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Der politische Machtwechsel in Washington hat gestern einen Börsencrash an der Wall Street ausgelöst. Anleger befürchten, dass die Demokraten ihre neue Mehrheit im Kongress nutzen werden, um strenge Vorgaben für künstliche Intelligenz durchzusetzen – vor allem für Rechenzentren.
KI- und Chipaktien verzeichneten die größten Verluste. Nvidia erlebte einen der schwächsten Handelstage seiner Geschichte. In der Nacht erfasste die Panik auch Asien, während sich die US-Futures leicht erholen.
Der Nasdaq Composite, der nahezu alle Aktien der Technologiebörse Nasdaq umfasst, fiel gestern um 5,52 Prozent auf 24.315 Punkte. Damit liegt der Index rund zwölf Prozent unter seinem Rekordstand vom 6. Oktober und befindet sich in einer Korrektur.
Beim Nasdaq-100, der die hundert größten Unternehmen dieser Börse außerhalb des Finanzsektors umfasst, fiel das Minus mit 6,36 Prozent noch deutlicher aus. Das war der schwächste Handelstag seit März 2020. Mit rund 2,3 Billionen Dollar war es zudem der größte Tagesverlust in Dollar aller Zeiten.
Der S&P 500 verlor 4,36 Prozent und verzeichnete damit den schwächsten Handelstag seit April 2025. Der Dow Jones gab um 3,44 Prozent nach. Für ihn war es der schwächste zweite Handelstag nach den US-Zwischenwahlen seit 1896.
Alle 30 Dow-Werte und sämtliche elf Branchen des S&P 500 schlossen im Minus. Im S&P 500 wurden rund drei Billionen Dollar an Börsenwert vernichtet. Das entspricht drei Vierteln der vier Billionen Dollar, die seit dem 6. Oktober verloren gingen.
Besonders stark gerieten Chipaktien unter Druck. Der Halbleiterindex SOX, der dreißig große Chipunternehmen abbildet, brach um 12,25 Prozent ein und verzeichnete den schwächsten Handelstag seit März 2020.
Der Chipkonzern Nvidia (NVDA) verlor 9,26 Prozent auf 181,60 Dollar. Damit wurden sämtliche Kursgewinne dieses Jahres aufgezehrt. Der Verlust an Börsenwert von rund 430 bis 450 Milliarden Dollar ist der größte seit dem DeepSeek-Crash im Januar 2025.
Broadcom und Intel verloren jeweils mehr als zehn Prozent, AMD sogar 17 Prozent. Bei den Speicherherstellern Micron und Sandisk beliefen sich die Verluste auf bis zu 22 Prozent. Elon Musks Unternehmen SpaceX und Tesla gaben um neun beziehungsweise knapp elf Prozent nach.
Die großen Cloudkonzerne, auch Hyperscaler genannt, kamen vergleichsweise glimpflich davon. Sie finanzieren ihre Rechenzentren selbst und schonen bei einem langsameren Ausbau ihre Liquidität. Microsoft, Alphabet und Amazon verloren zwischen zwei und 3,5 Prozent.
In weiten Teilen der Branche sind die Verluste inzwischen deutlich größer. Mittlerweile befinden sich 25 große Techaktien in einem Bärenmarkt. Am stärksten betroffen ist Sandisk mit einem Minus von 66 Prozent gegenüber dem Höchststand. Auch Nvidia, Meta und TSMC notieren 25 bis 28 Prozent unter ihren Höchstständen.
Anleger suchten unterdessen sichere Häfen. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen sank angesichts der gestiegenen Nachfrage auf 4,84 Prozent. Gold verteuerte sich auf rund 4.098 Dollar je Feinunze.
Europas Börsen gerieten bereits gestern unter Druck. Auch hier traf es vor allem Chipaktien: Der Halbleiterausrüster ASML verlor 6,6 Prozent, der deutsche Chiphersteller Infineon sogar 8,5 Prozent.
