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Wer bislang ein professionelles Anlagemodell nutzen wollte, gab sein Geld in der Regel an einen Fonds ab. Bitwise kehrt dieses Prinzip um: mit automatisierten Portfolios aus tokenisierten Aktien, die einfach in der Wallet des Anlegers bleiben.

Damit zeigt das Unternehmen, dass das Potenzial der Tokenisierung weit über schnelleren Handel rund um die Uhr hinausgeht.

Coinbase liefert die Bausteine

Die Produkte heißen Automated Token Portfolios (ATPs) und basieren auf den tokenisierten US-Aktien, die Coinbase am Montag auf seine eigene Base-Blockchain gebracht hat.

Eine tokenisierte Aktie ist eine Aktie, die als Token auf einer Blockchain abgebildet ist. Anders als eine Position bei einem Broker ist ein solcher Token programmierbar: Code kann ihn ohne Zwischeninstanz kaufen, verkaufen und neu gewichten.

Auf dieser Eigenschaft baut das gesamte Produkt auf.

Bitwise legt für jeden Korb fest, welche Aktien enthalten sind und in welchem Verhältnis. Dieses Modell ist das Einzige, was das Unternehmen liefert. Die Ausführung übernimmt Glider, ein Anbieter, der auf automatisierte Portfolios spezialisiert ist.

Im Hintergrund erledigt die Software immer dieselbe Aufgabe: Sie prüft, ob die Gewichtungen noch stimmen. Steigt eine Aktie stark, wächst ihr Anteil über das Zielgewicht hinaus, und das Programm verkauft einen Teil, um zurückgebliebene Werte nachzukaufen.

Für den Zugang zur Methodik zahlen Anleger 0,15 Prozent. Bei einem Portfolio von 10.000 Dollar entspricht das 15 Dollar.

Die erste Produktreihe umfasst Körbe zu künstlicher Intelligenz (KI), Robotik und einer erweiterten Magnificent Seven, der Gruppe großer US-Technologiewerte.

In diesem Korb sind Apple (AAPL), Microsoft (MSFT), Nvidia (NVDA), Alphabet (GOOG), Amazon (AMZN), Meta (META), Tesla (TSLA) sowie SpaceX (SPCX) gleich gewichtet. Der Start ist für die kommenden Wochen geplant.

Tokenisierte Aktien ohne Fondsmantel

Bei einem klassischen Fonds erwirbt der Anleger Fondsanteile. Sein Geld fließt zusammen mit dem Kapital anderer Anleger in einen gemeinsamen Topf, aus dem der Verwalter die Wertpapiere kauft. Dem Anleger bleibt ein Anspruch auf diesen Topf.

Ein ATP funktioniert genau umgekehrt. Die Token bleiben in einer Non-Custodial-Wallet, also einer digitalen Wallet, deren Schlüssel allein der Anleger kontrolliert. Nichts wird in einem Anlagevehikel gebündelt.

Die Software erhält zwar die Erlaubnis, in dieser Wallet zu handeln, doch die Aktien bleiben Eigentum des Inhabers. Beendet er die Nutzung des Modells, hält er schlicht die Titel, die zu diesem Zeitpunkt im Portfolio liegen.

Genau an dieser Stelle reicht Tokenisierung über das Versprechen von mehr Zugang und höherer Geschwindigkeit hinaus. Der Token ist der Baustein, das Modell die darüberliegende Ebene. Beides muss nicht mehr beim selben Anbieter liegen.

„Professionelle Anlagemodelle waren über mehr als ein Jahrhundert meist daran gebunden, Vermögenswerte an einen Fonds zu übertragen“, sagt Matt Hougan, Chief Investment Officer bei Bitwise. Seiner Ansicht nach kommt das Modell nun zum Anleger, nicht umgekehrt.

Für Bitwise ist es ein Schritt über das angestammte Geschäft hinaus. Das Unternehmen ist für Krypto-ETFs (Exchange-Traded Funds, börsengehandelte Indexfonds) bekannt und verwaltet rund 9 Milliarden Dollar an Kundenvermögen.

Was bedeutet das für Fonds?

Zunächst wenig. Die ATPs stehen nur Anlegern außerhalb der Vereinigten Staaten offen, und der Markt für tokenisierte Aktien ist mit rund 2,5 Milliarden Dollar klein, wie Zahlen von rwa.xyz zeigen. Doch die Konstruktion zeigt, was sich auf tokenisierten Aktien aufbauen lässt.

Es gibt auch eine Kehrseite. Wer die Titel selbst verwahrt, trägt auch selbst die Verantwortung für die Schlüssel. Gehen sie verloren, gibt es keinen Verwalter, der eingreifen kann.

Aus der Ankündigung geht zudem nicht hervor, ob Inhaber Stimmrechte oder Dividenden erhalten. Auch zur Besicherung der Token enthalten die Mitteilungen keine Angaben.

Coinbase hat noch nicht bestätigt, welche Aktien als Nächstes auf Base erscheinen. Die Modelle von Bitwise liefern aber einen Hinweis: Microsoft, Amazon, Tesla, SpaceX und Sandisk sind bereits enthalten, fehlen auf der Blockchain bislang jedoch.

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