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Der Kurs des japanischen Yen gegenüber dem US-Dollar fällt weiter, und die japanische Regierung warnt vor entschlossenen Gegenmaßnahmen. Der Wechselkurs ist auf den niedrigsten Stand seit fast vierzig Jahren gefallen, doch Anleger lassen sich von den Drohungen aus Tokio bislang kaum beeindrucken.

Ein schwacher Yen ist nicht nur für Japan von Bedeutung. Weil Anleger günstig Kredite in Yen aufnehmen und das Geld weltweit investieren können, spielt die japanische Währung eine wichtige Rolle an den internationalen Finanzmärkten. Dieses Geschäft wird als „Yen-Carry-Trade“ bezeichnet. Eine abrupte Aufwertung des Yen kann zum Abbau solcher Positionen führen. Das könnte Unruhe an den Börsen weltweit auslösen und auch risikoreiche Anlagen wie Technologiewerte und Kryptowährungen unter Druck setzen.
Deshalb beobachten Anleger weltweit die Lage in Japan derzeit sehr genau. Noch ist in der Wechselkursentwicklung des Yen kein Wendepunkt erkennbar. Eine Intervention der japanischen Regierung könnte ihn jedoch herbeiführen.
Der Rückgang des Yen fällt in eine Phase zunehmender Spannungen rund um Iran. Anleger suchen verstärkt die Sicherheit des US-Dollars, während steigende Ölpreise die japanische Wirtschaft zusätzlich belasten.
Finanzministerin Satsuki Katayama erklärte am Mittwoch, die japanische Regierung werde „angemessene und entschlossene Maßnahmen“ ergreifen, falls die Lage dies erfordere. An der Linie für mögliche Devisenmarktinterventionen habe sich nichts geändert.
Devisenhändler zeigen sich von den Warnungen jedoch kaum beeindruckt. Sie verweisen darauf, dass Tokio in den vergangenen Monaten mehrfach mit Eingriffen gedroht habe, ohne tatsächlich zu handeln. Damit scheint der Markt auszuloten, wie weit der Yen fallen kann, bevor die Regierung einschreitet.
Katayama sagte, die Lage zwischen den Vereinigten Staaten und Iran habe sich plötzlich deutlich verschärft und eine ausgesprochen schwierige Situation geschaffen. Die Behörden würden handeln, „wenn es erforderlich ist“.
Die anhaltenden Spannungen im Nahen Osten haben den Ölpreis deutlich steigen lassen. Für Japan, das stark von Energieimporten abhängig ist, bedeutet das höhere Kosten. Der schwache Yen verteuert diese Importe zusätzlich.
Neue Handelsdaten machen diese Anfälligkeit deutlich. Japans Handelsdefizit stieg im Juni überraschend auf 2,5 Milliarden Dollar und lag damit mehr als doppelt so hoch wie von Ökonomen erwartet.
Unterdessen spekulieren Anleger darüber, wann Tokio tatsächlich eingreifen wird. Zuletzt intervenierte Japan zwischen Ende April und Ende Mai, als die Regierung knapp 11,7 Billionen Yen (62 Milliarden Euro) einsetzte, um die Währung zu stützen. Die Wirkung war jedoch nur von kurzer Dauer; der Yen nahm seinen Abwärtstrend rasch wieder auf.
Nach Einschätzung von Yujiro Goto von Nomura verschieben sich damit auch die Markterwartungen. Ging man bislang davon aus, dass Japan bei etwa 162 Yen je Dollar eingreifen würde, rechnen Anleger nun damit, dass die Behörden erst bei einem noch schwächeren Yen aktiv werden. Mit dem weiteren Rückgang des Yen nimmt die Anspannung an den Devisenmärkten zu. Die Frage ist nicht mehr, ob Japan interveniert, sondern vor allem wann.
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