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Anthropic bereitet sich auf einen Börsengang vor, der das KI-Unternehmen womöglich mit 2 Billionen Dollar bewertet. Die Summe klingt nahezu absurd. Anthropic wurde erst 2021 gegründet und erzielte zwei Jahre später kaum nennenswerte Erlöse. Inzwischen gehört das Unternehmen hinter Claude jedoch zu den am schnellsten wachsenden Firmen der Welt.
Nach Angaben der Financial Times lag der annualisierte Umsatz im August bei rund 65 Milliarden Dollar. Einige Investoren halten es für möglich, dass dieser Wert bis Ende kommenden Jahres bereits auf 320 Milliarden Dollar steigt.
Sollte das gelingen, wirkt eine Bewertung von 2 Billionen Dollar plötzlich weniger abwegig.
Üblicherweise bewerten Anleger ein Unternehmen, indem sie künftige Umsätze oder Gewinne mit vergleichbaren Firmen ins Verhältnis setzen.
Bei Anthropic führt das zu bemerkenswerten Ergebnissen. Sollte der Umsatz tatsächlich in Richtung 320 Milliarden Dollar wachsen, entspräche eine Bewertung von 2 Billionen Dollar etwa dem Siebenfachen des erwarteten Umsatzes. Laut FT läge das sogar etwas unter der Bewertung von Microsoft auf Basis vergleichbarer Zukunftszahlen.
Das Problem ist allerdings, dass niemand weiß, ob diese Umsatzprognosen realistisch sind. Vor 18 Monaten rechnete Anthropic selbst für 2027 noch mit einem Umsatz von rund 12 Milliarden Dollar.
Die Erwartungen ändern sich damit fast schneller als die KI-Modelle.
Eine zweite Möglichkeit, Anthropic zu bewerten, ist der Blick auf den gesamten KI-Markt. Dort werden die Zahlen noch spektakulärer.
Morgan Stanley schätzt, dass generative KI langfristig Einfluss auf Wissensarbeit und digitalisierbare Konsumausgaben im Umfang von rund 60 Billionen Dollar haben könnte.
Wenn KI davon nur einen Teil erobert und Anthropic zu den großen Gewinnern zählt, könnte sich eine Bewertung von 2 Billionen Dollar im Rückblick sogar als günstig erweisen.
Doch darin steckt eine riskante Annahme. Entscheidend ist nicht, wie viel Wert KI schafft. Entscheidend ist, wie viel davon bei Anthropic ankommt.
Das ist womöglich das größte Risiko. Anthropic konkurriert mit OpenAI, Google, Meta, chinesischen Anbietern und immer leistungsfähigeren offenen Modellen. Zugleich sinken die Preise für die Nutzung von KI.
Unternehmen setzen zudem zunehmend Software ein, die automatisch das günstigste geeignete Modell auswählt. Wenn Claude, ChatGPT und konkurrierende Modelle am Ende weitgehend dasselbe leisten, wird der Preis wichtiger als die Marke.

Dann könnten die Margen der Modellentwickler stark unter Druck geraten. Anthropic versucht deshalb, in der Wertschöpfungskette nach oben zu rücken, etwa mit spezialisierter Software für Anwälte. Dort könnten langfristig höhere Margen und engere Kundenbeziehungen entstehen.
Die ehrliche Antwort lautet: Niemand weiß es. Wer daran glaubt, dass Anthropic Hunderte Milliarden Dollar Umsatz erzielen und einen erheblichen Teil der KI-Wirtschaft für sich gewinnen kann, kann eine Bewertung von 2 Billionen Dollar begründen. Wer hingegen erwartet, dass KI-Modelle billig und austauschbar werden, sieht vor allem eine gewaltige Bewertungsblase.
Genau das macht den Börsengang so interessant. Anthropic wird nicht einfach nur eine weitere Aktie.
Das Unternehmen dürfte zu einem der bisher wichtigsten Tests dafür werden, wie viel vom KI-Hype am Ende in echte Gewinne mündet.
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