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Die Wall Street zeigt sich weitgehend unbeeindruckt von den immer weiter steigenden Anleiherenditen. Der Nasdaq Composite legte am Montag um rund 1 Prozent auf ein neues Rekordhoch zu, während der S&P 500 um 0,7 Prozent stieg. Besonders kräftige Kursanstiege verzeichneten erneut Aktien von Unternehmen, die von den Investitionen in künstliche Intelligenz profitieren.

SpaceX legte um mehr als 7 Prozent zu, Nvidia und Tesla gewannen jeweils mehr als 2 Prozent. Auch Meta und Microsoft schlossen deutlich im Plus. Gleichzeitig mehren sich am US-Anleihemarkt die Anzeichen für Spannungen.
Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen liegt heute Morgen bei rund 5,32 Prozent und erreichte erneut ein Niveau, das zuletzt 2002 verzeichnet wurde. Bei 30-jährigen Anleihen stieg die Rendite sogar in Richtung 5,7 Prozent – ebenfalls der höchste Stand seit 24 Jahren.

Normalerweise belasten solche Renditen Wachstumsaktien erheblich. Höhere Zinsen verringern den heutigen Wert künftiger Gewinne. Zudem werden Staatsanleihen mit solchen Renditen als Alternative zu Aktien zunehmend attraktiver.
Dennoch steigen vor allem Technologiewerte weiter. Das zeigt, wie groß das Vertrauen der Anleger in das Gewinnwachstum durch KI derzeit ist.
Auffällig ist, dass die hohen langfristigen Renditen offenbar immer weniger allein auf die Geldpolitik der US-Notenbank zurückzuführen sind. Nach dem schwachen Arbeitsmarktbericht vom Freitag schätzen Anleger die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinserhöhung im Oktober geringer ein.
Die Renditen zehn- und 30-jähriger Staatsanleihen bleiben jedoch hoch. Nach Einschätzung von BMO rückt damit ein anderes Problem stärker in den Vordergrund: die Sorge über die Staatsverschuldung und enorme Haushaltsdefizite.
Das betrifft nicht nur die USA. Auch Anleihen in Frankreich, Japan und Großbritannien stehen unter Druck. Die Rendite zehnjähriger japanischer Staatsanleihen bewegt sich inzwischen nahe dem höchsten Stand seit 1996.

Zunehmend stellt sich die Frage, in welchem Umfang Anleger zu den aktuellen Preisen noch bereit sind, weitere Staatsanleihen aufzunehmen.
Hinzu kommt der Ölpreis. Brent verbilligte sich am Montag um fast 2 Prozent, kostet aber weiterhin rund 100 Dollar je Barrel. Saudi-Aramco-Chef Amin Nasser warnte zudem, dass es bis zu zwei Jahre dauern könnte, bis die weltweiten Ölbestände wieder vollständig aufgefüllt sind.
Der geopolitische Risikoaufschlag dürfte damit vorerst bestehen bleiben. Ein dauerhaft hoher Ölpreis erschwert es den Zentralbanken, die Inflation vollständig unter Kontrolle zu bringen, und könnte so auch die Anleiherenditen auf hohem Niveau halten.
Am Mittwoch wird das Protokoll der Zinssitzung vom September veröffentlicht. Anleger erhoffen sich daraus mehr Klarheit darüber, warum die US-Notenbank den Leitzins angehoben hat und wie groß die Unterstützung für weitere Zinsschritte ist.
Am Aktienmarkt ergibt sich damit eine ungewöhnliche Konstellation: Der Nasdaq notiert auf Rekordniveau, KI-Aktien steigen weiter, und gleichzeitig bieten US-Staatsanleihen Renditen, die seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht mehr zu sehen waren.
Bislang überwiegt das Gewinnwachstum die Belastung durch hohe Zinsen. Je länger die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen jedoch über 5 Prozent bleibt, desto schwieriger wird es, diese Belastung auszugleichen.
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