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Das US-Haushaltsdefizit war in einem Juli noch nie so hoch. Der Staat gibt deutlich mehr aus, als er einnimmt, und die Lücke wird von Jahr zu Jahr größer.
Das Finanzministerium veröffentlichte gestern neue Zahlen. Sie zeigen auch, warum die steigenden Zinsen auf die Staatsschulden zu einem immer hartnäckigeren Problem werden.
Das Defizit belief sich im vergangenen Monat auf 432,3 Milliarden Dollar, umgerechnet rund 370 Milliarden Euro. Das sind 48 Prozent mehr als im Juli des Vorjahres und der höchste Juli-Wert aller Zeiten.
Zugleich war es das größte monatliche Haushaltsloch seit März 2021. Damals wurde der Etat noch durch Corona-Hilfen aufgebläht.
Der Gesundheitsdienst Medicare, das staatliche Versicherungsprogramm für ältere Menschen, war mit 174 Milliarden Dollar der größte Ausgabenposten. Danach folgten die Sozialversicherung mit 141 Milliarden Dollar und die Zinsen auf die Staatsschulden mit 104 Milliarden Dollar.
Eine Einschränkung ist allerdings wichtig. Weil der 1. August auf ein Wochenende fiel, wurden Auszahlungen im Volumen von 99 Milliarden Dollar in den Juli vorgezogen. Das ließ das Defizit zusätzlich anschwellen.
In den ersten zehn Monaten des Haushaltsjahres summiert sich das Defizit inzwischen auf fast 1,8 Billionen Dollar. Damit liegt es rund 5 Prozent über dem Niveau des Vorjahreszeitraums.
Ein Haushaltsdefizit entsteht, wenn ein Staat mehr ausgibt, als er über Steuern einnimmt. Die Lücke wird mit geliehenem Geld geschlossen, und all diese Kredite zusammen bilden die Staatsverschuldung. In den Vereinigten Staaten ist dieser Schuldenberg inzwischen auf 39,9 Billionen Dollar angewachsen.
Die Kreditaufnahme erfolgt über Staatsanleihen. Das sind Schuldpapiere, die Investoren kaufen und für die sie im Gegenzug eine feste Verzinsung erhalten, in der Fachsprache Rendite genannt.
Problematisch wird es bei der Refinanzierung. Alte Kredite mit Zinsen von 1 oder 2 Prozent laufen aus, während neue Anleihen, die sie ersetzen, schnell 4 bis 5 Prozent kosten.
Dadurch zahlte der Staat in diesem Haushaltsjahr bereits 1,17 Billionen Dollar an Zinsen, 15 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Nur für die Sozialversicherung und Medicare fließt noch mehr Geld ab.
Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen schwankt um 4,7 Prozent, die dreißigjährige Rendite liegt bei rund 5,2 Prozent. Das ist der höchste Stand seit 2007.

Damit sind die Zinsen wieder auf dem Niveau von vor der Finanzkrise 2008. In den Jahren danach senkte die US-Notenbank die Zinsen auf null und kaufte in großem Stil Anleihen auf. Kreditaufnahme war dadurch nahezu kostenlos.
Bei derart langen Laufzeiten verlangen Anleger vor allem einen Ausgleich für Inflation, Unsicherheit und das Risiko, dass ein Staat seine Finanzen nicht im Griff behält.
Die US-Inflation liegt seit mehr als fünf Jahren über dem Zielwert von 2 Prozent. Gleichzeitig überschwemmt Washington den Markt mit immer neuen Anleihen.
So entsteht ein gefährlicher Kreislauf. Ein größeres Defizit erfordert mehr neue Anleihen, und dieses zusätzliche Angebot muss Käufer finden.
Greifen Investoren nicht von selbst zu, müssen die Zinsen steigen, um sie anzulocken. Dadurch erhöhen sich jedoch die Zinslasten, das Defizit wächst weiter und noch mehr Anleihen müssen an den Markt.
Die Folgen reichen weit über die USA hinaus. Die US-Zinsen gelten weltweit als Basispreis des Geldes. Steigen sie, werden Hypotheken und Unternehmenskredite überall teurer.
Je höher der risikofreie Zins, desto teurer wird es, unverzinste Anlagen wie Gold und Bitcoin zu halten. An der Börse geraten vor allem Wachstumswerte unter Druck. Ihre Bewertungen beruhen auf Gewinnen, die erst in einigen Jahren anfallen, und genau diese fernen Gewinne sind bei hohen Zinsen heute weniger wert.
Der Blick richtet sich nun auf die Notenbank. Sie kann die Zinsen hoch halten, um sich endlich wieder dem Inflationsziel von 2 Prozent anzunähern. Oder sie kann den Anleihemarkt stützen. Anleger dürften dann jedoch noch mehr Inflation einpreisen und entsprechend höhere Renditen verlangen.
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