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Die LVMH-Aktie ist am Dienstag so stark gefallen, dass der Konzern hinter Louis Vuitton aus den Top Ten der wertvollsten börsennotierten Unternehmen Europas rutscht. Der Luxusriese zahlt den Preis für die eingebrochene Nachfrage in China.

Ausgerechnet die profitabelste Marke des Konzerns gerät dabei unter Druck – wegen eines Rechtsstreits, den sie gewonnen hat.

L’Oréal verdrängt LVMH aus Europas Top Ten

Die Aktie verlor am Dienstag 2,5 Prozent, die Marktkapitalisierung sank auf rund 201 Milliarden Euro. Damit ist L’Oréal nun das wertvollste Unternehmen Frankreichs, während LVMH erstmals seit 2017 nicht mehr zu den zehn größten Börsenwerten Europas zählt.

2023 war LVMH noch Europas größter Konzern, der Aktienkurs lag damals bei gut 900 Euro. Seitdem hat der Titel rund 55 Prozent eingebüßt, was etwa 250 Milliarden Euro an Börsenwert entspricht.

LVMH fällt aus Europas Top 10

Das ist mehr, als der Konzern aktuell insgesamt wert ist. Allein in diesem Jahr fiel die Aktie um rund 37 Prozent und notiert wieder auf dem Niveau der Corona-Krise.

Der Kurs der LVHM-Aktie seit 2017.
Der Kurs der LVHM-Aktie seit 2017. – Quelle: TradingView/Newsbit

Vincent Juvyns, Chefanlagestratege von ING in Brüssel, sieht darin ein Signal, das über LVMH hinausreicht. „Wer behauptet, Europa sei zurück, liegt falsch. Europa ist nicht zurück. LVMH zeigt, dass der wichtigste Wachstumsmotor, der Luxus, nicht mehr funktioniert“, sagt er.

Zwei Faktoren bremsen die Luxusnachfrage

Der größte Druck kommt aus China. Die Mittelschicht gibt wegen der wirtschaftlichen Schwäche schon länger weniger aus, inzwischen halten sich auch die wohlhabendsten Käufer zurück.

Peking nimmt Vermögen ins Visier, das Chinesen im Ausland halten. Auf dortige Anlagen und Gewinne werden nun Steuern fällig, Auslandsinvestitionen werden strenger kontrolliert.

Das trifft genau die Kundschaft, die Luxusgüter kauft. Der Umsatz der 25 größten Luxusmarken in China fiel im Juli um mehr als 10 Prozent.

Hinzu kam im März der Krieg mit Iran, der auch die Golfstaaten belastet. Gerade diese Region war für Luxusmarken zuletzt der am schnellsten wachsende Markt.

Dubais Einkaufszentren leben von Touristen, doch viele bleiben aus. Auch wohlhabende Bewohner der Golfstaaten reisen seltener nach Paris, London und Mailand, um dort einzukaufen.

In diesem Sommer entschied ein chinesisches Gericht, dass die Teekette Molly Tea die vierblättrige Blüte aus dem bekannten LV-Muster nachgeahmt hatte.

In chinesischen Online-Netzwerken gilt das Motiv vielen als jahrhundertealtes chinesisches Kulturgut; die Stimmung kippte gegen das französische Modehaus. Juristisch gewann Louis Vuitton, wirtschaftlich wurde der Fall zum Rückschlag.

Das Analysehaus JL Warren Capital schätzt, dass der China-Umsatz der Marke im Juli um rund 30 Prozent und im August um 20 bis 25 Prozent zurückging.

LVMH-Aktie wirkt günstig, ist aber kein Schnäppchen

HSBC stufte LVMH und die britische Burberry am vergangenen Mittwoch von Kaufen auf Halten herab. Das Kursziel für LVMH senkte die Bank von 600 auf 490 Euro.

Ein Korb von Luxusaktien der Investmentbank Goldman Sachs liegt in diesem Jahr 13 Prozent im Minus. LVMH wird zum niedrigsten Kurs-Gewinn-Verhältnis seit zehn Jahren gehandelt, also zu dem Vielfachen des Jahresgewinns, das Anleger für die Aktie zahlen.

Das wirkt wie ein Schnäppchen, doch HSBC-Analystin Anne-Laure Bismuth warnt vor dieser Schlussfolgerung.

„Anleger sollten eine Aktie nicht kaufen, nur weil sie gemessen an der Bewertung günstig aussieht oder die Margen steigen. Entscheidend ist, ob sich die zweite Ableitung des Umsatzwachstums verbessert“, schrieb sie. Diese zweite Ableitung zeigt, ob sich das Wachstum beschleunigt.

Nach Einschätzung von HSBC spricht derzeit eher vieles für eine Verlangsamung, ausgelöst durch die schwächere Nachfrage in China und ein geringeres Verkaufstempo in Südkorea und Nordamerika. Für den Schmuckkonzern Richemont, Eigentümer von Cartier, hält die Bank dagegen an der Kaufempfehlung fest.

Im Oktober veröffentlicht LVMH die Umsatzzahlen für das dritte Quartal. Erst wenn sich darin wieder eine Beschleunigung zeigt, erfüllt die Aktie Bismuths Maßstab.

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