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Ein US-Soldat steht wegen auffallend erfolgreicher Wetten auf Polymarket im Fokus der Behörden. Der Angehörige der Streitkräfte soll mehr als 1 Million Dollar verdient haben, indem er vorhersagte, wann Militäroperationen im Iran und in Venezuela stattfinden würden.
Das geht aus einer exklusiven Berichterstattung des Wall Street Journal hervor, das mit Personen aus dem Umfeld der Ermittlungen gesprochen hat. US-Behörden prüfen nun, ob dabei sensible Informationen genutzt wurden.
Der Fall ist Teil eines breiteren Vorgehens gegen möglichen Insiderhandel auf Prognosemärkten. Auch ein Mitarbeiter des Prüfungskonzerns KPMG wird untersucht. Nach Angaben der Quellen könnten noch in diesem Herbst Anklagen folgen.
Der US-Soldat wird Insidern zufolge bereits seit dem Frühjahr untersucht. Er soll mit Wetten im Zusammenhang mit militärischen Angriffen im Iran und in Venezuela außergewöhnlich erfolgreich gewesen sein.
Die Behörden nehmen darüber hinaus Militärangehörige in den Blick, die über Prognosemärkte auf den Zeitpunkt oder den Ausgang militärischer Operationen gesetzt haben. Im Zentrum steht die Frage, ob sie Zugang zu geheimen oder anderen nicht öffentlichen Informationen hatten.
Polymarket ermöglicht Nutzern, mit Krypto auf den Ausgang künftiger Ereignisse zu setzen. Neben Politik und Sport gibt es Märkte etwa zu Unternehmensergebnissen, Kryptokursen, Rohstoffpreisen und geopolitischen Ereignissen.
Die Plattform bietet auch Wetten auf militärische Ereignisse an. Gerade dort kann es heikel werden, wenn Teilnehmer durch ihre berufliche Tätigkeit früher als die breite Öffentlichkeit über wichtige Informationen verfügen.
Polymarket erklärt, die Nutzung gestohlener vertraulicher Informationen und illegaler Hinweise zu untersagen. Nach den Regeln dürfen Nutzer zudem nicht auf Märkten handeln, deren Ausgang sie selbst beeinflussen können. Gegenüber dem Wall Street Journal wollte sich das Unternehmen nicht zu konkreten laufenden Ermittlungen äußern.
Der Fall des Soldaten ist kein Einzelfall. US-Behörden untersuchen der Zeitung zufolge auch einen Mitarbeiter von KPMG.
Diese Person soll über einen Prognosemarkt darauf gesetzt haben, ob ein bestimmtes börsennotiertes Unternehmen die Erwartungen für seine Quartalszahlen übertreffen würde.
Juristisch problematisch könnte das werden, wenn der Mitarbeiter über seine Tätigkeit Zugang zu wichtigen Finanzinformationen hatte, die noch nicht öffentlich waren. KPMG wollte sich zu dem Fall nicht äußern.
Eine endgültige Entscheidung über eine Strafverfolgung ist noch nicht gefallen. Quellen zufolge könnten gegen beide Personen in diesem Herbst Anklagen folgen. Dabei kann es um strafrechtliche oder zivilrechtliche Verfahren gehen.
An den Untersuchungen zum Handel auf Prognosemärkten sind unter anderem Bundesstaatsanwälte in Manhattan und Washington sowie die US-Aufsicht Commodity Futures Trading Commission beteiligt.
Die neuen Ermittlungen fügen sich in ein breiteres Vorgehen der USA gegen möglichen Insiderhandel auf Prognosemärkten ein. Staatsanwälte in Manhattan haben in diesem Jahr bereits zwei Strafverfahren gegen Nutzer von Polymarket eingeleitet.
Im April wurde der US-Soldat Gannon Ken Van Dyke angeklagt. Er soll geheime Informationen genutzt haben, um mit Wetten auf den Zeitpunkt, zu dem Venezuelas Präsident Nicolás Maduro aus dem Amt scheiden würde, mehr als 400.000 Dollar zu verdienen.
Van Dyke hat auf nicht schuldig plädiert. Seine Verteidigung bestreitet zudem, dass bestehende US-Regeln gegen Betrug bei Derivaten überhaupt auf Prognosemärkte wie Polymarket angewendet werden können.
Auch der Google-Softwareentwickler Michele Spagnuolo wird strafrechtlich verfolgt. Er soll mit Polymarket-Wetten darauf, welche Personen im Jahr 2025 am häufigsten über Google gesucht würden, rund 1,2 Millionen Dollar verdient haben.
Spagnuolo hat das Gericht gebeten, das Verfahren einzustellen. Auch seine Verteidigung argumentiert, dass klassische Betrugsgesetze nicht für Wetten auf Prognosemärkten gedacht seien.
Damit geht es beim Vorgehen der US-Behörden nicht nur um mögliche Insiderinformationen. Die Verfahren könnten auch darüber entscheiden, wie weit bestehendes Finanzrecht auf den schnell wachsenden Markt für Prognosen angewendet werden kann.
Obwohl Nutzer auf Polymarket anonym handeln können, sind Transaktionen auf der Blockchain öffentlich einsehbar. Auffallend erfolgreiche Wetten können dadurch dennoch entdeckt werden. Werden Gewinne anschließend an große Kryptobörsen transferiert, können Behörden möglicherweise feststellen, wer hinter einer Wallet steht.
Polymarket gibt an, verdächtige Aktivitäten selbst zu untersuchen. Die Plattform hat nach eigenen Angaben fast hundert Wallets wegen möglicher Hinweise auf illegalen Handel an Behörden gemeldet.
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