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Warnungen vor der amerikanischen Staatsverschuldung gibt es seit Jahrzehnten. Lange blieb das ohne größere Folgen. Die USA nahmen weiter Kredite auf, der Dollar blieb dominant, und die Finanzmärkte stiegen weiter. Für viele Anleger wurde das Schuldenproblem damit zum Hintergrundrauschen.
Nach Ansicht von Ruchir Sharma, dem Vorsitzenden von Rockefeller International, ändert sich das nun. In einem Gastbeitrag für die Financial Times schreibt er, dass die amerikanische Schuldenpolitik inzwischen spürbare Folgen habe. Der erste größere Schaden könnte seiner Einschätzung nach im KI-Hype sichtbar werden.
Sharma verweist vor allem auf die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen. Sie liegt bei rund 4,8 Prozent. Sollte sie klar über 5 Prozent steigen, könnte das aus seiner Sicht eine neue Phase knapperen Kapitals einläuten.

Das ist entscheidend, weil die Zehnjahresrendite weltweit als Referenzgröße für langfristige Finanzierungen gilt. Steigt sie, wird Kapital für Unternehmen, Verbraucher und Staaten teurer.
Für KI-Unternehmen kommt das zu einem heiklen Zeitpunkt. Die Branche investiert massiv in Rechenzentren, Chips und Energieinfrastruktur. Laut Sharma liegen die jährlichen Umsätze aus der KI-Nutzung bei rund 200 Milliarden Dollar, während Unternehmen mehr als 1 Billion Dollar für Infrastruktur ausgeben.
Diese Lücke muss finanziert werden. Je höher die Zinsen steigen, desto schwieriger wird das.
Normalerweise entstehen Blasen, wenn Unternehmen für ein populäres Thema zu viele Schulden aufnehmen. Irgendwann steigen die Zinsen, und die Blase platzt. Diesmal liegt der Schwerpunkt Sharma zufolge woanders.
Der größte Schuldenaufbau findet nicht bei privaten Haushalten oder Unternehmen statt, sondern beim Staat. Die USA verzeichnen seit Jahren Haushaltsdefizite von etwa 6 Prozent des BIP, selbst in wirtschaftlich guten Zeiten.
Die Zinslast auf die Staatsschulden hat sich innerhalb von fünf Jahren auf gut 3 Prozent des BIP mehr als verdoppelt. Muss die US-Regierung mehr als 5 Prozent Zinsen auf Anleihen zahlen, konkurriert sie direkter mit Big Tech um Kapital. Anleger erhalten dann eine attraktive Rendite auf Staatsanleihen, wodurch riskantere KI-Projekte weniger selbstverständlich werden.
Einige Analysten sehen in einer Zehnjahresrendite von mehr als 5 Prozent eine Rückkehr in die Neunzigerjahre. Damals wuchs die US-Wirtschaft kräftig, und die Börse entwickelte sich stark. Sharma zufolge ist die Lage heute jedoch eine andere.
In den Neunzigerjahren erzielten die USA am Ende Haushaltsüberschüsse. Heute ist die Staatsverschuldung auf rund 100 Prozent des BIP gestiegen, und die Zinslast ist deutlich höher. Deshalb kann dasselbe Zinsniveau heute wesentlich größeren Schaden anrichten.
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