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Künstliche Intelligenz (KI) beginnt, den Kryptomarkt grundlegend zu verändern. KI-Programme können inzwischen selbstständig Zahlungen ausführen, Daten kaufen und digitale Dienstleistungen in Anspruch nehmen.

Laut einem neuen Bericht des Blockchain-Analyseunternehmens Chainalysis wurden über ein Zahlungsprotokoll von Coinbase bereits mehr als 138 Millionen Transaktionen abgewickelt. Vor allem die USA sind hier führend, während China einen auffallend anderen Schwerpunkt setzt.

USA führend bei KI-Zahlungen

Immer mehr KI-Programme können selbstständig Zahlungen ausführen, ohne dass ein Mensch diese jedes Mal freigeben muss. Solche Programme werden als KI-Agenten bezeichnet.

Laut einem neuen Bericht des Blockchain-Analyseunternehmens Chainalysis liegen die USA dabei mit großem Abstand vorn. Von allen untersuchten Zahlungen für KI-Dienste, deren Herkunft sich ermitteln ließ, stammten 88,1 Prozent aus US-amerikanischen Wallets.

Auf China entfielen lediglich 0,1 Prozent.

Dabei geht es vor allem um Zahlungen für die Nutzung von KI-Modellen, etwa zur Beantwortung von Fragen, zum Verfassen von Texten oder zur Datenanalyse. Für solche Dienste müssen Nutzer häufig bezahlen.

Eric Jardine, Forschungsleiter bei Chainalysis, sieht eine mögliche Erklärung für den enormen Unterschied zwischen den beiden Ländern.

Chinesische Entwickler greifen möglicherweise häufiger auf frei verfügbare KI-Modelle wie DeepSeek und Qwen zurück. Dadurch müssen sie seltener für kommerzielle KI-Dienste bezahlen.

Jardine betont, dass diese Erklärung bislang nicht belegt ist. Die Zahlen zeigen lediglich, woher die untersuchten Zahlungen stammen, nicht aber, warum sich Nutzer für bestimmte Dienste entscheiden.

Dass China in diesen Zahlen kaum auftaucht, bedeutet zudem nicht, dass das Land bei KI im Rückstand ist. In einem anderen Bereich nimmt China vielmehr eine dominierende Stellung ein.

Automatisierte Kryptozahlungen wachsen rasant

Eine wichtige Rolle bei dieser Entwicklung spielt x402, ein Zahlungsprotokoll der US-Kryptobörse Coinbase. Damit können KI-Programme selbstständig für digitale Dienste bezahlen, etwa für den Abruf von Informationen, die Nutzung anderer KI-Modelle oder die vorübergehende Bereitstellung zusätzlicher Rechenleistung. Eine menschliche Freigabe ist nicht bei jeder Zahlung erforderlich.

Eine zentrale Rolle spielen dabei Stablecoins. Ihr Wert ist in der Regel an eine traditionelle Währung wie den US-Dollar gekoppelt. Sie ermöglichen auch Überweisungen sehr kleiner Beträge, für die herkömmliche Zahlungsmethoden wie Kreditkarten häufig zu teuer sind.

Laut Chainalysis lag der Wert von mehr als 87 Prozent der untersuchten x402-Zahlungen zwischen 0,01 und 10 US-Cent. Ein KI-Programm kann so beispielsweise für einen einzelnen Datensatz bezahlen, ohne gleich ein teures Abonnement abschließen zu müssen. Auch große Zahlungsdienstleister sehen Potenzial: Visa, Mastercard und Stripe haben ihre Unterstützung für x402 bekundet.

Die Zahl der Transaktionen wächst unterdessen schnell. Im Juli wickelte x402 innerhalb von 30 Tagen rund 75 Millionen Zahlungen mit einem Gesamtwert von 24 Millionen US-Dollar ab. Das entspricht durchschnittlich 32 US-Cent je Zahlung.

Allerdings sind diese Zahlen nur bedingt aussagekräftig. Frühere Untersuchungen deuteten darauf hin, dass ein Teil der Transaktionen möglicherweise künstlich erzeugt wurde. Chainalysis sieht jedoch Hinweise darauf, dass immer mehr Wallets tatsächlich für automatisierte Zahlungen genutzt werden.

Von den Wallets, die im zweiten Quartal 2026 erstmals Geld erhielten, verzeichneten 89,3 Prozent innerhalb von 30 Tagen einen weiteren Zahlungseingang. Im dritten Quartal 2025 waren es noch 70,6 Prozent gewesen.

Auch werden neue Wallets immer schneller aktiv. Ende 2025 dauerte es nach einem Geldeingang im Durchschnitt noch 73 Tage, bis eine Wallet ihre erste x402-Zahlung ausführte. Im dritten Quartal 2026 war diese Zeitspanne auf nur noch 18 Minuten gesunken.

Laut Chainalysis könnte das darauf hindeuten, dass immer mehr Wallets gezielt eingerichtet werden, damit KI-Programme selbstständig Zahlungen ausführen können.

China dominiert bei Blockchain-Sicherheit

Während US-amerikanische Wallets vor allem für die Nutzung von KI-Diensten eingesetzt werden, spielt China bei Zahlungen für Blockchain-Sicherheit eine große Rolle. Laut Chainalysis stammten rund 90 Prozent der untersuchten Zahlungen für Sicherheitsdienste und Codeanalysen aus chinesischen Wallets, sofern sich deren Herkunft ermitteln ließ.

Ein Großteil dieser Zahlungen ging an AgentLisa, eine KI-Plattform, die Smart Contracts auf Fehler und Sicherheitsprobleme prüft. Smart Contracts sind digitale Verträge, die automatisch ausgeführt werden, sobald bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Sie sind in Blockchain-Netzwerken weit verbreitet.

Die Zahlen zeigen, dass sich die USA und China vorerst auf unterschiedliche Anwendungen konzentrieren. Zugleich betont Chainalysis, dass die Untersuchung nur zuordenbare Transaktionen über x402 erfasst. Sie bildet daher nicht sämtliche KI-Zahlungen weltweit ab.

Dennoch rechnen Experten damit, dass dieser Markt in den kommenden Jahren erheblich wachsen könnte. Yat Siu, Mitgründer von Animoca Brands, hält es für möglich, dass langfristig 100 Milliarden KI-Agenten selbstständig Transaktionen im Internet ausführen.

Auch Stephanie Cohen, Strategiechefin bei Cloudflare, sieht Potenzial für Stablecoins. Ihrer Einschätzung nach eignen sich diese digitalen Coins besonders für die kleinen, regelmäßig anfallenden Zahlungen von KI-Programmen.

Für die Kryptobranche könnte das weitreichende Folgen haben. Während Blockchain-Netzwerke bislang vor allem von Menschen und Unternehmen genutzt werden, könnten künftig auch KI-Programme selbstständig digitale Dienste kaufen und verkaufen. Laut Chainalysis entsteht damit eine neue Nutzergruppe, die für zusätzliche Aktivität in Blockchain-Netzwerken sorgen könnte.

Wie groß dieser Markt tatsächlich wird, ist noch ungewiss. Die gesamten Zahlungsvolumina sind bislang vergleichsweise gering. Zudem ist unklar, welcher Anteil der Transaktionen auf echte kommerzielle Nachfrage zurückgeht. Auch bedeutet die Prognose von 100 Milliarden KI-Agenten nicht, dass ebenso viele neue menschliche Kryptonutzer hinzukommen.

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