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Fast vier Jahre nach dem Zusammenbruch der Kryptobörse FTX widmet Netflix einem der größten Betrugsfälle der Geschichte eine eigene Serie. Gestern erschien der erste Trailer. Er erzählt den Milliardenbetrug aus einer ungewöhnlichen Perspektive: als Liebesgeschichte. In der Kryptobranche stößt das auf heftige Kritik.
Seit Mai 2025 ist bekannt, dass Netflix eine Serie über FTX produziert. Nun gibt es die ersten Bilder. Am 19. November veröffentlicht der Streaminganbieter alle acht Folgen von The Altruists auf einmal.
Anthony Boyle spielt FTX-Gründer Sam Bankman-Fried (SBF), Julia Garner übernimmt die Rolle von Caroline Ellison. Sie leitete damals Alameda Research, das eng mit FTX verflochtene Handelshaus.
Die Serie zeigt die beiden als ehrgeizige Mittzwanziger, die gemeinsam ein Kryptoimperium aufbauen. Ihre Beziehung und ihre geschäftlichen Pläne verflechten sich dabei immer stärker.
Der Trailer zeichnet ihren rasanten Aufstieg nach: von der gemeinsamen Begeisterung für Mathematik bis zum Luxusleben auf den Bahamas – und einem Fehlbetrag von 8 Milliarden Dollar an Kundengeldern.
Auch ihre Risikobereitschaft wird thematisiert. Eine der Figuren bezeichnet es als mathematisch optimale Strategie, jedes Mal alles zu setzen. Das entspricht den riskanten Spekulationen, die Alameda mit Kundengeldern einging.
Netflix selbst bezeichnet das Duo als „Bonnie und Clyde der Generation Z“. Auf seiner Nachrichtenwebsite Tudum beschreibt der Streaminganbieter die Serie als toxische Liebesgeschichte, die auf einem realen Betrugsfall beruht.
Im Trailer rechtfertigt Garner in der Rolle von Ellison Lügen, solange sie einem guten Zweck dienen. Das klingt nach einer zugespitzten Drehbuchzeile, kommt Ellisons Aussage unter Eid aber nahe.
Ellison sagte 2023 aus, Bankman-Fried habe Verbote von Lügen und Diebstahl im Rahmen des effektiven Altruismus nicht immer für bindend gehalten. Diese Philosophie zielt darauf ab, möglichst viel Gutes zu bewirken – auch indem man reich wird und sein Geld spendet.
Serienschöpfer Graham Moore, der für das Drehbuch zu The Imitation Game einen Oscar gewann, sieht die beiden deshalb nicht als gewöhnliche Betrüger. Aus seiner Sicht begann alles mit einer kleinen Lüge, deren Folgen zunehmend außer Kontrolle gerieten.
Moore sagte gegenüber Tudum, er sei überzeugt, dass Sam und Caroline von Anfang an zutiefst dem Altruismus verpflichtet gewesen seien. Co-Showrunnerin Jacqueline Hoyt ergänzte, die beiden hätten das System herausfordern wollen.
Barack und Michelle Obama sind über ihre Produktionsfirma Higher Ground an der Serie beteiligt. Sie basiert auf Recherchen des New York Magazine.
Auf der Social-Media-Plattform X, auf der viele Kryptoanleger aktiv sind, stößt die FTX-Serie auf wenig Verständnis. Viele Nutzer aus der Kryptobranche finden die Schauspieler für ihre Rollen zu attraktiv und kritisieren, dass die Darstellung nicht den tatsächlichen Ereignissen entspreche.
Im November 2022 ging FTX innerhalb weniger Tage pleite, nachdem Kunden in großem Umfang ihr Geld abziehen wollten. Dabei wurde bekannt, dass Bankman-Fried Kundengelder heimlich an Alameda weitergeleitet hatte.
Dort floss das Geld in Investitionen, politische Spenden und Immobilien. Nach Angaben des US-Justizministeriums stahl Bankman-Fried auf diese Weise mehr als 8 Milliarden Dollar von Kunden.
Eine Jury sprach Bankman-Fried 2023 in sieben Anklagepunkten schuldig. Anschließend wurde er zu 25 Jahren Haft verurteilt. Ellison kooperierte mit der Justiz, sagte gegen ihren Ex-Freund aus und kam im Januar nach 14 Monaten frei.
Die Geschädigten haben inzwischen Rückzahlungen erhalten. Nach fünf Auszahlungsrunden bekamen die Kunden rund 105 Prozent ihrer Forderungen zurück, ausgezahlt in Dollar. Das klingt großzügig, doch FTX legte die Kurse vom November 2022 zugrunde. Die Kunden sind dadurch erheblich benachteiligt.
Nach Angaben der US-Gefängnisbehörde bleibt Bankman-Fried bis Ende 2043 in Haft. Er beantragt beim Obersten Gerichtshof eine Überprüfung seines Falls und hofft auf eine Begnadigung durch Präsident Donald Trump.
Für viele Anleger war die FTX-Pleite eine bittere Lehre: Guthaben auf einer Börse ist nicht dasselbe wie Guthaben in einer eigenen Wallet. Seitdem verwahren immer mehr Menschen ihre Kryptowährungen selbst.
Der Zusammenbruch hat auch Verbesserungen angestoßen. Börsen legen inzwischen ihre Reserven offen, um das Vertrauen der Nutzer zu gewinnen. Zudem kontrollieren die Aufsichtsbehörden strenger, um einen weiteren Fall wie FTX zu verhindern.
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