Hinzu kam eine Enttäuschung aus der Rüstungsbranche. Rheinmetall brach in Frankfurt um 16 Prozent ein, nachdem der Konzern wegen verzögerter Aufträge zum zweiten Mal in diesem Jahr seine Jahresprognose gesenkt hatte. Andere Rüstungsaktien gaben ebenfalls nach.
In Asien traf der Börsencrash in der Nacht vor allem die Handelsplätze mit einem hohen Anteil an Chipwerten. In Südkorea fiel der Kospi kurz nach Handelsbeginn um rund neun Prozent und rutschte erstmals seit dem 2. Februar unter 5.000 Punkte.
Der Einbruch löste einen sogenannten Circuit Breaker aus. Dieser automatische Schutzmechanismus unterbricht den Handel für 20 Minuten, um Panikverkäufe einzudämmen. Die Speicherhersteller SK Hynix und Samsung Electronics verloren zeitweise zehn bis zwölf Prozent.
Die südkoreanische Börse stand bereits zuvor unter Druck. Ausländische Anleger verkauften dort innerhalb von fünf Handelstagen unter dem Strich Aktien im Wert von rund 6,4 Milliarden Dollar.
In Taiwan fiel TSMC, der weltweit größte Auftragsfertiger für Halbleiter, sogar bis an die zulässige Verlustgrenze. Die Aktie sank auf 2.020 Taiwan-Dollar und erreichte damit den maximal erlaubten Rückgang innerhalb eines Tages.
Der japanische Nikkei 225 brach kurz nach Handelsbeginn um rund sieben Prozent auf unter 60.000 Punkte ein. Das war der größte Rückgang seit April 2025. Damit befindet sich der Index in einem Bärenmarkt.
Die Demokraten gewannen bei den Zwischenwahlen am 3. November die Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses. Anschließend wurde aus der Partei deutliche Kritik an KI laut, insbesondere am Bau von Rechenzentren.
Senator Bernie Sanders forderte einen sofortigen landesweiten Baustopp für Rechenzentren. Die Abgeordnete Yassamin Ansari will sogar die Entwicklung fortgeschrittener KI vorübergehend aussetzen.
Heute Morgen beruhigt sich die Lage allmählich. Die Futures auf den Nasdaq-100, über die Anleger auch außerhalb der regulären Handelszeiten auf die Entwicklung des Index setzen können, liegen derzeit rund ein Prozent im Plus. Der S&P 500 notiert allerdings knapp im Minus.
Im Mittelpunkt steht nun der US-Arbeitsmarktbericht, der heute Nachmittag um 14:30 Uhr veröffentlicht wird.
Durch den Crash ist die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im kommenden Monat deutlich gesunken. Die Arbeitsmarktdaten bleiben jedoch für die Geldpolitik der US-Notenbank von großer Bedeutung.
Der VIX, das Angstbarometer der Wall Street, schnellte gestern um fast 70 Prozent nach oben. Zugleich fiel der Relative-Stärke-Index (RSI) des Nasdaq auf den tiefsten Stand seit 17 Monaten.
Der RSI liefert Hinweise darauf, ob ein Markt überverkauft ist. Auf solche Phasen folgt häufig eine Erholung.
In solchen Phasen lohnt sich für Anleger ein Blick auf die längerfristige Entwicklung. Der S&P 500 liegt seit Jahresbeginn weiterhin neun Prozent im Plus. Seit der Einführung von ChatGPT Ende 2022 hat er sogar rund 80 Prozent zugelegt.
KI gilt als eine der womöglich umwälzendsten Technologien überhaupt. An diesem Potenzial hat sich gestern nichts geändert. Donald Trump wiederum wird nicht zulassen, dass die USA im Wettbewerb mit China zurückfallen.
Wer den Bau von Rechenzentren verhindert, treibt die Investitionen aus seiner Sicht direkt nach China. Mit seinem Vetorecht kann Trump entsprechende Vorhaben blockieren.
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