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Der US-Anleihemarkt sorgt an der Wall Street weiter für Unruhe. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg am Dienstag auf rund 5,26 Prozent und hatte am Montag zeitweise 5,274 Prozent erreicht. Das ist der höchste Stand seit 2007.

Auch die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen zog weiter an und liegt inzwischen über 5,5 Prozent. Aktien bekommen diesen Druck mittlerweile deutlich zu spüren. Der Dow Jones verlor am Montag mehr als 300 Punkte, während der S&P 500 um 0,8 Prozent nachgab und der Nasdaq Composite 0,9 Prozent einbüßte.
Der wichtigste Grund bleibt die hartnäckige Inflation. Vor allem der hohe Ölpreis hält die Inflationserwartungen hoch und sorgt dafür, dass Anleger mit weiteren Zinserhöhungen der US-Notenbank rechnen.
Damit entsteht ein bemerkenswerter Unterschied zwischen dem Markt und der Notenbank selbst. Laut Evangelos Assimakos von Rathbones ist der Anleihemarkt inzwischen deutlich strenger als die US-Notenbank.
Innerhalb der Fed gingen 12 der 18 Währungshüter zuletzt nur von einer weiteren Zinserhöhung bis Jahresende aus. Am Markt werden inzwischen eher zwei Schritte eingepreist.
Dieser Unterschied ist entscheidend. Wenn Anleger davon ausgehen, dass die Zinsen stärker steigen müssen, als es die Notenbank selbst signalisiert, verlieren bestehende Anleihen an Attraktivität. Die Kurse fallen, die Renditen steigen.
Genau dieser Prozess ist in den vergangenen Wochen deutlich sichtbar geworden. Die zehnjährige Rendite liegt inzwischen auf Niveaus, die seit fast zwanzig Jahren nicht mehr erreicht wurden. Damit werden US-Staatsanleihen wieder zu einer ernsthaften Alternative zu Aktien.
Für Aktien wird die Rechnung dadurch zunehmend schwieriger. Je höher die Rendite vergleichsweise sicherer Staatsanleihen, desto weniger attraktiv werden hoch bewertete Wachstumsaktien. Zudem sind künftige Gewinne bei höheren Zinsen aus heutiger Sicht weniger wert.
Besonders Technologie- und KI-Aktien reagieren darauf empfindlich. In den vergangenen Wochen hielten sie sich auffallend robust, doch je länger die Renditen über 5 Prozent bleiben, desto stärker gerät die Bewertung unter Druck.
Am Dienstag blicken Anleger erneut auf wichtige US-Daten. Veröffentlicht werden der Index zum Verbrauchervertrauen sowie die JOLTS-Daten zu offenen Stellen und Bewegungen am Arbeitsmarkt.
Starke Zahlen könnten erneut bestätigen, dass die Wirtschaft hohe Zinsen verkraftet. Das würde die Anleiherenditen weiter nach oben treiben. Schwächere Daten könnten dagegen für etwas Entlastung sorgen.
Die Entwicklung hat allerdings auch eine andere Seite. Nach Einschätzung von Northwestern Mutual bieten Anleihen nach dem kräftigen Renditeanstieg inzwischen attraktivere Einstiegsniveaus als zu nahezu jedem Zeitpunkt der vergangenen zwanzig Jahre.
Das beschreibt die aktuelle Marktlage treffend. Höhere Renditen sind schlechte Nachrichten für Aktienbewertungen. Genau dadurch werden Anleihen selbst aber zunehmend attraktiver. Solange sich die zehnjährige Rendite in Richtung 5,3 Prozent bewegt, dürfte diese Konkurrenz für Aktien weiter zunehmen.
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