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Der US-Dollar könnte vor neuem Verkaufsdruck stehen. Große Pensionsfonds und Versicherer außerhalb der Vereinigten Staaten haben einen auffallend großen Teil ihrer Anlagen in US-Aktien und Anleihen nicht gegen einen fallenden Dollar abgesichert.

Berechnungen von Bloomberg zufolge haben große Investoren in sechs untersuchten Ländern im Schnitt nur 41 Prozent ihres Fremdwährungsrisikos abgesichert. Das ist der niedrigste Stand seit mindestens 2015. Sollte der Dollar weiter nachgeben, könnten diese Anleger gezwungen sein, nachträglich Schutz zu suchen. Schon eine geringe Verschiebung könnte Devisentransaktionen im Umfang von Hunderten Milliarden Dollar auslösen.

Geringe Absicherung gegen einen fallenden Dollar

Über Jahre war es für internationale Anleger attraktiv, ihr Dollar-Engagement nicht vollständig abzusichern. Die US-Währung galt als sicherer Hafen und legte in Phasen erhöhter Unsicherheit häufig sogar zu.

Das bot automatisch einen Puffer. Fielen US-Aktien oder Anleihen, konnte ein stärkerer Dollar einen Teil der Verluste ausgleichen, sobald Anleger ihr Vermögen in die eigene Währung umrechneten.

Zudem kostet die Absicherung von Währungsrisiken Geld. Solange der Dollar stark blieb, gab es daher wenig Anlass, diese Kosten zu tragen.

Doch genau diese Strategie wirkt nun zunehmend anfällig. Der Dollar hat in diesem Quartal rund 2,3 Prozent verloren und gegenüber den meisten anderen wichtigen Währungen an Boden eingebüßt.

Anleger sorgen sich unter anderem über die US-Wirtschaftspolitik. Finanzminister Scott Bessent versucht, den japanischen Yen zu stützen und den Anstieg der US-Anleiherenditen zu bremsen. Gleichzeitig ist unklar, wie weit Federal-Reserve-Chef Kevin Warsh bei Zinserhöhungen gehen will, um die Inflation zu bekämpfen.

Hinzu kommt der politische Druck durch Donald Trump. Er will die Finanzierungskosten niedrig halten.

Dollarverkäufe in dreistelliger Milliardenhöhe möglich

Das Risiko liegt vor allem im enormen Umfang ausländischer Anlagen in US-Vermögenswerten.

Bloomberg wertete Daten aus Japan, Kanada, Taiwan, Australien, Dänemark und Finnland aus. Anleger aus diesen Ländern halten zusammen rund 4,6 Billionen Dollar an Auslandsvermögen.

Sollten sie ihre Absicherung um nur fünf Prozentpunkte erhöhen, würde das Transaktionen von rund 230 Milliarden Dollar auslösen.

„Angesichts des Volumens ausländischer Anlagen in US-Aktiva braucht es keine drastische Veränderung, um Wirkung zu entfalten“, sagt Laura Cooper vom Vermögensverwalter Nuveen. „Schon kleine Anpassungen der Absicherungsquoten können erhebliche Devisenströme auslösen.“

Das heißt allerdings nicht, dass Anleger US-Aktien oder Staatsanleihen im Wert von Hunderten Milliarden Dollar verkaufen müssen. Sie können ihre Positionen halten und zugleich zusätzlichen Schutz vor einem fallenden Dollar kaufen.

Die Nachfrage nach US-Anlagen könnte dadurch robust bleiben, während der Dollar zugleich unter Verkaufsdruck gerät.

Japan könnte den Dollar zusätzlich belasten

Dabei spielt vor allem Japan eine wichtige Rolle. Das Land ist der größte ausländische Halter von US-Staatsanleihen; auf Japan entfallen rund zehn Prozent aller US-Staatsanleihen in ausländischer Hand.

Nach Angaben der Deutschen Bank sicherten japanische Anleger in der ersten Jahreshälfte nur 41 Prozent ihrer neuen Käufe ausländischer Anleihen gegen Währungsrisiken ab. 2024 waren es noch 62 Prozent.

Deutsche-Bank-Stratege Shoki Omori verweist darauf, dass die Absicherung zuletzt 2013 etwa auf diesem Niveau gelegen habe. Damals stand der Dollar erst am Beginn eines jahrelangen Aufwärtstrends.

„Heute stellt sich das makroökonomische Umfeld eher umgekehrt dar“, sagte Omori.

Eine weitere Zinserhöhung durch die Bank of Japan könnte die Lage verändern. Der Zinsabstand zwischen Japan und den Vereinigten Staaten würde dann kleiner, wodurch es günstiger und attraktiver würde, Dollarrisiken abzusichern.

Auch ein plötzlicher Rückgang des Dollars könnte Pensionsfonds und Versicherer dazu bewegen, sich schneller abzusichern.

Dadurch könnte eine selbstverstärkende Dynamik entstehen. Ein schwächerer Dollar bringt Anleger dazu, mehr Währungsrisiko abzusichern. Dafür verkaufen sie Dollar, was die US-Währung anschließend erneut unter Druck setzen kann.

Nach Einschätzung von Wells-Fargo-Stratege Erik Nelson könnte vor allem der Euro davon profitieren. Europäische Fonds haben zuletzt große Mengen US-Aktien gekauft, ohne ihr Währungsrisiko vollständig abzusichern. Sollte der Dollar in einer nächsten Phase von Marktturbulenzen nicht mehr als sicherer Hafen funktionieren, könnte sich diese Haltung aus seiner Sicht rasch ändern.

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