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Europa steht vor einem unsicheren Winter. Zu Beginn der Heizperiode sind die Gasvorräte in der Europäischen Union so niedrig wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr. Die Internationale Energieagentur (IEA) warnt vor erheblichen Folgen, sollte der Winter kalt ausfallen oder es zu weiteren Lieferstörungen kommen. Zudem könnte die Knappheit auf dem weltweiten Gasmarkt bis weit ins Jahr 2027 anhalten.
Die europäischen Gasspeicher sind zu Beginn der Wintersaison weniger gut gefüllt als in den Vorjahren. Laut einem neuen Bericht der IEA sind die Vorräte sogar so niedrig wie seit 2013 nicht mehr.
Das macht Europa anfälliger für unerwartete Entwicklungen. Vor allem bei stark sinkenden Temperaturen kann die Nachfrage nach Erdgas rasch zunehmen. Gleichzeitig ist Europa zunehmend auf den internationalen Markt für Flüssigerdgas (LNG) angewiesen.
Flüssigerdgas wird per Schiff transportiert und ist eine wichtige Alternative zu Gaslieferungen über Pipelines. Allerdings konkurrieren die europäischen Länder dabei mit anderen großen Abnehmern, darunter Staaten in Asien.
Die IEA warnt, dass ein kälterer Winter als erwartet oder erneute Lieferstörungen die Lage weiter verschärfen könnten. In diesem Fall droht ein erneuter Anstieg der Gaspreise.
Die Sorgen reichen über den kommenden Winter hinaus. Die niedrigen Gasvorräte könnten auch im nächsten Jahr Probleme verursachen.
Nach dem Ende der Heizperiode müssen die europäischen Länder ihre Gasspeicher wieder auffüllen. Weil die Vorräte schon jetzt vergleichsweise niedrig sind, könnte dafür vor dem Winter 2027 zusätzliches Gas benötigt werden.
Nach Einschätzung der IEA könnte diese zusätzliche Nachfrage die Knappheit auf dem Weltmarkt bis weit ins Jahr 2027 verlängern. Damit bleibt Europa anfällig für Preisschwankungen, selbst wenn der kommende Winter ohne größere Probleme verläuft.
Die Energieagentur rechnet zudem damit, dass das weltweite Angebot an Flüssigerdgas 2026 um rund drei Prozent zurückgeht. Gleichzeitig dürfte die weltweite Gasnachfrage um etwa 1,5 Prozent sinken.
Ein Grund für die geringere Nachfrage ist der sinkende Gasverbrauch europäischer Industrieunternehmen. Zudem stellen mehrere asiatische Länder ihre Stromerzeugung von Erdgas auf Kohle um.
Trotz der sinkenden Nachfrage bleibt der Gasmarkt damit anfällig für Störungen. Gerade unerwartete Lieferausfälle können bei niedrigen Vorräten erhebliche Folgen haben.
Eine wesentliche Ursache für die angespannte Lage am Gasmarkt liegt im Nahen Osten. Der Transport von Flüssigerdgas durch die Straße von Hormus kam zwischen März und Oktober nahezu vollständig zum Erliegen.
Die Meerenge ist eine wichtige Route für internationale Energielieferungen. Durch die Störungen stiegen die Gaspreise auf den höchsten Stand seit der europäischen Energiekrise 2022 und 2023.
Es gibt jedoch auch Entwicklungen, die den Markt entlasten könnten. Vor allem Nordamerika spielt dabei eine zunehmend wichtige Rolle.
Nach Angaben der IEA hilft das wachsende LNG-Angebot unter anderem aus den USA, Lieferausfälle aus anderen Regionen teilweise auszugleichen. Flexiblere Handelsverträge erleichtern es zudem, Gaslieferungen in die Länder mit dem größten Bedarf umzuleiten.
Die Energieagentur betont, dass die internationale Zusammenarbeit für die Versorgungssicherheit weiterhin unerlässlich ist. Der weltweite Gasmarkt wird zwar flexibler. Doch die Störungen rund um die Straße von Hormus zeigen, wie schnell Lieferprobleme zu höheren Preisen führen können.
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