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Silber ist auf den tiefsten Stand des Jahres 2026 gefallen. Zugleich zeichnet sich am Derivatemarkt eine bemerkenswerte Entwicklung ab: Immer mehr Händler setzen auf einen weiteren Rückgang des Silberpreises. Gerade die Häufung von Shortpositionen könnte jedoch einen plötzlichen Kursanstieg begünstigen.
Nach einem starken Jahresausklang 2025 zählt Silber inzwischen zu den schwächsten unter den wichtigsten Rohstoffen dieses Jahres. Der Silberpreis ist von seinem Rekordhoch bei mehr als 120 Dollar auf zuletzt rund 53 Dollar gefallen. Im August hatte das Edelmetall noch ein Zwischenhoch von gut 70 Dollar erreicht.
Die wichtige Unterstützung bei rund 55 Dollar ist inzwischen unterschritten. Damit rücken 50 und 45 Dollar als mögliche Kursziele in den Fokus. Der niederländische Analyst Michaël van de Poppe hält sogar einen weiteren Rückgang in Richtung 20 Dollar für möglich.

Der starke Preisrückgang hat viele Spekulanten dazu veranlasst, zusätzliche Shortpositionen aufzubauen. Damit wollen sie von weiter fallenden Silberpreisen profitieren. Solange der Abwärtstrend anhält, kann diese Strategie Gewinne bringen. Das Risiko steigt jedoch, wenn viele Händler gleichzeitig auf dieselbe Entwicklung setzen.
Steigt der Silberpreis unerwartet, können Leerverkäufer gezwungen sein, ihre Positionen zu schließen, um weitere Verluste zu begrenzen. Dafür müssen sie Silber zurückkaufen. Die zusätzliche Nachfrage kann den Preis weiter in die Höhe treiben. Eine solche Kettenreaktion wird als Short Squeeze bezeichnet.
Marktdaten deuten darauf hin, dass das Risiko einer solchen plötzlichen Gegenbewegung zunimmt. Ein Short Squeeze bedeutet allerdings nicht zwangsläufig den Beginn eines neuen, langfristigen Aufwärtstrends bei Silber. Möglich ist auch eine kurze, kräftige Erholung, die durch die erzwungene Schließung von Positionen ausgelöst wird.
Die Schwäche von Silber fügt sich in die Entwicklung am gesamten Edelmetallmarkt ein. Wie Gold steht auch Silber wegen der anhaltend hohen Zinsen unter Druck.
Wenn Staatsanleihen und Sparguthaben höhere Zinsen abwerfen, verlieren Anlagen ohne laufende Verzinsung relativ an Attraktivität. Auch ein starker US-Dollar kann den Silberpreis belasten, da das Edelmetall international in Dollar gehandelt wird.
In einem wichtigen Punkt unterscheidet sich Silber jedoch von Gold: Die industrielle Nachfrage hat ein größeres Gewicht. Das Metall wird vielfach in Solarmodulen, in der Elektronik und in anderen technischen Anwendungen eingesetzt. Der Silberpreis hängt deshalb nicht nur von Anlegern ab, sondern auch von der Entwicklung der Weltwirtschaft.
Langfristig könnte eine Lockerung der Zinspolitik den Preis wieder stützen. Niedrigere Zinsen machen Edelmetalle relativ attraktiver. Eine dauerhaft lockere Geldpolitik kann zudem auf längere Sicht die Inflation anheizen.
Vorerst dominiert jedoch der Verkaufsdruck. Zugleich erhöht die wachsende Zahl von Shortpositionen das Risiko einer abrupten Kursbewegung. Je mehr Händler auf weitere Verluste setzen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit einer kräftigen Gegenbewegung, falls sich der Silberpreis unerwartet erholt.
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