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Die US-Notenbank wird künftig seltener über die Zinsen entscheiden. Fed-Chef Kevin Warsh will einen Teil der Sitzungen langfristigen Fragen widmen.
Er will, dass sich die Federal Reserve weniger am Tagesgeschehen orientiert. Damit bricht er mit einem festen Sitzungskalender, an dem sich Anleger seit Jahrzehnten ausrichten.
Warsh stellte den Plan gestern Abend auf seiner Pressekonferenz vor. Die Fed wird weiterhin achtmal im Jahr tagen. Ab Herbst 2027 soll sich jedoch eine Sitzung ausschließlich mit übergeordneten Strategiefragen befassen.
Bei dieser Sitzung wird der Offenmarktausschuss (FOMC), der über die Leitzinsen entscheidet, keinen Zinsbeschluss fassen. Auch eine geldpolitische Erklärung wird es dann nicht geben.
Für 2028 rechnet Warsh mit zwei solchen Strategiesitzungen. Damit blieben noch sechs Zinsentscheidungen pro Jahr, ein Viertel weniger als bisher. Das wäre eine deutliche Veränderung: Seit 1981 hält der FOMC jährlich acht reguläre Sitzungen ab.
Regelmäßige Zinsentscheidungen bleiben laut Warsh notwendig, um kurzfristige Entwicklungen angemessen zu berücksichtigen. Ebenso wichtig sei es aber, dass sich das Gremium mit seinen unterschiedlichen Denkansätzen Zeit für strategische Beratungen nehme, grundlegende Fragen neu bewerte und den Blick stärker auf die langfristige Entwicklung richte.
Neu ist die Idee nicht. Bereits 2014 untersuchte Warsh die Arbeitsweise der Bank of England. Anschließend reduzierte die britische Notenbank die Zahl ihrer jährlichen Sitzungen von zwölf auf acht.
Nach der ersten Zinserhöhung seit mehr als drei Jahren wartet die Fed zunächst ab. Die US-Notenbank beließ den Leitzins gestern Abend bei 3,75 bis 4 Prozent. Die Entscheidung fiel allerdings nicht einstimmig aus. Zehn Mitglieder stimmten für eine Zinspause, während zwei bereits eine weitere Erhöhung befürworteten.
Warsh zufolge ist die Inflation weiterhin zu hoch, es gebe aber Fortschritte. Im Gremium herrsche weitgehend Einigkeit darüber, dass die geldpolitischen Maßnahmen allmählich wirkten, erklärte er mit Blick auf seinen Kurs seit dem Amtsantritt im Mai.
Seit September ist die Kreditaufnahme für Unternehmen und private Haushalte allerdings schwieriger geworden. Die Finanzierungsbedingungen hätten sich insgesamt verschärft, sagte Warsh. Als restriktiv könne und wolle er sie jedoch nicht bezeichnen.
Vor dem nächsten Schritt will die Fed weitere Daten abwarten. Erste wichtige Hinweise liefert heute Nachmittag die Veröffentlichung des PCE-Preisindex. Er ist das von der Notenbank bevorzugte Inflationsmaß.
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Nicht alle überzeugt der Plan. Nach Einschätzung von Kevin Flanagan, Leiter der Anlagestrategie bei WisdomTree, stellt sich am Anleihemarkt die Frage, warum die Fed an acht Sitzungen festhält, wenn sie nach einer davon keine öffentliche Erklärung abgibt.
Die Renditen langlaufender US-Staatsanleihen stiegen nach Warshs Äußerungen. Laut Flanagan befürchten Anleger stärkere Marktschwankungen, wenn die Fed seltener über die Zinsen entscheidet.
Die längeren Abstände zwischen den Beschlüssen würden die Unsicherheit über den nächsten Schritt der Notenbank verlängern.
Hinzu kommt, dass Warsh die geldpolitische Erklärung bereits gekürzt hat und keine Forward Guidance mehr gibt, also keine Hinweise auf die künftige Zins- und Wirtschaftsentwicklung. Anleger haben dadurch weniger Orientierung und verlangen für die zusätzliche Unsicherheit eine höhere Rendite.
Bei kurzen Laufzeiten zeigte sich dagegen die umgekehrte Entwicklung. Die Rendite zweijähriger Staatsanleihen, die vor allem die Erwartungen an den Fed-Leitzins widerspiegelt, fiel deutlich. Anleger rechnen demnach mit einer etwas weniger restriktiven Geldpolitik.
Eine weitere Zinserhöhung bleibt dennoch möglich. Für die Sitzung im Dezember erwartet die große Mehrheit am Markt weiterhin einen Zinsschritt nach oben. Weitere Einzelheiten zum neuen Sitzungskalender sollen später folgen.
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