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Milliardäre, die ihr Vermögen in der Technologiebranche aufgebaut haben, gehören in diesem Jahr zu den Gewinnern einer auffälligen Entwicklung. Der KI-Boom und die starke Entwicklung amerikanischer Technologieaktien haben die reichsten Tech-Unternehmer der Welt um Hunderte Milliarden Dollar reicher gemacht.
Außerhalb der Technologiebranche zeigt sich ein völlig anderes Bild. Dort ist das Gesamtvermögen der Milliardäre gesunken. Diese Kluft verdeutlicht, wie stark der Vermögenszuwachs der reichsten Menschen der Welt inzwischen von amerikanischen Technologieunternehmen und künstlicher Intelligenz abhängt.
Die rund hundert Technologie-Milliardäre im Bloomberg Billionaires Index haben ihr gemeinsames Vermögen in den ersten neun Monaten 2026 um 845 Milliarden Dollar vergrößert. Laut Bloomberg ist das der höchste jemals erfasste Vermögenszuwachs in den ersten neun Monaten eines Jahres.
Zusammen besitzen diese Technologie-Milliardäre inzwischen rund 4,6 Billionen Dollar. Damit entfallen auf sie 36 Prozent des gesamten Vermögens der fünfhundert reichsten Menschen der Welt, obwohl sie nur etwa ein Fünftel der Personen auf der Liste stellen.
Die Entwicklung steht in scharfem Kontrast zu der der übrigen Milliardäre. Die Superreichen, die ihr Vermögen außerhalb der Technologiebranche erwirtschaftet haben, verloren zusammen rund 62 Milliarden Dollar.
Besonders stark profitieren amerikanische Milliardäre. Auf sie entfielen 94 Prozent des gesamten Vermögenszuwachses im Bloomberg Billionaires Index.
Seit dem 10. September sind sogar alle zehn reichsten Menschen der Welt Amerikaner. Laut Bloomberg ist das erstmals seit Einführung der Milliardärsliste im Jahr 2012 der Fall.
Der enorme Vermögenszuwachs ist eng mit dem Aufstieg der künstlichen Intelligenz verbunden. Neun der zehn reichsten Menschen der Welt verdanken ihr Vermögen inzwischen überwiegend amerikanischen Technologieunternehmen.
Zu den größten Gewinnern gehört Elon Musk. Sein Vermögen wuchs bis Ende September um rund 310 Milliarden Dollar. Damit entfielen auf Musk allein fast vierzig Prozent des gesamten Vermögenszuwachses innerhalb der Milliardärsliste.
Im Juni überschritt Musks Vermögen vorübergehend sogar die Marke von einer Billion Dollar – als erstes Privatvermögen weltweit. Zuvor hatte sein Raumfahrtunternehmen SpaceX mit seinem KI-Unternehmen xAI fusioniert und war anschließend an die Börse gegangen.
Auch Michael Dell profitiert stark vom KI-Boom. Sein Vermögen stieg in diesem Jahr um 81 Prozent auf 254 Milliarden Dollar. Dell kommt die enorme Nachfrage nach Rechenzentrumstechnik zugute, die für das Training und den Betrieb immer größerer KI-Modelle benötigt wird.
Auch Mark Zuckerberg wurde reicher. Sein Vermögen nahm um rund 23 Milliarden Dollar zu. Die Meta-Aktie legte allein im September um 27 Prozent zu und verzeichnete damit ihren besten Monat seit fast vier Jahren. Zu dem Kursanstieg trug unter anderem die Einführung von Muse bei, einem persönlichen KI-Assistenten von Meta.
Der KI-Boom bringt inzwischen auch neue Milliardäre hervor. Alle sieben Mitgründer von Anthropic wurden im Juni in die Milliardärsliste aufgenommen, nachdem eine Finanzierungsrunde das KI-Unternehmen mit 965 Milliarden Dollar bewertet hatte.
Auch außerhalb der Vereinigten Staaten entstehen neue Vermögen. Die chinesischen Unternehmer Yan Junjie von MiniMax und Liang Wenfeng von DeepSeek zählen inzwischen zu den neuen Milliardären, die vom weltweiten Investitionsboom im KI-Bereich profitieren.
Nicht nur die Entwickler von KI-Modellen verdienen daran. Auch Unternehmer im Bereich Rechenzentren, Chips und anderer Infrastruktur werden reicher. So wuchs das Vermögen von King-Slide-Gründer Lin Tsung-chi auf rund 9,5 Milliarden Dollar. Sein taiwanisches Unternehmen fertigt Komponenten für Server und Rechenzentren.
Auch mehrere Unternehmer aus der Chipindustrie wurden in diesem Jahr in die Milliardärsliste aufgenommen, darunter MediaTek-Chef Tsai Ming-kai und TSMC-Gründer Morris Chang. In Südkorea profitierten die Samsung-Erbinnen Lee Boo-jin und Lee Seo-hyun von der steigenden Nachfrage nach Speicherchips.
Der Aufschwung birgt allerdings Risiken. Das gemeinsame Vermögen der fünfhundert reichsten Menschen der Welt erreichte Mitte Juni einen Rekordwert von 13,4 Billionen Dollar. Anschließend sank es um rund sechs Prozent auf 12,6 Billionen Dollar.
Eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums und wachsende Zweifel an den enormen Investitionen in künstliche Intelligenz setzen Technologieaktien unter Druck.
Das Beispiel Larry Ellison zeigt, wie schnell die Stimmung umschlagen kann. Der Oracle-Gründer war im September 2025 kurzzeitig der reichste Mensch der Welt. Sein Vermögen stieg damals innerhalb eines Tages um rund 89 Milliarden Dollar, nachdem Oracle starke Wachstumsprognosen für sein KI-Geschäft vorgelegt hatte.
Ein Jahr später sieht die Lage völlig anders aus. Ellisons Vermögen ist um rund 196 Milliarden Dollar gesunken. Gleichzeitig sind die Kosten für die Absicherung gegen Zahlungsausfälle bei Oracle-Schulden auf nahezu rekordhohe Niveaus gestiegen. Anleger sorgen sich um die hohen Summen, die das Unternehmen für neue KI-Infrastruktur aufnehmen muss.
Der rasante Vermögenszuwachs sorgt zudem für eine politische Debatte über die ungleiche Vermögensverteilung. In Kalifornien stimmen die Bürger im November über eine mögliche Vermögensteuer für Milliardäre ab. Auch in Washington, New York, Illinois und Rhode Island wurden Vorschläge diskutiert, besonders große Vermögen stärker zu besteuern.
UBS-Ökonom James Mazeau verweist darauf, dass sich die Zusammensetzung der Gruppe der Allerreichsten verändert. Während große Vermögen früher häufiger auf traditionellen Unternehmen und über Generationen gewachsenem Familienvermögen beruhten, gehören heute zunehmend relativ junge Technologieunternehmer zur Spitze. Das wirft aus seiner Sicht die Frage auf, inwieweit diese Entwicklung letztlich zu einer noch stärkeren Vermögenskonzentration führt.
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