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Der US-Anleihemarkt steht erneut deutlich unter Druck. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen ist wieder auf das Niveau gestiegen, auf dem sie kurz vor dem Eingreifen von Finanzminister Scott Bessent lag, der die Finanzierungskosten senken wollte.

Seine Ankündigung hatte die Renditen zunächst spürbar gedrückt, doch dieser Effekt ist inzwischen weitgehend verpufft. Anleger sorgen sich über hohe Staatsausgaben, massive Investitionen und eine hartnäckige Inflation. Zugleich steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Federal Reserve die Zinsen in diesem Monat erneut anhebt.

US-Renditen wieder auf Ausgangsniveau

Bessent hatte am 19. August angekündigt, dass das US-Finanzministerium sein Programm zum Rückkauf von Staatsanleihen deutlich ausweiten werde. Damit wollte er den Anleihemarkt beruhigen und vor allem die langen Renditen drücken.

Zunächst zeigte die Maßnahme Wirkung. Am Dienstag stieg die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen jedoch wieder auf 5,27 Prozent. Damit lag sie in etwa auf dem Niveau von kurz vor Bessents Ankündigung.

Am Mittwochmorgen zog die Rendite sogar weiter auf rund 5,29 Prozent an. Damit nähert sie sich erneut dem höchsten Stand seit 19 Jahren.

Grafik der Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen: Nach Bessents Eingriff fällt sie und kehrt anschließend auf 5,29 Prozent zurück

Auch die wichtige Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen ist deutlich gestiegen. Sie liegt bei rund 4,8 Prozent, dem höchsten Stand seit Januar 2025 und mehr als 0,10 Prozentpunkte über dem Niveau vor Bessents Eingriff.

Diese Rendite ist wichtig, weil sie auf zahlreiche andere Finanzierungskosten durchschlägt, darunter Hypotheken und Unternehmenskredite.

Nach Einschätzung von Mark Cabana, Leiter der US-Zinsstrategie bei der Bank of America, gelingt es dem Anleihemarkt schlicht nicht, einen deutlichen Renditerückgang zu behaupten. Anleger verlangen vor allem für langlaufende Staatsanleihen eine höhere Vergütung.

Fed-Zinserhöhung: Wahrscheinlichkeit steigt auf 70 Prozent

Nicht nur die langen Renditen steigen. Auch die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen, die besonders stark auf Erwartungen zur Geldpolitik der Federal Reserve reagiert, kletterte am Dienstag auf rund 4,40 Prozent.

Anleger rechnen damit zunehmend mit einer weiteren Zinserhöhung. Am Markt wird die Wahrscheinlichkeit inzwischen auf etwa 70 Prozent geschätzt, dass die Fed die Zinsen noch in diesem Monat anhebt. Es wäre die erste Erhöhung seit 2023.

Vor allem die hartnäckige Inflation sorgt für Unruhe. Der steigende Ölpreis infolge des Kriegs mit dem Iran könnte den Inflationsdruck weiter erhöhen. Zugleich sorgen sich Anleger über die hohen US-Staatsausgaben und die enormen Investitionen unter anderem in künstliche Intelligenz.

Diese Sorgen sind weltweit sichtbar. Die Rendite 30-jähriger deutscher Staatsanleihen stieg auf den höchsten Stand seit 2011. Im Vereinigten Königreich erreichte die Rendite vergleichbarer Staatsanleihen sogar den höchsten Stand seit 1998.

Bessent bekommt US-Renditen nicht in den Griff

Die erneute Renditeerhöhung bedeutet dennoch nicht, dass Bessents Eingriff wirkungslos geblieben ist. Das ausgeweitete Rückkaufprogramm startet erst am 9. September. Zudem ist noch unklar, wie viele Staatsanleihen das Ministerium am Ende zurückkaufen wird. Bislang ist lediglich bekannt, dass der Umfang der Operationen mindestens verdoppelt werden soll.

Bessent räumt selbst ein, dass er die Renditen nicht einfach nach unten steuern kann. Sein Ziel sei vor allem, starke und plötzliche Bewegungen am Anleihemarkt abzufedern.

„Ich glaube nicht, dass ich den Gleichgewichtszins verändern kann. Was ich aber tun kann, ist, die Bewegung zu bremsen“, sagte er am Dienstag zu Newsmax.

Der erneute Anstieg zeigt, wie schwierig das ist. Die Regierung von Donald Trump will die Zinsen eigentlich senken, damit unter anderem Hypotheken und andere Kredite günstiger werden. Zugleich schüren hohe Staatsausgaben, Steuersenkungen und der Krieg mit dem Iran Sorgen über Inflation und steigende Schulden. Das kann Anleger dazu bewegen, für US-Staatsanleihen höhere Renditen zu verlangen.

Dan Morehead, Gründer von Pantera Capital, hält es sogar für möglich, dass Bessents Vorgehen das Gegenteil bewirkt hat.

„Ein Bluff funktioniert nur, solange am Pokertisch niemand weiß, dass man blufft“, sagte Morehead gegenüber Bloomberg TV. „Ich glaube, genau das ist hier nach hinten losgegangen.“

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