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Die Lage am US-Anleihemarkt bleibt angespannt. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg am Donnerstag auf 5,225 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit 2007. Auch die Rendite dreißigjähriger Anleihen zog weiter an und kletterte auf 5,502 Prozent.

Die Wall Street hielt sich dennoch vergleichsweise stabil. Der S&P 500 und der Nasdaq Composite schlossen am Donnerstag nahezu unverändert. Unter der Oberfläche wächst der Druck jedoch.
Die steigenden Marktzinsen schlagen inzwischen immer deutlicher auf die US-Wirtschaft durch. Der durchschnittliche Zinssatz für 30-jährige Hypotheken liegt wieder über 7 Prozent. Dadurch wird die Finanzierung von Immobilien teurer, zugleich steigen auch die Kosten anderer Kredite.
Morgan Stanley erwartet, dass sich dies im kommenden Jahr im Konsum bemerkbar macht. Genau darin liegt das Dilemma für die Märkte. Die US-Wirtschaft ist vorerst robust genug, um hohe Zinsen zu verkraften. Je länger das Zinsniveau jedoch hoch bleibt, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass Verbraucher und Unternehmen ihre Ausgaben und Investitionen zurückfahren.
Der Anstieg der Anleiherenditen kommt nicht aus dem Nichts. Starke Konjunkturdaten, hohe Energiepreise und restriktive Aussagen der US-Notenbank haben Anleger wieder stärker mit einer Zinserhöhung im Oktober rechnen lassen.
Am Terminmarkt wird die Wahrscheinlichkeit dafür inzwischen auf rund 68 Prozent beziffert. Damit wird die Zinserhöhung im September immer weniger als einmaliger Schritt gesehen. Der Markt stellt sich zunehmend auf eine längere Phase höherer Zinsen ein.
Für Aktien ist das kein günstiges Umfeld. Vor allem hoch bewertete Wachstumsunternehmen müssen künftig stärkere Gewinne vorweisen, um ihre Kurse zu rechtfertigen.
Am Freitag gibt es immerhin einen wichtigen Lichtblick. Der Ölpreis gibt erneut nach, gestützt durch Hoffnungen auf eine diplomatische Lösung im Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und Iran.
Nach Angaben von Reuters sprechen beide Länder über ein gestaffeltes Abkommen. Demnach würde Iran die Schifffahrt durch die Straße von Hormus wieder zulassen, im Gegenzug würde die US-Blockade beendet. Wie konkret die Gespräche sind, bleibt offen.
Brent fiel am Freitag um rund 1 Prozent. Das ist relevant, weil niedrigere Ölpreise den Inflationsdruck verringern können – und damit perspektivisch auch den Druck auf die Anleiherenditen.
Vorerst bleibt das Bild an den Börsen uneinheitlich. Der Dow Jones steuert auf seine vierte Verlustwoche in Folge zu und liegt in dieser Woche rund 0,6 Prozent im Minus. Der S&P 500 steht dagegen 0,7 Prozent höher, der Nasdaq sogar 1,6 Prozent.

Technologie stützt den Markt damit weiterhin. Die zentrale Frage bleibt jedoch dieselbe: Wie viel höhere Zinsen kann die Wirtschaft verkraften? Solange die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen über 5 Prozent weiter steigt, gewinnt diese Frage von Tag zu Tag an Bedeutung.
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