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XRP hat sich wie der übrige Kryptomarkt nach dem erneuten Kursrutsch gestern deutlich erholt. Nach Einschätzung von Coinbase bleibt die Lage für den beliebten Coin jedoch angespannt.

Aus Daten der Kryptobörse geht hervor, dass 97 Prozent der Netto-Longpositionen oberhalb einer wichtigen Kursmarke eröffnet wurden. Viele Händler liegen deshalb im Minus. Ein weiterer Kursrückgang könnte ihre Lage verschärfen.

Doch auch ein Kursanstieg birgt Risiken. XRP könnte daher eine kräftige Kursbewegung bevorstehen.

Coinbase warnt vor hohen Risiken für XRP-Händler

Nach Daten von Coinbase Markets wurden 97 Prozent der Netto-Longpositionen bei einem XRP-Kurs von mehr als 1,31 Dollar eröffnet. Die größte Konzentration liegt bei einem durchschnittlichen Einstiegskurs von rund 1,40 Dollar.

Bei einem aktuellen XRP-Kurs von etwa 1,34 Dollar liegen damit viele Händler im Minus.

Es handelt sich um sogenannte Longpositionen, mit denen Händler auf steigende Kurse setzen. Einige nutzen dafür geliehenes Kapital und bewegen so größere Summen, als ihnen selbst zur Verfügung stehen.

Entwickelt sich der Markt gegen sie, kann das erhebliche Folgen haben.

Fällt XRP weiter, können Händler mit kreditfinanzierten Positionen gezwungen sein, diese zu schließen. Das geschieht, wenn die hinterlegten Sicherheiten nicht mehr ausreichen, um mögliche Verluste abzudecken.

Eine solche Zwangsschließung wird als Liquidation bezeichnet. Werden viele Longpositionen gleichzeitig liquidiert, kann dies zusätzlichen Verkaufsdruck auslösen.

Daraus kann eine Kettenreaktion entstehen: Sinkende Kurse führen zu Liquidationen, die wiederum weitere Kursrückgänge auslösen können.

Die Zahlen bedeuten allerdings nicht, dass 97 Prozent aller XRP-Anleger Verluste verzeichnen. Sie beziehen sich ausschließlich auf Netto-Longpositionen am Derivatemarkt. Anleger, die XRP direkt gekauft haben, sind in dieser Berechnung nicht erfasst.

Auch bei steigenden XRP-Kursen drohen Turbulenzen

Bemerkenswert ist, dass nicht nur Händler mit Wetten auf steigende Kurse Risiken ausgesetzt sind.

Daten der Analyseplattform Glassnode zeigen, dass sich im Bereich von 1,49 und 1,50 Dollar zahlreiche Shortpositionen konzentrieren.

Mit einer Shortposition setzen Händler auf fallende Kurse. Die größte Ansammlung solcher Positionen hat den Daten zufolge einen Wert von mehr als 20 Millionen Dollar.

Damit ergibt sich eine besondere Konstellation: Bei rund 1,40 Dollar liegen viele Positionen von Händlern, die auf eine Erholung von XRP hoffen. Um 1,50 Dollar konzentriert sich dagegen eine große Gruppe, die auf einen erneuten Rückgang setzt.

Steigt der XRP-Kurs unerwartet stark, könnten diese Shortpositionen unter Druck geraten.

Händler, die mit geliehenem Kapital auf fallende Kurse gesetzt haben, riskieren dann eine automatische Schließung ihrer Positionen. Das kann zusätzlichen Kaufdruck auslösen und den Kursanstieg beschleunigen.

Dieses Phänomen ist als Short Squeeze bekannt.

Die genannten Kursmarken sind jedoch keine festen Liquidationsschwellen. Wann eine Position tatsächlich geschlossen wird, hängt unter anderem vom eingesetzten Fremdkapital und den verfügbaren Sicherheiten ab.

XRP-Kurs erholt sich nach deutlichen Verlusten

Die Warnung folgt auf eine schwierige Phase für XRP. Innerhalb von anderthalb Wochen hat der Coin mehr als 15 Prozent an Wert verloren. Seit dem gestrigen Tief hat er sich allerdings bereits um mehr als vier Prozent erholt.

Die Käufer konnten die Unterstützung bei 1,30 Dollar erfolgreich verteidigen. Der lange untere Docht der Tageskerze zeigt, dass auf diesem Niveau zahlreiche Käufer eingestiegen sind.

XRP behauptet die Unterstützung bei rund 1,30 Dollar.
XRP behauptet die Unterstützung bei rund 1,30 Dollar. – Quelle: TradingView/Newsbit

Hält sich XRP nun mehrere Tage oberhalb dieser Marke, könnte eine stärkere Erholung in Richtung 1,50 Dollar folgen. Voraussetzung dafür ist allerdings auch eine günstige Entwicklung bei Bitcoin (BTC).

Auch die Kapitalflüsse bei US-Kryptofonds deuten auf Zurückhaltung hin. Am Donnerstag verzeichneten die US-Spot-ETFs auf XRP und Zcash (ZEC) zusammen Nettoabflüsse von 14,87 Millionen Dollar.

Anleger zogen damit unter dem Strich mehr Geld aus diesen Fonds ab, als sie investierten. Über die börsengehandelten Fonds können Anleger an der Kursentwicklung teilhaben, ohne die zugrunde liegenden Coins selbst zu kaufen.

Trotz der jüngsten Kursverluste bleiben viele aktive Händler optimistisch.

Das Verhältnis von Handelskonten mit Longpositionen zu solchen mit Shortpositionen liegt bei 3,29. Damit setzen mehr als dreimal so viele Konten auf steigende wie auf fallende Kurse.

Über den Gesamtumfang der Positionen sagt das allerdings nichts aus. So können wenigen großen Shortpositionen beispielsweise viele kleinere Longpositionen gegenüberstehen.

Auch die sogenannte Finanzierungsrate ist mit 0,0071 Prozent leicht positiv. Dabei handelt es sich um eine regelmäßig fällige Ausgleichszahlung zwischen Händlern an bestimmten Derivatemärkten.

Eine positive Finanzierungsrate bedeutet in der Regel, dass Händler mit Longpositionen Zahlungen an Händler mit Shortpositionen leisten. Das deutet darauf hin, dass weiterhin Interesse an Wetten auf einen steigenden XRP-Kurs besteht.

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