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Der Silberpreis legt am Freitag kräftig zu. Nach einer turbulenten Phase mit erheblichen Verlusten kehrt der Optimismus allmählich zurück. Auch Gold profitiert von der besseren Stimmung an den Finanzmärkten. Experten erwarten für Silber allerdings einen deutlich stärkeren Preisanstieg als für Gold. Einer neuen Umfrage zufolge könnte Silber in den kommenden zwölf Monaten um mehr als fünfzig Prozent zulegen.
Der Silberpreis liegt am Freitagnachmittag bei 60,74 Dollar je Feinunze, die rund 31,1 Gramm entspricht. Damit hat das Edelmetall heute etwa 2,7 Prozent zugelegt.

Der Anstieg beschleunigte sich vor allem am Nachmittag. Gegen 13.00 Uhr notierte Silber noch bei rund 60,15 Dollar. Anschließend zog der Preis kräftig an und erreichte kurz vor 16.00 Uhr mehr als 61 Dollar.
Danach gab der Preis leicht nach. Einen Großteil der Gewinne konnte Silber jedoch halten.
Der Anstieg folgt auf eine schwierige Phase. Anfang Januar hatte Silber noch ein Rekordhoch von rund 120 Dollar erreicht. Seitdem hat sich der Preis nahezu halbiert.
In den vergangenen Monaten setzte der Krieg mit Iran das Edelmetall unter Druck. Steigende Energiepreise schürten Inflationssorgen, weshalb Anleger mit höheren Zinsen rechneten.
Das belastet in der Regel die Edelmetalle. Gold und Silber werfen keine Zinsen ab. Bei steigenden Zinsen gewinnen Anleihen deshalb an Attraktivität.
Im historischen Vergleich bleibt Silber dennoch relativ teuer. Der aktuelle Preis liegt weiterhin deutlich über dem Niveau von vor einigen Jahren.
Nicht nur Silber legt am Freitag deutlich zu. Auch Gold erholt sich von den Verlusten zu Wochenbeginn.
Der Goldpreis liegt am Freitagnachmittag bei 4.182 Dollar je Feinunze. Im Tagesverlauf hatte das Edelmetall einen Höchststand von rund 4.202 Dollar erreicht.

Laut der Nachrichtenagentur Reuters erreichte Gold damit den höchsten Stand seit einer Woche. Die Trendwende ist bemerkenswert: Noch am Mittwoch war der Goldpreis auf ein Zweimonatstief gefallen.
Der wichtigste Auslöser für die Erholung ist der sinkende Ölpreis.
US-Präsident Donald Trump erklärte, die Vereinigten Staaten würden Iran vor den US-Zwischenwahlen im kommenden Monat nicht angreifen. Dadurch ließen die Sorgen über mögliche Störungen der Ölversorgung nach.
Niedrigere Ölpreise können den Inflationsdruck verringern. Damit sinkt aus Sicht der Anleger das Risiko kräftiger Zinserhöhungen.
Auch die Renditen US-amerikanischer Staatsanleihen gingen zurück. Am Mittwoch hatten sie noch den höchsten Stand seit mehr als zwanzig Jahren erreicht.
Die Risiken für Gold und Silber bestehen allerdings weiter.
Alberto Musalem, Vertreter der US-Notenbank, warnte am Donnerstag, weitere Zinserhöhungen seien nötig, um die Inflation auf den Zielwert von zwei Prozent zurückzuführen.
Laut dem CME FedWatch Tool liegt die vom Markt eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung bei der Sitzung Ende Oktober derzeit bei 19,4 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Federal Reserve die Zinsen unverändert lässt, beträgt 80,6 Prozent.

In der kommenden Woche werden zudem neue US-Inflationsdaten veröffentlicht. Sie könnten erneut kräftige Kursbewegungen auslösen.
Trotz der deutlichen Korrektur in den vergangenen Monaten bleiben Experten für Silber bemerkenswert zuversichtlich.
Auf der jährlichen Konferenz der London Bullion Market Association (LBMA) wurden Marktteilnehmer zu ihren Erwartungen für die kommenden zwölf Monate befragt.
Der Umfrage zufolge rechnen sie mit einem Silberpreis von rund 95 bis 97 Dollar je Feinunze. Gegenüber dem aktuellen Niveau entspräche das einem Anstieg von mehr als fünfzig Prozent.
Auch für Gold fallen die Erwartungen positiv aus, allerdings weniger ausgeprägt. Die befragten Experten rechnen mit einem Goldpreis von rund 5.000 bis 5.100 Dollar. Das entspräche einem möglichen Anstieg von etwa zwanzig Prozent.
Die Zuversicht für Silber hat mehrere Gründe.
Eine wichtige Rolle spielt die industrielle Nachfrage. Mittlerweile entfällt mehr als die Hälfte des weltweiten Silberverbrauchs auf industrielle Anwendungen.
Vor allem für Solarmodule wird viel Silber benötigt. Daneben kommt das Edelmetall in Elektrofahrzeugen, Elektronik und Technologien für künstliche Intelligenz zum Einsatz.
Gleichzeitig bleibt das Angebot hinter der Nachfrage zurück. Nach Einschätzung von Marktanalysten dürfte der weltweite Silberverbrauch im sechsten Jahr in Folge die Produktion übersteigen.
Dieses Defizit lässt sich nur schwer beheben. Ein großer Teil des Silbers fällt als Nebenprodukt bei der Förderung anderer Metalle wie Kupfer, Gold und Zink an. Bergbauunternehmen können die Silberproduktion bei steigenden Preisen deshalb nicht ohne Weiteres erhöhen.
Ein wesentlicher Unterschied zu Gold bleibt jedoch.
Zentralbanken kaufen weltweit große Mengen Gold, um ihre Reserven zu diversifizieren. Bei Silber spielt diese Nachfrage kaum eine Rolle.
Nach Einschätzung von Tony Kim, dem globalen Leiter des Metallhandels bei Goldman Sachs, wird der Silberpreis deshalb stärker von Privatanlegern beeinflusst.
Da der Silbermarkt relativ klein ist, können Nachfrageänderungen erhebliche Kursbewegungen auslösen. Das zeigte sich Anfang des Jahres, als der Preis innerhalb kurzer Zeit auf fast 120 Dollar stieg.
Die Erwartungen der LBMA-Teilnehmer bieten daher keine Gewähr für einen erneuten Anstieg. Die bevorstehenden US-Inflationsdaten und die Zinspolitik der Federal Reserve bleiben wichtige Einflussfaktoren für Gold und Silber.
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