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Ein britischer Krypto-Investor ist in seinem eigenen Haus mit Messern bedroht und um Kryptowährungen im Wert von mehreren Hunderttausend Dollar beraubt worden. Die Täter fesselten ihn und zwangen ihn, seine Wallets zu öffnen. Das Cybersicherheitsunternehmen Hudson Rock vermutet einen möglichen Zusammenhang mit einem größeren Datenleck bei Revolut. Dabei sollen sensible Daten vermögender Kunden in die Hände von Kriminellen gelangt sein.

Krypto-Investor mit Messern bedroht und ausgeraubt

Der britische Investor berichtete selbst in einem Beitrag auf X über den Überfall. Nach seinen Angaben drangen mehrere Männer in sein Haus ein. Sie bedrohten ihn mit Messern, fesselten ihn mit Klebeband und zwangen ihn, ihnen Zugang zu seinen Kryptowährungen zu verschaffen.

Die Täter sollen ihm dabei drei Messer ans Gesicht gehalten und gedroht haben, ihn zu töten.

Unter dieser Drohung gewährte das Opfer Zugang zu seinen digitalen Geldbörsen, den sogenannten Wallets. Damit können Anleger Kryptowährungen wie Bitcoin (BTC) aufbewahren und verwalten.

Nach Angaben des Investors erbeuteten die Kriminellen rund 40.000 Dollar aus seinen hauptsächlich genutzten Wallets. Weitere 720.000 Dollar stahlen sie aus einer Hardware-Wallet.

Ein solches Gerät sichert den Zugang zu Kryptowährungen zusätzlich ab. Es bietet jedoch keinen Schutz, wenn Kriminelle den Besitzer mit Gewalt zum Entsperren zwingen.

Neben den Kryptowährungen erbeuteten die Räuber eine wertvolle Rolex-Uhr. Auch sein Mobiltelefon stahlen sie und zerstörten es anschließend.

Der Gesamtschaden einschließlich der übrigen gestohlenen Wertgegenstände wird auf rund 800.000 Dollar geschätzt.

Nach dem Überfall bestätigte das Opfer, Kunde bei Revolut zu sein. Andere Nutzer auf X wiesen ihn darauf hin, dass seine persönlichen Daten möglicherweise in einem Datensatz enthalten waren, der nach einem kürzlich bekannt gewordenen Datenleck zum Verkauf angeboten worden sein soll.

Revolut-Datenleck könnte Kriminelle zu vermögenden Krypto-Anlegern führen

Das Cybersicherheitsunternehmen Hudson Rock wies am 13. Oktober auf einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Überfall und einem Datenleck bei Revolut hin.

Nach Einschätzung der Sicherheitsforscher könnten die gestohlenen Daten Kriminellen helfen, vermögende Krypto-Investoren zu identifizieren. Dabei geht es möglicherweise nicht nur um Namen und Wohnadressen, sondern auch um Finanzinformationen.

Das macht die Lage besonders gefährlich. Wissen Kriminelle, wo jemand wohnt und wie groß dessen Krypto-Vermögen möglicherweise ist, können sie gezielt Opfer auswählen.

Hudson Rock warnt, dass sich mit solchen Daten Listen potenzieller Opfer für Erpressungen und gewaltsame Überfälle erstellen lassen.

Ob die Täter bei diesem Überfall tatsächlich gestohlene Revolut-Daten nutzten, ist nicht bewiesen. Auch wurde nicht unabhängig bestätigt, dass die Daten des Opfers in dem betreffenden Datensatz enthalten waren.

Das mögliche Datenleck wurde im September gemeldet. Den vorliegenden Angaben zufolge sollen Cyberkriminelle Revolut getäuscht haben, indem sie sich als italienische Behörde ausgaben.

Dafür sollen die Angreifer das gehackte E-Mail-Konto eines italienischen Behördenmitarbeiters genutzt haben. Über dieses Konto verschickten sie gefälschte Europäische Ermittlungsanordnungen.

Mit solchen amtlichen Dokumenten können Behörden Informationen für strafrechtliche Ermittlungen anfordern. Die Kriminellen sollen dieses Verfahren missbraucht haben, um personenbezogene Daten zu bestimmten Kryptotransaktionen abzufragen.

Nach Angaben einer Person, die behauptet, hinter dem Angriff zu stecken, dauerte die Aktion etwa sechs Monate. In diesem Zeitraum sollen wiederholt Anfragen gestellt worden sein.

Revolut-Mitarbeiter sollen die Dokumente für echt gehalten und schließlich Hunderte Dateien mit vertraulichen Kundeninformationen herausgegeben haben.

Die Daten sollen vor allem Kunden mit erheblichen Krypto-Vermögen oder Konten mit hohen Transaktionsvolumina betroffen haben.

Hacker sollen drei Millionen Dollar von Revolut gefordert haben

Nach dem mutmaßlichen Datendiebstahl sollen die Angreifer Revolut erpresst und drei Millionen Dollar Lösegeld gefordert haben.

Für den Fall, dass das Unternehmen nicht zahle, drohten sie mit dem Verkauf der gestohlenen Kundeninformationen. Auch einzelnen Betroffenen soll angeboten worden sein, ihre Daten gegen Zahlung aus dem zum Verkauf stehenden Datensatz löschen zu lassen.

Bei den erbeuteten Informationen soll es sich unter anderem um sogenannte Know-Your-Customer-Daten (KYC) handeln. Diese erheben Finanzinstitute, um die Identität ihrer Kunden zu prüfen.

Dazu zählen etwa Namen, Adressen und Ausweisdokumente. Werden diese Informationen mit Daten zu Kryptotransaktionen verknüpft, könnten Kriminelle ermitteln, wer über ein erhebliches Vermögen verfügt.

Daraus ergeben sich Risiken, die über Identitätsbetrug oder das Leerräumen eines Bankkontos hinausgehen.

Besonders gefährdet können Besitzer großer Krypto-Vermögen sein. Ihre digitalen Bestände sind mitunter gut gegen Hacker abgesichert. Gegen körperliche Gewalt bietet diese Absicherung jedoch nur begrenzten Schutz.

Der Überfall in Großbritannien zeigt, wie solche Angriffe ablaufen können. Selbst eine Hardware-Wallet, die gerade der sicheren Verwahrung von Kryptowährungen dienen soll, konnte nach Angaben des Opfers nicht verhindern, dass die Täter Zugriff auf sein Vermögen erhielten.

Ob die Räuber ihr Opfer über das mutmaßliche Revolut-Datenleck ausfindig gemacht haben, bleibt unklar. Ein unabhängig bestätigter Zusammenhang liegt bislang nicht vor.

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