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In der kommenden Woche steht vor allem die US-Inflation im Fokus. Am Mittwochnachmittag werden die Verbraucherpreisdaten für September veröffentlicht. Sie sind der erste wichtige Gradmesser für die Inflation, seit die Federal Reserve im vergangenen Monat die Zinsen erhöht hat.

Die Daten kommen zu einem heiklen Zeitpunkt. Der Ölpreis ist in den vergangenen Monaten kräftig gestiegen, und die US-Haushalte müssen mehr für Kraftstoff bezahlen. Anleger wollen wissen, ob sich der Energiepreisschock auf die Tankstellen beschränkt oder inzwischen auch andere Preise erfasst.

Die Antwort könnte die Renditen von US-Staatsanleihen und den Dollar deutlich bewegen. Damit betreffen die Daten nicht nur die Wall Street, sondern auch europäische Aktien, Gold und andere risikoreiche Anlagen wie Bitcoin (BTC).

Für die Fed ist vor allem entscheidend, ob die Inflation ausreichend nachlässt, um nach der jüngsten Zinserhöhung wieder eine Pause einzulegen.

Bilanzsaison erhöht die Spannung

Die Woche beginnt vergleichsweise ruhig. In den USA ist am Montag Columbus Day, der Handel mit Staatsanleihen bleibt geschlossen. Damit fehlt zum Wochenauftakt ein wichtiger Gradmesser für die Zinserwartungen.

Ab Dienstag nimmt der Handel Fahrt auf. Dann legt Citigroup seine Zahlen für das dritte Quartal vor. Die Bankbilanzen geben einen ersten Einblick in die finanzielle Lage der US-Haushalte und Unternehmen. Anleger achten unter anderem auf Zahlungsrückstände, die Kreditvergabe und Anzeichen dafür, dass die höheren Zinsen die Konjunktur bremsen.

Das ist besonders relevant, weil die US-amerikanische Bilanzsaison bei hohen Aktienkursen beginnt. Gute Gewinnzahlen können die Bewertungen stützen. Enttäuschungen wiegen dagegen schwerer, wenn Anleger zugleich mit länger anhaltenden hohen Zinsen rechnen müssen.

Am Mittwochmorgen legt zunächst ASML seine Quartalszahlen vor. Der niederländische Hersteller von Anlagen zur Chipfertigung veröffentlicht sie vor Börsenbeginn. Die Ergebnisse sind für den AEX wichtig, aber auch für das Vertrauen in die weltweite Investitionswelle rund um Halbleiter und künstliche Intelligenz. Damit steht dem Aktienmarkt bereits eine wichtige Bewährungsprobe bevor, ehe später am Tag die bedeutendsten Konjunkturdaten der Woche erscheinen.

Am Mittwoch steht die Inflation im Mittelpunkt

Um 14.30 Uhr deutscher Zeit veröffentlicht das US-Arbeitsstatistikamt Bureau of Labor Statistics die Verbraucherpreisdaten für September. Im August stieg die Gesamtinflation auf 3,4 Prozent. Die Kerninflation ohne Nahrungsmittel und Energie lag bei 2,4 Prozent.

Dieser Unterschied macht die Daten vom Mittwoch besonders wichtig. Teureres Öl schlägt zunächst unmittelbar auf Benzinpreise und Transportkosten durch. Geben Unternehmen anschließend ihre höheren Transport- und Produktionskosten weiter, kann sich der Preisdruck ausweiten. Die Fed will verhindern, dass aus einem vorübergehenden Preisschock eine hartnäckige Inflation wird.

Die Zentralbank erhöhte den Leitzins im September um einen Viertelprozentpunkt auf eine Spanne von 3,75 bis 4 Prozent. Nach Einschätzung der Fed blieb die Inflation zu hoch, während die Wirtschaft weiter kräftig wuchs. Die nächste Zinssitzung ist für den 27. und 28. Oktober angesetzt. Die Inflationsdaten dieser Woche liefern damit einen der letzten wichtigen Anhaltspunkte für diese Entscheidung.

Fällt die Inflation höher aus als von Anlegern erwartet, könnte eine weitere Zinserhöhung wahrscheinlicher werden. Die Renditen von Staatsanleihen könnten dann steigen, weil Anleger eine höhere Verzinsung verlangen. Das macht Anleihen gegenüber Aktien attraktiver und kann vor allem hoch bewertete Wachstumsunternehmen unter Druck setzen.

Auch der Dollar könnte in diesem Szenario zulegen. Niedrigere Inflationsdaten könnten dagegen für Erleichterung sorgen, weil die Fed dann weniger unter Handlungsdruck stünde. Die Reaktion muss allerdings nicht überall gleich ausfallen: Für Aktien ist auch entscheidend, ob die Inflation sinkt und die Wirtschaft zugleich ausreichend robust bleibt.

Am Donnerstag folgt der zweite Inflationstest

Einen Tag später werden die US-Erzeugerpreise veröffentlicht. Sie erfassen Preisveränderungen auf den vorgelagerten Stufen der Wertschöpfungskette. Im August lagen sie 5,4 Prozent über dem Vorjahresniveau. Ein erneuter kräftiger Anstieg könnte darauf hindeuten, dass Unternehmen zusätzliche Kosten selbst tragen oder weitergeben müssen.

Anschließend spricht Fed-Chef Kevin Warsh mit IWF-Direktorin Kristalina Georgieva. Seine Aussagen erhalten zusätzliches Gewicht, falls die Inflationsdaten überraschend hoch oder niedrig ausfallen. Anleger werden dann nach Hinweisen auf die Zinsentscheidung suchen, die die Zentralbank noch in diesem Monat treffen muss.

Am Freitag folgen zum Wochenausklang US-Daten zu den Importpreisen und zur Industrieproduktion. Sie zeigen, ob sich die teurere Energie und die höheren Zinsen auch jenseits der Inflationsstatistik bemerkbar machen. Zum Ende der Woche verschiebt sich der Fokus damit von einzelnen Preisdaten auf die grundsätzliche Frage: Kann die Fed die Inflation eindämmen, ohne Wirtschaft und Aktienmarkt zu stark zu belasten?

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