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Bitcoin (BTC) erhält eine neue Rolle im traditionellen Bankensektor. In Südkorea können Unternehmen erstmals bei einer Geschäftsbank Kredite aufnehmen und ihre Bitcoin als Sicherheit hinterlegen. Ihre Coins müssen sie dafür nicht verkaufen. Die südkoreanische Jeonbuk Bank hat lokalen Medien zufolge bereits einen ersten Kredit vergeben. Möglich macht diesen Schritt eine neue Regulierung.
Die Jeonbuk Bank, die zur JB Financial Group gehört, bietet dem südkoreanischen Nachrichtenmedium EDaily zufolge inzwischen Unternehmenskredite an, bei denen Bitcoin als Sicherheit dienen.
Das Angebot richtet sich an Unternehmen, die zusätzliche Liquidität für ihr Tagesgeschäft benötigen – etwa für Lieferantenzahlungen, den Wareneinkauf oder andere betriebliche Ausgaben.
Bisher hätten Unternehmen dafür unter Umständen einen Teil ihrer Bitcoin verkaufen müssen. Bei der Jeonbuk Bank ist das nun nicht mehr nötig. Sie können ihre Coins als Sicherheit hinterlegen und erhalten dafür einen Kredit in südkoreanischen Won.
Die Bitcoin verwahrt die Bank allerdings nicht selbst. Dafür beauftragt die Jeonbuk Bank einen spezialisierten externen Dienstleister, der die sichere Verwahrung der Coins übernimmt.
Dass das neue Angebot bereits genutzt wird, ist inzwischen bestätigt. Ein Vertreter der Jeonbuk Bank erklärte gegenüber dem südkoreanischen Medium Chosun, der erste Kredit sei bereits vergeben worden.
Welches Unternehmen den Kredit erhalten hat und wie hoch die Kreditsumme ist, wollte die Bank nicht bekannt geben.
Hintergrund ist eine Änderung der südkoreanischen Vorschriften, die am 1. Oktober in Kraft trat.
Den zitierten Berichten zufolge schaffen die neuen Regeln mehr Klarheit über die rechtliche Behandlung digitaler Vermögenswerte, wenn ein Schuldner seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommt.
Für Banken ist das entscheidend. Zahlt ein Unternehmen seinen Kredit nicht zurück, muss die Bank die hinterlegten Sicherheiten verwerten können, um ihre Forderung zu decken.
Bei klassischen Krediten dienen beispielsweise Immobilien oder andere werthaltige Vermögenswerte als Sicherheit. Laut EDaily nutzt die Jeonbuk Bank nun eine vergleichbare Konstruktion für Bitcoin.
Tilgt ein Unternehmen seine Schulden nicht, kann die Bank die Bitcoin im Rahmen eines gerichtlichen Verfahrens verkaufen lassen. Mit dem Erlös wird anschließend der ausstehende Kredit zurückgezahlt.
Die Besonderheit: Die Jeonbuk Bank muss dafür nicht selbst Eigentümerin der Bitcoin werden. Sie hat eine Konstruktion entwickelt, die ihr einen Anspruch auf den Verkaufserlös sichert.
Allerdings sind noch nicht alle Einzelheiten bekannt. Die Jeonbuk Bank hat bislang weder Angaben zu den Kreditzinsen noch zur maximalen Kreditsumme gemacht.
Auch die sogenannte Loan-to-Value-Ratio (LTV), also das Verhältnis von Kreditsumme zum Wert der hinterlegten Sicherheiten, ist noch unbekannt.
Bei einer LTV von 50 Prozent könnte ein Unternehmen mit Bitcoin im Wert von 100.000 Euro beispielsweise höchstens 50.000 Euro leihen.
Die Einführung dieser Kredite zeigt, dass Bitcoin zunehmend auch außerhalb des Kryptohandels genutzt wird.
Für Unternehmen mit großen BTC-Beständen kann das neue Angebot interessant sein. Sie können Liquidität für ihren Geschäftsbetrieb beschaffen, ohne ihre Bitcoin zu verkaufen.
Damit können sie weiterhin von möglichen Anstiegen des Bitcoin-Kurses profitieren, solange sie ihre Coins behalten.
Dem steht allerdings ein erhebliches Risiko gegenüber. Der Bitcoin-Kurs kann innerhalb kurzer Zeit stark fallen, wodurch die hinterlegten Sicherheiten deutlich an Wert verlieren.
Hinterlegt ein Unternehmen beispielsweise Bitcoin im Wert von 100.000 Euro und fällt der Kurs anschließend um 30 Prozent, sind die Sicherheiten nur noch 70.000 Euro wert. Die ausstehende Kreditsumme sinkt dadurch jedoch nicht.
Bei solchen Krediten können Banken zusätzliche Sicherheiten verlangen. In manchen Fällen können die hinterlegten Vermögenswerte auch verkauft werden, um weitere Verluste zu verhindern.
Ob die Jeonbuk Bank solche Bedingungen vorsieht, ist bislang nicht bekannt.
Unklar ist auch, ob andere südkoreanische Banken vergleichbare Angebote planen. Die Jeonbuk Bank richtet sich vorerst an Geschäftskunden. Hinweise darauf, dass auch Privatanleger die neuen Kredite nutzen können, gibt es bislang nicht.
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