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Die Supermicro-Aktie hat gestern Abend nach überraschend starken vorläufigen Geschäftszahlen kräftig zugelegt. Der Serverhersteller verkauft deutlich mehr KI-Hardware als von der Wall Street erwartet.
Die Nachricht kommt zur rechten Zeit: Vergangene Woche hatte der KI-Sektor deutliche Verluste erlitten, weil Anleger zunehmend daran zweifelten, ob sich die milliardenschweren Investitionen auszahlen.
Super Micro Computer (SMCI), besser bekannt als Supermicro, erwartet für das abgelaufene Quartal einen Umsatz von 18,5 bis 19,5 Milliarden Dollar. Analysten hatten im Schnitt mit rund 15 Milliarden Dollar gerechnet.
Der Mittelwert der Prognosespanne liegt mit 19 Milliarden Dollar rund vier Milliarden Dollar oder gut ein Viertel über den Erwartungen. Supermicro selbst war im August noch von 14,5 bis 15,5 Milliarden Dollar ausgegangen.
Zudem verdient das Unternehmen an jedem verkauften Server mehr. Die Bruttomarge, also der nach Abzug der direkten Kosten verbleibende Umsatzanteil, liegt bei 12 bis 12,5 Prozent. Zuvor hatte Supermicro mit 10,4 bis 10,8 Prozent gerechnet.
Die Aktie schloss gestern bei 32,47 Dollar und legte anschließend im nachbörslichen Handel um bis zu 17 Prozent zu. Auch die Konkurrenten Dell und Hewlett Packard Enterprise (HPE) gewannen zwischen 3,5 und 4,9 Prozent.

Allerdings belasten auch Vorwürfe das Unternehmen: Ein Mitgründer und zwei weitere Personen sollen Server im Wert von mehreren Milliarden Dollar illegal nach China geliefert haben. Gegen Supermicro selbst wurde keine Anklage erhoben. Einer unabhängigen Untersuchung zufolge wusste die Unternehmensführung nichts davon.
Warum das Unternehmen die Zahlen bereits vor der offiziellen Veröffentlichung am 3. November vorlegte, ließ es offen.
Supermicro stellt selbst keine Chips her, sondern verbaut KI-Chips von Nvidia zusammen mit Speicher und Kühlsystemen zu kompletten Servern. Die Arbeitsteilung ähnelt der im Autobau: Nvidia liefert gewissermaßen den Motor, Supermicro baut das Fahrzeug darum herum.
Diese Server kommen in den Rechenzentren von Technologiekonzernen wie Microsoft, Google, Amazon und Meta zum Einsatz. Laut Reuters investieren die vier Unternehmen in diesem Jahr zusammen mehr als 700 Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur.
Hinzu kommen junge KI-Cloudanbieter wie CoreWeave, die Rechenleistung an KI-Entwickler vermieten. Sie nehmen in großem Umfang Kredite auf, um Rechenzentren zu bauen und mit Servern auszustatten. Wie viel Umsatz Supermicro mit diesen Kunden erzielt, ist bislang unklar.
Gerade diese milliardenschweren Schulden lösten vergangene Woche Panik aus. Der technologielastige US-Börsenindex Nasdaq verlor rund 4,5 Prozent und verzeichnete damit seine schlechteste Woche seit Ende Juni.
Besonders hart traf es CoreWeave: Die Aktie verlor innerhalb einer Woche rund 25 Prozent. Die Renditen einiger Anleihen stiegen auf über 15 Prozent. Zugleich hat das Unternehmen mehr als 51 Milliarden Dollar Schulden.
Auch die Zulieferer gerieten unter Druck: Dell, das Server an CoreWeave liefert, verlor innerhalb einer Woche mehr als 22 Prozent. Es war die schlechteste Börsenwoche des Unternehmens seit seiner Rückkehr an die Börse im Jahr 2018.
Auch Supermicro hatte in den vergangenen Wochen deutliche Kursverluste erlitten: Trotz des jüngsten Kursanstiegs notiert die Aktie weiterhin 18 Prozent unter ihrem Höchststand von Anfang des Monats.
Hinzu kam die Sorge vor höheren Zinsen, weil der durch den Krieg mit dem Iran gestiegene Ölpreis die Inflation antreibt. Hoch verschuldete Unternehmen wie CoreWeave müssen dann mehr Zinsen zahlen. Dadurch dauert es länger, bis ihre Rechenzentren Gewinne abwerfen.
Am Montag warnte die Ratingagentur S&P Global zudem davor, dass die Technologiekonzerne für ihre KI-Investitionen wahrscheinlich höhere Schulden eingegangen sind als bislang bekannt.
Neben Supermicro legte gestern Abend auch SpaceX starke Zahlen vor. Das Raumfahrt- und KI-Unternehmen von Elon Musk erzielte im abgelaufenen Quartal einen Nettogewinn von 4,4 Milliarden Dollar. Das war mehr als das Doppelte der von Analysten erwarteten 1,88 Milliarden Dollar.
Die SpaceX-Aktie gewann nachbörslich rund 9 Prozent. Die Futures auf den Nasdaq 100, die Hinweise auf die erwartete Börseneröffnung geben, liegen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung 0,72 Prozent im Plus.
Tim Waterer, Chefmarktanalyst bei KCM Trade, sieht einen Stimmungsumschwung. Deutlich besser als erwartete Zahlen und positive Unternehmensmeldungen trügen dazu bei, die in den vergangenen Handelstagen aufgekommenen Sorgen um das KI-Geschäft teilweise zu zerstreuen, erklärte er.
Meta und Tesla veröffentlichen heute Abend nach Handelsschluss an der Wall Street ihre Quartalszahlen. Starke Ergebnisse der beiden Unternehmen könnten laut Waterer die Zuversicht für den KI-Sektor wieder auf breiterer Basis stärken. Laden Sie die Newsbit-App herunter und erhalten Sie eine Push-Mitteilung, sobald die Zahlen vorliegen.
Für Supermicro kommt es vor allem darauf an, was Meta um 22:30 Uhr zu seinen Investitionen sagt. Erhöht der Facebook-Mutterkonzern seine Ausgaben für Rechenzentren weiter, profitieren die Serverhersteller unmittelbar.
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