegen der Kampfpause zwischen Iran und den Vereinigten Staaten eingebrochen ist.
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