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Leopold Aschenbrenner galt lange als eines der größten KI-Talente im Silicon Valley. Der frühere OpenAI-Forscher baute einen Hedgefonds binnen etwas mehr als eines Jahres auf ein verwaltetes Vermögen von rund 45 Milliarden Dollar aus. Doch der spektakuläre Aufstieg endete in dieser Woche mit einem ebenso spektakulären Absturz, nachdem sein Fonds durch stark gehebelte Positionen in den Ausverkauf von KI-Aktien geraten war.
Während Gäste zu seiner Hochzeit in Kalifornien eintrafen, musste Aschenbrenner einen großen Teil seines Aktienportfolios verkaufen, um Nachschussforderungen der Banken zu bedienen. Damit wurde er binnen kurzer Zeit zu einem der prominentesten Opfer der abkühlenden KI-Euphorie.
Der 24-jährige Aschenbrenner hatte zuvor bei OpenAI zur KI-Sicherheit geforscht. Nachdem er 2024 wegen der Weitergabe vertraulicher Informationen entlassen worden war, veröffentlichte er den 165 Seiten umfassenden Essay „Situational Awareness“. Darin prognostizierte er, dass sich künstliche Intelligenz deutlich schneller entwickeln werde, als die meisten erwarteten.
Der Bericht verbreitete sich im Silicon Valley rasant. Investoren sahen in ihm einen Visionär und stellten Hunderte Millionen Dollar für seinen neuen Hedgefonds bereit, der denselben Namen trug wie sein Essay.
Zu den Investoren zählten unter anderem die Stripe-Gründer Patrick und John Collison, KI-Manager von Meta und weitere prominente Namen aus der Technologiebranche. Der Fonds wuchs rasant. Nach früheren Berichten erzielte er seit seiner Auflegung Renditen von mehr als 1.000 Prozent, wodurch das verwaltete Vermögen auf rund 45 Milliarden Dollar stieg.
Die Strategie von Situational Awareness beruhte auf großen, konzentrierten Positionen in KI-Unternehmen wie Chipherstellern, Softwarefirmen und Infrastrukturanbietern. Um die Renditen weiter zu erhöhen, nahm der Fonds in großem Umfang Kredite bei Banken auf. Nach Angaben von mit der Sache vertrauten Personen setzte er zeitweise für jeden eigenen Dollar vier Dollar Fremdkapital ein.
Das funktionierte, solange KI-Aktien weiter stiegen. Als die Stimmung in diesem Monat wegen Sorgen über günstigere chinesische KI-Modelle und fallende Chipwerte kippte, wurde der Hebel jedoch zu einem erheblichen Risiko.
Banken verlangten über Margin Calls zusätzliche Sicherheiten, sodass der Fonds Aktien verkaufen musste. Diese Verkäufe setzten die Kurse weiter unter Druck und lösten neue Verluste aus. Gegenüber Investoren beschrieb Aschenbrenner die Lage als Dynamik wie bei einem Bank Run, bei der jeder Verkauf die Verwundbarkeit weiter erhöhte.
Am Ende verlor der Fonds innerhalb eines Monats 67 Prozent.
Um handlungsfähig zu bleiben, führte Aschenbrenner tagelang Gespräche mit mehreren großen Hedgefonds. Am Ende erzielte er eine Vereinbarung mit Citadel, dem Milliardenfonds von Ken Griffin.
Citadel übernahm den Großteil der börsennotierten Aktien zu einem Abschlag von mehr als zehn Prozent auf den Marktwert. Dadurch erhielt Aschenbrenner sofort ausreichend Liquidität, um seine Schulden zurückzuführen und weitere Zwangsverkäufe zu verhindern.
Nach dem Verkauf bleibt ein deutlich kleinerer Fonds zurück, der vor allem Beteiligungen an nicht börsennotierten KI-Unternehmen hält, darunter eine Milliardenbeteiligung an Anthropic. Der Wert des Fonds ist Beteiligten zufolge auf rund 10 Milliarden Dollar gefallen.
In einem Schreiben an Investoren übernahm Aschenbrenner die volle Verantwortung für die Ereignisse. Er kündigte an, in den kommenden Wochen Risikokontrolle und Portfoliomanagement grundlegend zu überarbeiten, um eine Wiederholung zu verhindern.
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