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Donald Trump hat das Pentagon angewiesen, die gemeinsamen Militärübungen mit Südkorea „deutlich zu reduzieren“. Der US-Präsident hält die Übungen für zu teuer und sieht darin ein „unangemessenes Signal“ an Nordkorea – auch wegen seiner „sehr guten Beziehung“ zu Machthaber Kim Jong-un.

Auch der Krieg mit dem Iran dürfte eine Rolle spielen. Trump verwies in derselben Mitteilung darauf, dass Südkorea zuletzt abgelehnt habe, die Vereinigten Staaten bei der „Denuklearisierung“ des Iran zu unterstützen. Die Entscheidung könnte bei anderen US-Verbündeten in Asien Unruhe auslösen, etwa in Japan und Australien, die sich ebenfalls aus dem Konflikt mit dem Iran heraushalten.

Trump verweist auf Kosten und gutes Verhältnis zu Kim Jong-un

Die zehntägige Militärübung Ulchi Freedom Shield soll am Montag beginnen. Rund 18.000 südkoreanische Soldaten nehmen daran teil. Die Übungen werden seit Jahren gemeinsam von den Vereinigten Staaten und Südkorea durchgeführt.

Trump erklärte am Sonntag in sozialen Medien, es sei inzwischen zu spät, die Übungen vollständig abzusagen. Er habe das Pentagon jedoch angewiesen, sie deutlich zurückzufahren.

Nach Darstellung des Präsidenten sind die Übungen teuer und senden ein falsches Signal an Nordkorea. Dabei verwies er ausdrücklich auf sein Verhältnis zu Kim Jong-un.

Trump brachte seine Entscheidung in derselben Mitteilung auch mit dem Iran in Verbindung. Er schrieb, er habe den südkoreanischen Präsidenten kürzlich gefragt, ob Seoul die Vereinigten Staaten bei der „Denuklearisierung der Islamischen Republik Iran“ unterstützen wolle.

Nach Trumps Darstellung lautete die Antwort: „Nein, danke!“

Südkorea hat sich, wie viele andere US-Verbündete, aus dem Krieg mit dem Iran herausgehalten. Der Konflikt begann Ende Februar mit amerikanischen und israelischen Luftangriffen. Trump hatte zuvor auch europäische Verbündete kritisiert, die den Vereinigten Staaten die Nutzung ihrer Luftwaffenstützpunkte für Angriffe verweigerten.

Das südkoreanische Verteidigungsministerium teilte nach Trumps Äußerungen mit, Ulchi Freedom Shield werde wie angekündigt stattfinden. Wie Trumps Anweisung zur Reduzierung der amerikanischen Beteiligung konkret umgesetzt wird, ist noch unklar.

Zweifel an amerikanischer Unterstützung für Verbündete

Die Entscheidung könnte auch Folgen für das Verhältnis Washingtons zu anderen Verbündeten in der Region haben. Japan und Australien haben wie Südkorea Sicherheitsverträge mit den Vereinigten Staaten, entschieden sich aber gegen eine Beteiligung am Krieg gegen den Iran.

Nach Einschätzung von Adam Farrar, der unter Trump und Joe Biden im Nationalen Sicherheitsrat der USA tätig war, dürfte vor allem Japan beunruhigt sein.

„Japan wird sich darüber mit Sicherheit Sorgen machen“, sagte Farrar. Sollte die Entscheidung tatsächlich auf Unmut über die Iran-Frage zurückgehen, könne dieselbe Unsicherheit auch in anderen Ländern entstehen, die amerikanische Militärhilfe erhalten, sich aber nicht an dem Krieg beteiligen wollen.

„Unabhängig vom Grund wird eine solche Entscheidung in letzter Minute Fragen zum Engagement der USA gegenüber ihren asiatischen Verbündeten aufwerfen und könnte die Abschreckung schwächen“, sagte Farrar.

Zugleich wird auch die amerikanische Militärpräsenz in der Region kleiner. Die USS George Washington, der einzige derzeit im asiatisch-pazifischen Raum stationierte US-Flugzeugträger, wird nach Angaben des US Naval Institute in den Nahen Osten verlegt.

Normalerweise halten die Vereinigten Staaten mindestens einen Flugzeugträger in der Region. Diese Präsenz soll unter anderem China und Nordkorea abschrecken.

Trump sucht erneut Annäherung an Nordkorea

Es ist nicht das erste Mal, dass Trump gemeinsame Übungen mit Südkorea zurückfährt. Während seiner ersten Präsidentschaft schränkte er sie ebenfalls ein, als er direkt mit Kim Jong-un über das nordkoreanische Atomwaffenprogramm verhandelte.

Diese Gespräche scheiterten letztlich ohne Abkommen.

Die Lage hat sich inzwischen verändert. Nordkorea hat seine militärische Zusammenarbeit mit Russland ausgebaut und Erfahrungen mit moderner Kriegstechnologie gesammelt. Pjöngjang lieferte unter anderem Soldaten und Material für Russlands Krieg gegen die Ukraine.

Nach Angaben amerikanischer Militärvertreter soll Ulchi Freedom Shield gerade dieser veränderten Bedrohung Rechnung tragen. Nordkorea hat unter anderem Erfahrungen mit Drohnen gesammelt und testet zugleich weiter ballistische Raketen.

Am Mittwoch feuerte Pjöngjang erneut eine ballistische Rakete vor seiner Ostküste ab. Sechs Tage zuvor hatte das Land bereits eine Kurzstreckenrakete gestartet.

Nordkorea lehnt die gemeinsamen Übungen der Vereinigten Staaten und Südkoreas seit Jahren ab. Pjöngjang betrachtet sie als Bedrohung und warnte am Freitag erneut, es werde seine militärische Abschreckung verstärken, falls die Bedrohung zunehme.

Gleichzeitig versucht der südkoreanische Präsident Lee Jae Myung, die Spannungen zu verringern. Er rief am Samstag zu neuen Gesprächen mit Nordkorea auf und kündigte Schritte in Richtung einer friedlichen Koexistenz auf der koreanischen Halbinsel an.

Auch Trump scheint an einem neuen Anlauf für Verhandlungen mit Kim interessiert zu sein. Nach Einschätzung von Jeremy Chan von der Eurasia Group betrachtet der US-Präsident Nordkorea weiterhin als offenes Dossier und will erneut versuchen, direkt mit Kim zu Vereinbarungen zu kommen.

Die große Frage ist, ob Kim dafür noch offen ist. Mit russischer Unterstützung befindet sich der nordkoreanische Machthaber nach Einschätzung von Analysten in einer stärkeren Position als während Trumps erster Präsidentschaft und hat bislang wenig Interesse an neuen Verhandlungen gezeigt.

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