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Die indonesische Börse ist am Freitag nach einer eindringlichen Warnung des Indexanbieters MSCI eingebrochen. Der Leitindex verlor fast 12 Prozent und verzeichnete damit den größten Tagesverlust seit der asiatischen Finanzkrise von 1998.
Anleger befürchten, dass Indonesien seinen Status als Schwellenmarkt verliert. Dadurch könnten ausländische Investitionen in Milliardenhöhe aus dem Land abfließen.
Der Jakarta Composite Index, der wichtigste Aktienindex Indonesiens, brach am Freitag um fast 12 Prozent ein. Die Verkaufswelle war so heftig, dass der Börsenhandel für 30 Minuten ausgesetzt wurde.
Für indonesische Anleger verschärft der Einbruch ein ohnehin ausgesprochen schwaches Börsenjahr. Seit Anfang 2026 hat der Leitindex rund 40 Prozent verloren. Damit zählt der indonesische Aktienmarkt zu den schwächsten weltweit.

Auch die indonesische Währung steht erheblich unter Druck. Die Rupiah hat in diesem Jahr gegenüber dem US-Dollar rund acht Prozent an Wert verloren und näherte sich am Freitag einem historischen Tiefstand. Zugleich sanken die Anleihekurse – ein Zeichen für die wachsenden Sorgen um die Finanzmärkte des Landes.
Unmittelbarer Auslöser der Panik ist eine Warnung von MSCI, einem der wichtigsten Anbieter internationaler Börsenindizes. Das Unternehmen erwägt, Indonesien den bisherigen Status als Schwellenmarkt zu entziehen.
Das könnte weitreichende Folgen haben: Weltweit sind enorme Summen in Fonds investiert, die MSCI-Indizes nachbilden.
MSCI erwägt nicht nur eine Herabstufung Indonesiens. Das Land könnte sogar aus den üblichen Kategorien für Schwellenländer und kleinere Aktienmärkte herausfallen.
Verliert ein Land seinen Status als Schwellenmarkt, kommt normalerweise eine Herabstufung zum sogenannten Frontier Market infrage. Darunter fallen kleinere Aktienmärkte, die für internationale Anleger weniger zugänglich sind.
MSCI hält die Probleme in Indonesien jedoch für so gravierend, dass der Anbieter direkt einen sogenannten Standalone-Status erwägt. Damit wäre das Land nicht mehr in den wichtigsten internationalen Indizes für Schwellenländer und kleinere Märkte vertreten.
Im Mittelpunkt steht die mangelnde Transparenz am indonesischen Aktienmarkt. Bei mehreren börsennotierten Unternehmen ist nicht ausreichend geklärt, wem die Aktien tatsächlich gehören. Zudem besteht der Verdacht auf abgestimmte Aktiengeschäfte. Nach Einschätzung von MSCI gehen die Aufsichtsbehörden nicht entschieden genug gegen Missstände vor.
Indonesien hat bereits Reformen angekündigt. Dazu zählen strengere Offenlegungspflichten für Anteilseigner und höhere Anforderungen an den Streubesitz. Laut MSCI wollen Großanleger jedoch zunächst sehen, dass diese Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden und Wirkung zeigen.
Der Indexanbieter holt in den kommenden Monaten Stellungnahmen von Marktteilnehmern ein und will spätestens Ende Juni 2027 eine endgültige Entscheidung treffen. Sollten bis dahin keine deutlichen Verbesserungen erkennbar sein, droht Indonesien der Verlust seines bisherigen Status.
Vor allem der mögliche Abzug ausländischen Kapitals bereitet Anlegern Sorgen. Viele internationale Investmentfonds bilden die Zusammensetzung der MSCI-Indizes automatisch nach. Fällt Indonesien aus diesen Indizes heraus, müssten die Fonds möglicherweise ihre indonesischen Aktien verkaufen.
Nach Berechnungen von Mirae Asset Sekuritas Indonesia könnte eine Herabstufung auf den Standalone-Status zu Kapitalabflüssen von rund 3 Milliarden Dollar führen. Citigroup hält sogar einen um mehrere Milliarden Dollar höheren Betrag für möglich.
Ausländische Anleger ziehen sich bereits seit Längerem aus Indonesien zurück. Seit Anfang 2026 haben internationale Fonds netto rund 4,9 Milliarden Dollar aus indonesischen Aktien abgezogen. Damit droht der heimischen Börse bei den ausländischen Investitionen das bislang schlechteste Jahr.
Nach Einschätzung der Citigroup-Analysten hätte eine direkte Herabstufung auf den Standalone-Status besonders schwere Folgen. Bei einer regulären Herabstufung zum Frontier Market könnten kleinere Investmentfonds weiterhin indonesische Aktien kaufen. Mit dem Standalone-Status würde auch diese potenzielle Nachfrage weitgehend entfallen.
Die indonesische Börse hat angekündigt, von MSCI nähere Erläuterungen einzufordern. Nach Angaben der Börsenverantwortlichen wurden bereits wichtige Reformen umgesetzt. Auch die Finanzaufsicht betont, dass sie entschiedener gegen Marktmanipulation vorgeht.
So wurden gegen Beteiligte an mutmaßlichen Manipulationen im Zusammenhang mit PT Dian Swastatika Sentosa Geldbußen von insgesamt 1,5 Billionen Rupiah verhängt, umgerechnet rund 83 Millionen Dollar. Auch bei den Börsengängen von Barito Renewables Energy und Petrindo Jaya Kreasi wurden Unregelmäßigkeiten festgestellt.
Die Probleme erhöhen den Druck auf Präsident Prabowo Subianto, der ausländische Investoren von den wirtschaftlichen Chancen Indonesiens überzeugen will. Seine Regierung steht zudem wegen der Finanzierung eines umfangreichen Programms für kostenlose Mahlzeiten in der Kritik. Hinzu kommen Sorgen um die Unabhängigkeit der Zentralbank und den wachsenden staatlichen Einfluss auf wichtige Branchen.
MSCI hält unterdessen an den bestehenden Beschränkungen für Änderungen an indonesischen Aktienindizes fest. Neue Aktien werden vorerst nicht ohne Weiteres aufgenommen, und bestimmte bestehende Gewichtungen dürfen nicht erhöht werden.
Der große Indexanbieter FTSE Russell hatte dagegen Anfang des Monats bestätigt, dass Indonesien seinen Status als Schwellenmarkt vorerst behält. Die kommenden Monate werden daher entscheidend dafür sein, ob Jakarta das Vertrauen internationaler Anleger zurückgewinnen kann.
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