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Der Ölpreis ist in den vergangenen zwei Tagen deutlich gefallen, nachdem Saudi-Arabien angekündigt hat, eine beschädigte Pipeline teilweise wieder in Betrieb nehmen zu wollen. Die Sorge vor noch größeren Engpässen lässt damit etwas nach. Gelöst sind die Probleme damit aber noch lange nicht.
Der Preis für Brent-Öl, die internationale Referenzsorte für Rohöl, liegt derzeit knapp unter 102 Dollar je Barrel. Das sind 6,30 Prozent weniger als zwei Tage zuvor. Die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) gab um knapp 6 Prozent nach.

Dennoch bewegt sich der Preis weiter in der Nähe des Hochs, das rund anderthalb Monate nach den ersten Angriffen der USA und Israels auf Iran erreicht wurde. Zu Beginn des Sommers war der gesamte Anstieg wieder abgegeben worden, nachdem Iran und die USA eine vorläufige Einigung erzielt hatten.
Die Straße von Hormus wurde wieder geöffnet, doch der Chart zeigt klar, dass die Lage erneut eskaliert ist. Das war einer der Gründe, weshalb die Federal Reserve (Fed) gestern erstmals seit drei Jahren die Zinsen anhob. Vor dem Konflikt hatte der Markt noch mit mehreren Zinssenkungen in diesem Jahr gerechnet.
Mit einer schnellen Lösung kann der Markt nicht rechnen. US-Präsident Donald Trump sagte Ende August, er habe es mit neuen Gesprächen nicht eilig. Iran hält die Straße von Hormus geschlossen, solange die USA ihre Seeblockade iranischer Häfen nicht aufheben. Trump wiederum will Iran mit wirtschaftlichem Druck in die Knie zwingen.
Der Rückgang des Ölpreises hängt vor allem mit der Ost-West-Pipeline zusammen, die Öl quer durch Saudi-Arabien ans Rote Meer transportiert.
Nach Drohnenangriffen ist die Leitung seit vergangener Woche außer Betrieb. Das Land will innerhalb weniger Tage etwa die Hälfte der Kapazität wiederherstellen.
Die Pipeline kann rund 7 Millionen Barrel pro Tag befördern. Eine Wiederinbetriebnahme zur Hälfte entspräche also etwa 3,5 Millionen Barrel täglich, die nicht durch die Straße von Hormus müssen, jene Meerenge, um die die USA und Iran ringen.
Zudem verkauft Saudi-Arabien zusätzliches Öl an asiatische Raffinerien, die die Ladungen unmittelbar außerhalb dieser Meerenge übernehmen.
Am Donnerstag erhielt der Ölpreis weiteren Druck nach unten. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, China habe Iran gebeten, dabei zu helfen, die Huthi-Rebellen im Jemen zu bremsen.
Unterdessen rücken die Huthi in Richtung Bab al-Mandab vor, der schmalen Meerenge am südlichen Ende des Roten Meeres. Öl, das von der saudischen Küste nach Asien verschifft wird, muss dort hindurch.
Große Reserven gibt es ebenfalls nicht: Die Ölvorräte der reichen Industrieländer liegen nach Angaben der US-Energiebehörde Energy Information Administration (EIA) auf dem niedrigsten Stand seit Jahrzehnten.
Am kommenden Dienstag berät Präsident Donald Trump am Rande der Generalversammlung der Vereinten Nationen mit führenden Politikern aus dem Persischen Golf über den weiteren Verlauf des Krieges. Das berichtet das Nachrichtenportal Axios unter Berufung auf informierte Kreise.
Arne Lohmann Rasmussen, Chefanalyst bei Global Risk Management in Kopenhagen, sieht im niedrigeren Ölpreis eine Chance. „Wir betrachten den Rückgang bei Rohöl und raffinierten Produkten als Kaufgelegenheit“, sagt er.
Zugleich betont er, dass die Gefahr bestehen bleibt: „Die Preise sind gefallen, doch die grundlegenden Angebotsrisiken sind nicht verschwunden.“
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