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Die steigenden US-Zinsen belasten nahezu alle Aktienmärkte. Am Freitag traf es Hongkong jedoch besonders hart. Der Hang Seng verlor zeitweise fast 3 Prozent und verzeichnete damit den stärksten Rückgang seit März. Die HSBC-Aktie fiel sogar um fast 6 Prozent.

Das ist bemerkenswert, denn höhere Zinsen sind für Banken nicht grundsätzlich eine schlechte Nachricht.
Hongkong ist allerdings besonders anfällig. Das liegt vor allem an der Bindung des Hongkong-Dollars an den US-Dollar.
Der Hongkong-Dollar bewegt sich gegenüber dem US-Dollar innerhalb einer engen Bandbreite. Hongkong kann seine Zinsen deshalb nicht völlig unabhängig festlegen.
Steigen die US-Zinsen, verschärfen sich automatisch auch die Finanzierungsbedingungen in Hongkong – selbst wenn die lokale Wirtschaft eigentlich eine andere Zinspolitik bräuchte.
Genau das geschieht derzeit. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen erreichte am Donnerstag den höchsten Stand seit 2002. Für Hongkong bedeutet das höhere Finanzierungskosten, teurere Kredite und zusätzlichen Druck auf Immobilienpreise und Aktienbewertungen.
Theoretisch könnten Banken profitieren, weil höhere Zinsen ihre Zinsmargen vergrößern können. Wenn Anleger jedoch auf breiter Front Risiken meiden, rücken andere Faktoren in den Vordergrund.
Höhere Zinsen erhöhen auch das Risiko von Kreditausfällen. Unternehmen und private Haushalte müssen mehr für die Finanzierung ihrer Schulden aufbringen. Kreditnehmer mit schwacher Bonität geraten dadurch schneller in Schwierigkeiten.
Deshalb gerieten am Freitag gerade Finanzwerte stark unter Druck. HSBC verlor bis zu 5,7 Prozent, Standard Chartered rund 5 Prozent und der Versicherer AIA fast 6 Prozent.
Hinzu kommt ein zweites Problem: Die Börsen auf dem chinesischen Festland sind wegen der Feiertagswoche „Goldene Woche“ geschlossen und öffnen erst am 8. Oktober wieder.
Damit entfallen vorübergehend die üblichen Kapitalzuflüsse vom chinesischen Festland nach Hongkong. Diese sogenannten Southbound-Kapitalflüsse sorgen regelmäßig für erhebliche Nachfrage nach Hongkonger Aktien.
Ausgerechnet an einem Tag mit hohem Verkaufsdruck fehlt damit eine große Gruppe potenzieller Käufer. Das verstärkt die Kursverluste.
Auch das neue Konjunkturpaket aus Peking bot kaum Unterstützung. Anleger hatten auf umfangreichere Maßnahmen gehofft.
Chinesische Immobilienentwickler gerieten deshalb ebenfalls unter Druck. Gleichzeitig belasteten große Technologiekonzerne wie Alibaba und Tencent den Hang Seng zusätzlich.
In Hongkong treffen damit mehrere Belastungsfaktoren aufeinander. Durch die Dollarbindung wirken sich die hohen US-Zinsen nahezu unmittelbar auf den Finanzmarkt aus.
Zugleich reagiert die lokale Wirtschaft empfindlich auf Entwicklungen am Immobilien- und Kreditmarkt. Chinesische Anleger, deren Käufe die Verluste abfedern könnten, fehlen in dieser Woche vorübergehend.
Hongkong gehört damit derzeit zu den besonders anfälligen Märkten, wenn die US-Zinsen weiter steigen. Entscheidend wird deshalb der 8. Oktober, wenn Anleger vom chinesischen Festland wieder handeln können.
Kaufen sie in großem Umfang, könnte sich zeigen, dass die Verluste vom Freitag vor allem dem dünnen Feiertagshandel geschuldet waren. Bleiben ihre Käufe aus, könnte der Rückgang auf eine umfassendere Neubewertung der Risiken in Hongkong hindeuten.
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