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Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte in der kommenden Woche erneut die Zinsen erhöhen. Ökonomen rechnen mit einem Schritt um 0,25 Prozentpunkte, womit der Einlagezins auf 2,5 Prozent steigen würde. Danach dürfte die Notenbank aus ihrer Sicht vorerst am Ende des Zinserhöhungszyklus stehen.

Auffällig ist, dass die Finanzmärkte die Lage deutlich anders einschätzen. Händler preisen derzeit rund drei weitere Zinserhöhungen bis zur Mitte des kommenden Jahres ein. Steigende Öl- und Gaspreise infolge des Kriegs im Nahen Osten sorgen für Unsicherheit über die Inflation und damit über den künftigen Kurs der Geldpolitik.

Ökonomen erwarten letzte Zinserhöhung der EZB

Eine klare Mehrheit der von Bloomberg befragten Ökonomen erwartet, dass die EZB den Leitzins am kommenden Donnerstag um 0,25 Prozentpunkte anhebt. Der Einlagezins läge damit bei 2,5 Prozent. Nach Einschätzung der meisten Ökonomen bleibt der Zins anschließend bis einschließlich 2027 auf diesem Niveau.

Das steht im deutlichen Gegensatz zu den Erwartungen an den Finanzmärkten. Händler rechnen vielmehr mit etwa drei weiteren Zinsschritten bis zur Mitte des kommenden Jahres.

Die EZB steht damit vor einer schwierigen Abwägung. Die Inflation liegt auf dem höchsten Stand seit drei Jahren, während die Energiepreise wieder kräftig steigen. Zugleich sehen die befragten Ökonomen kaum Anzeichen dafür, dass Unternehmen und Verbraucher sich auf dauerhaft höhere Inflation einstellen. Auch die Sorge, dass höhere Preise etwa auf die Löhne durchschlagen, hält sich bislang in Grenzen.

„Die EZB dürfte eine Anhebung um 25 Basispunkte als notwendigen Schritt darstellen“, sagt Ken Egan von Kroll Bond Rating Agency Europe.

Er erwartet allerdings nicht, dass die Notenbank unmittelbar eine weitere Erhöhung in Aussicht stellt. Wahrscheinlich werde die EZB vielmehr betonen, dass künftige Zinsentscheidungen von neuen Konjunkturdaten abhängen, darunter Inflation und Lohnentwicklung.

Innerhalb der Notenbank gehen die Einschätzungen derweil auseinander. EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel warnt, sogenannte Zweitrundeneffekte frühzeitig zu verhindern. Gemeint ist damit, dass höhere Preise zu höheren Löhnen führen und Unternehmen anschließend ihre Preise erneut anheben.

Andere Währungshüter äußern sich bereits deutlicher zur Notwendigkeit weiterer Zinserhöhungen. Der litauische Notenbankchef Gediminas Simkus hält einen einzelnen Schritt für „nicht ausreichend“. Auch sein bulgarischer Kollege Dimitar Radev lässt sich alle Optionen offen und sieht sowohl September als auch Dezember als mögliche Zeitpunkte für eine weitere Anhebung.

Ölpreis nahe 100 Dollar erhöht Inflationsrisiko

Die größte Unsicherheit geht derzeit vom Nahen Osten aus. Die Vereinigten Staaten und Iran geraten rund um die Straße von Hormus erneut militärisch aneinander, eine Schlüsselroute für den globalen Energiehandel.

Der Brent-Preis bewegt sich deshalb wieder in Richtung 100 Dollar je Barrel. Auch der europäische Gaspreis ist stark gestiegen und liegt auf Niveaus, die zuletzt 2023 erreicht wurden.

Für die EZB macht das die Lage komplizierter. Ein vorübergehender Anstieg der Energiepreise muss nicht zwangsläufig zu zusätzlichen Zinserhöhungen führen. Problematischer wird es, wenn Öl und Gas über längere Zeit teuer bleiben und höhere Kosten auf andere Bereiche der Wirtschaft übergreifen.

„Die Straße von Hormus ist zum entscheidenden Faktor für die künftigen Entscheidungen der EZB geworden“, sagt Dennis Shen, Dozent an der International School of Management der TU Berlin.

Aus seiner Sicht kann die Notenbank einen vorübergehenden Energieschock weitgehend ausblenden. Schwierig werde es jedoch, wenn die Störung länger anhält und ein breiteres Inflationsproblem auslöst.

Europas Wirtschaft bleibt vorerst robust

Eine weitere Zinserhöhung würde die Finanzierungskosten für private Haushalte und Unternehmen weiter steigen lassen. Bei einem Einlagezins von 2,5 Prozent würde die Geldpolitik nach Einschätzung von mehr als drei Vierteln der befragten Ökonomen bereits leicht bremsend auf die Wirtschaft wirken.

Bislang zeigt sich die europäische Wirtschaft jedoch widerstandsfähiger als erwartet. Das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal fiel höher aus als prognostiziert, und aktuelle Unternehmensumfragen deuten weiterhin auf eine solide Aktivität hin.

Ökonomen erwarten daher, dass die EZB ihre Wachstumsprognose für 2026 nach oben anpasst. Die mittelfristigen Aussichten und die Inflationserwartungen dürften weitgehend unverändert bleiben.

Viel hängt letztlich von den Energiepreisen ab. Solange der Inflationsschock aus dem Nahen Osten vorübergehend bleibt, sehen Ökonomen wenig Anlass für eine längere Serie von Zinserhöhungen. Bleiben Öl und Gas jedoch dauerhaft teuer, könnte das Szenario, auf das die Finanzmärkte derzeit setzen, doch näher rücken.

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