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Aktien von Tesla, Nvidia und Google lassen sich dank Blockchain-Technologie inzwischen auch mitten in der Nacht handeln. Das eröffnet Anlegern neue Möglichkeiten, birgt nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) aber auch erhebliche Risiken. Eine Untersuchung zeigt, dass digitale Aktien deutlich stärkeren Kursschwankungen unterliegen als herkömmliche Aktien. Zudem können Anleger ihre Bestände weniger leicht verkaufen.
Der IWF untersuchte den Aufstieg sogenannter tokenisierter Aktien in seinem Bericht zur globalen Finanzstabilität. Das entsprechende Kapitel trägt den Titel Tokenisierung im größeren Maßstab: Neue Effizienzgewinne und neue Schwachstellen.
Tokenisierte Aktien sind digitale Produkte, die den Wert bestehender börsennotierter Aktien abbilden. Sie werden über eine Blockchain gehandelt. Anleger sind damit nicht an die Handelszeiten herkömmlicher Börsen gebunden.
Der IWF analysierte unter anderem digitale Aktien von Tesla, Nvidia und Alphabet, dem Mutterkonzern von Google. Das Ergebnis: Tokenisierte Aktien sind etwa anderthalbmal so volatil wie ihre herkömmlichen Pendants. Ihre Kurse schwanken im Durchschnitt also um 50 Prozent stärker.
Diese größeren Kursbewegungen können Anlegern zusätzliche Gewinne bringen. Zugleich steigt jedoch das Risiko erheblicher Verluste.
Hinzu kommt eine deutlich geringere Liquidität. Da weniger Käufer und Verkäufer aktiv sind, kann es für Anleger schwierig sein, ihre digitalen Aktien rasch zum gewünschten Preis zu verkaufen.
Nach Einschätzung des IWF verschärft die mangelnde Vernetzung der Handelsplattformen und der verschiedenen Blockchains dieses Problem.
Der Markt besteht aus getrennten Systemen für Handel, Verwahrung und Transaktionsabwicklung. Plattformübergreifender Handel ist deshalb für Anleger nicht immer ohne Weiteres möglich.
Der IWF sieht allerdings auch klare Vorteile. Besonders gefragt ist die Möglichkeit, außerhalb der regulären Börsenzeiten zu handeln.
Der Untersuchung zufolge findet mehr als die Hälfte aller Transaktionen mit tokenisierten Aktien statt, wenn die US-Aktienbörsen geschlossen sind.
Zudem werden bei rund 80 Prozent der Transaktionen weniger als eine ganze Aktie gehandelt. Anleger müssen also nicht gleich eine vollständige Tesla- oder Nvidia-Aktie kaufen, sondern können auch kleinere Beträge investieren.
Ein weiteres bemerkenswertes Ergebnis: Digitale Aktien können frühzeitig Hinweise auf die Richtung des traditionellen Aktienmarktes liefern.
Nach Angaben des IWF spiegeln sich mehr als 85 Prozent der nächtlichen Kursbewegungen innerhalb von fünf Minuten nach Öffnung der US-Börse in den Kursen herkömmlicher Aktien wider.
Über tokenisierte Aktien können Anleger somit bereits auf Unternehmensnachrichten und wirtschaftliche Entwicklungen reagieren, während die Wall Street geschlossen ist. Der traditionelle Aktienmarkt verarbeitet diese Informationen dann mit Handelsbeginn.
Trotz der Risiken wächst das Interesse an tokenisierten Finanzprodukten.
Nach den vom IWF angeführten Zahlen hatte der weltweite Markt für tokenisierte reale Vermögenswerte (RWAs) am 31. Juli einen geschätzten Wert von 65 Milliarden Dollar.
Bei der Tokenisierung realer Vermögenswerte werden bestehende Vermögenswerte wie Aktien, Anleihen und andere Finanzprodukte digital auf einer Blockchain abgebildet.
Auf tokenisierte Aktien entfielen rund 2,3 Milliarden Dollar des gesamten Marktwerts.
Das ist weiterhin nur ein Bruchteil des traditionellen Aktienmarktes. Nach Angaben des US-Branchenverbands SIFMA lag der Gesamtwert aller Aktien weltweit im Jahr 2025 bei knapp 160 Billionen Dollar.
Dennoch investieren immer mehr große Handelsplattformen in diese Technologie.
Unternehmen wie Coinbase, Kraken, Binance und Robinhood haben Angebote für den Handel mit tokenisierten Aktien entwickelt. Die Verfügbarkeit unterscheidet sich je nach Plattform und Land.
Auch die Handelsplattform Bullish stieg im August in diesen Markt ein. Daneben arbeiten OKX und Intercontinental Exchange (ICE), der Mutterkonzern der New York Stock Exchange, an Plänen für den Handel mit US-Aktien außerhalb der üblichen Börsenzeiten.
Der IWF sieht in dieser Entwicklung erhebliche Vorteile. Finanzinstitute können mithilfe der Blockchain-Technologie Transaktionen schneller abwickeln, Sicherheiten leichter übertragen und Verwaltungsprozesse automatisieren.
In bestimmten Systemen lassen sich auch Dividenden automatisch ausschütten. Gerade diese Automatisierung kann nach Einschätzung des IWF jedoch gefährlich werden, wenn die Finanzmärkte unter Druck geraten.
Werden Aktien rund um die Uhr gehandelt, können sich plötzliche Kursrückgänge schneller ausbreiten. Automatische Verkaufsaufträge können diese Bewegungen zusätzlich verstärken, insbesondere wenn viele Anleger gleichzeitig ihre Positionen schließen.
Vorerst bleiben diese Risiken dem IWF zufolge wegen der vergleichsweise geringen Größe des Marktes begrenzt.
Die Organisation fordert deshalb klare Regeln zu Eigentumsrechten, Liquidität und der Sicherheit von Handelssystemen. Damit soll verhindert werden, dass das weitere Wachstum tokenisierter Aktien neue Schwachstellen im Finanzsystem schafft.
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