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Wer mit dem Investieren beginnt, hört oft, dass Aktien im Schnitt zehn Prozent Rendite pro Jahr erzielen. Das klingt attraktiv für alle, die Vermögen aufbauen oder früher in Rente gehen möchten. Doch dieser Durchschnittswert kann über erhebliche Risiken hinwegtäuschen.
Historische Daten zeigen, dass die Börse weit weniger berechenbar ist, als die zehn Prozent vermuten lassen. Selbst wer sein Geld über Jahre anlegt, kann am Ende Verluste erleiden.
Die bekannte Faustregel geht vor allem auf den US-Aktienmarkt zurück. Historische Daten für den Zeitraum von Januar 1871 bis September 2026 zeigen, dass US-Aktien im Durchschnitt eine jährliche Rendite von rund 9,4 Prozent erzielten.
Gemeint ist dabei die Gesamtrendite einschließlich reinvestierter Dividenden. Dividenden sind Gewinnausschüttungen von Unternehmen an ihre Aktionäre. Wer diese Zahlungen wieder anlegt, profitiert vom Zinseszinseffekt: Bereits erzielte Erträge erwirtschaften ihrerseits weitere Erträge.
Allerdings zählt der US-Aktienmarkt historisch zu den erfolgreichsten der Welt. Anleger in anderen Ländern konnten nicht immer mit vergleichbaren Ergebnissen rechnen. Die oft genannten zehn Prozent sind deshalb keineswegs ein weltweit selbstverständlicher Ertrag.
Der größte Irrtum besteht darin, anzunehmen, dass das eigene Vermögen jedes Jahr um etwa zehn Prozent wächst. Tatsächlich schwanken die jährlichen Renditen erheblich. Historisch reichten die Ergebnisse von rund 44 Prozent Verlust bis zu 57 Prozent Gewinn.
In mehr als einem Viertel der untersuchten Jahre verzeichneten US-Aktien Verluste. Nur in acht Prozent der Jahre lag die Rendite zwischen acht und zwölf Prozent. In den meisten Jahren wich die Börsenentwicklung damit deutlich vom bekannten Durchschnitt ab.
Für Anleger, die auf eine Immobilie oder für den Ruhestand sparen, kann das erhebliche Folgen haben. Ein starker Kurseinbruch kurz bevor sie das Geld benötigen, kann über Jahre aufgebaute Gewinne schmälern. Der historische Durchschnitt schützt nicht vor solchen Rückschlägen.
Ein langer Anlagehorizont hilft in der Regel, vorübergehende Kursschwankungen auszugleichen. Die Vergangenheit zeigt jedoch, dass selbst über Zeiträume von zehn Jahren mitunter Verluste entstanden.
Ein extremes Beispiel ist die Weltwirtschaftskrise. Nach dem Börsencrash von 1929 dauerte es mehr als 15 Jahre, bis der US-Aktienmarkt gemessen am nominalen Kursniveau wieder den vorherigen Stand erreichte. Wer sein Geld früher benötigte, konnte die Erholung nicht immer abwarten.
Hinzu kommt, dass die historische Rendite nicht dem entspricht, was Anlegern letztlich bleibt. Inflation mindert die Kaufkraft, während Steuern und Anlagekosten den Ertrag schmälern. Anleger aus dem Euroraum, die in US-Aktien investieren, tragen zudem ein Währungsrisiko durch Schwankungen des Euro-Dollar-Wechselkurses.
Die historischen zehn Prozent zeigen, welchen Ertrag US-Aktien über einen sehr langen Zeitraum erzielt haben. Sicherheit über künftige Renditen bietet diese Zahl jedoch nicht.
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